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Bundespräsident im ZDF-Interview "Asyltourismus" - Steinmeier warnt vor Verrohung der Sprache

Nach dem Streit in der Union über die Flüchtlingspolitik hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Politiker zu mehr "Disziplin bei der Sprache" ermahnt. Im ZDF-Interview kritisierte er auch die Wortwahl von Bayerns Ministerpräsident Söder.

Stand: 08.07.2018

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier | Bild: dpa-Bildfunk/Bernd von Jutrczenka

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den erbittert geführten Asylstreit in der Union kritisiert und vor einer Verrohung der Sprache gewarnt. "Wir müssen zurück zur Vernunft", sagte er am Sonntag im Sommerinterview der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Angesprochen auf den von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verwendeten Begriff "Asyltourismus" sagte Steinmeier, an Regierungsparteien gebe es die Anforderung, "auf Sprache zu achten".

Söder verteidigt Wortwahl

Der bayerische Ministerpräsident Söder hatte seine Wortwahl in einem Interview verteidigt: "Die Bevölkerung versteht das Wort 'Asyltourismus' leider sehr genau", sagte der CSU-Politiker der "Welt am Sonntag". Die Menschen hätten kein Verständnis dafür, dass Menschen wieder nach Deutschland kämen, die bereits mit einem Einreiseverbot belegt seien.

Steinmeier mahnt zu Disziplin

Der Bundespräsident mahnte, er halte nichts von übertriebener politischer Korrektheit. Aber man müsse sich verantwortungsvoll streiten. "Das verlangt auch eine gewisse Disziplin bei der Sprache", sagte Steinmeier.

Steinmeier betonte im ZDF, auch Begriffe wie "Achse der Willigen" (von Österreichs Kanzler Sebastian Kurz für eine engere Kooperation zwischen Österreich, Italien und Deutschland ins Spiel gebracht), seien keine "geeignete Sprache". Der Weg zu einer gemeinsamen Migrationspolitik in Europa sei schließlich mühsam genug. "Deswegen glaube ich sollten wir auch keine Sprache pflegen, die noch spalterisch wirken kann."


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