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Schwache Betonbarrieren Placebo-Poller gegen den Terror

Zuletzt Stockholm, Berlin an Weihnachten und im vergangenen Sommer Nizza: Die perfide Terrorstrategie ist der Einsatz von Lastwagen als Waffe. Betonpoller sollen verheerende Attacken in Menschenmengen verhindern. Ein Test der Dekra zeigt nun: Diese Poller taugen nichts.

Von: Birgit Gamböck

Stand: 11.04.2017

Nur wenige Tage nach dem Anschlag in Berlin mit elf Toten und 55 Verletzten wurden Weihnachtsmärkte in ganz Deutschland eilends mit Betonpollern umfriedet. Nicht noch einmal sollten Unschuldige durch einen Terror-Lkw zu Tode kommen. Die Maßnahme zeigte Wirkung: Die Menschen trauten sich weiter raus zwischen die Buden – vermeintlich geschützt durch schwere Betonblöcke.  

Umgefahren wie Legosteine

Sie sind aber nicht schwer genug, wie sich jetzt herausstellt. Zwei Tests der Dekra im Auftrag des MDR-Verbrauchermagazins Umschau ergaben, dass die gebräuchlichen Absperrungen unzureichend sind, dass sie fast wie Legosteine umgefahren werden.

Getestet haben die Dekra-Prüfer die schwersten derzeit auf dem Markt erhältlichen Blöcke, die bundesweit als Antiterror-Sperren eingesetzt werden. Sie wiegen 2,4 Tonnen und messen 0,8 mal 0,8 mal 1,6 Meter. Der Test-Lkw wog zehn Tonnen und entsprach dem Modell, das in Nizza verwendet wurde. Auf der Promenade starben beim ersten Anschlag dieser Art 84 Menschen, mehr als 300 wurden verletzt, als ein Islamist in die Parade zum Nationalfeiertag raste. Die Anschlagsfahrzeuge in Stockholm und Berlin waren sogar noch größer.

Aufhaltewirkung gering

Getestet wurden zwei Szenarien: Mit einer Geschwindigkeit von je 50 km/h fuhr der Lkw einmal frontal gegen zwei Blöcke, einmal etwas seitlich. Das Ergebnis in beiden Fällen: ernüchternd. Fast mühelos schiebt der Lkw die Steine weg. Zwar werden seine Vorderachse und die Vorderräder weggerissen, sodass der Lkw nicht mehr steuerbar ist und auch nicht mehr beschleunigen kann. Gestoppt ist das Fahrzeug aber mitnichten. Es rutscht fast ungehindert weiter.

Die Aufhaltewirkung sei "relativ gering" gewesen, sagt Dekra-Testleiter Marcus Gärtner. Selbst die Hersteller der Sperren, die beim Test zugegen waren, sehen keinen ausreichenden Schutz. Kein Wunder: Die Poller sind dafür gar nicht gemacht. Eigentlich dienen sie als Absperrungen, etwa für große Kiesmengen.

"Das ist ein reiner Placebo-Effekt. Ein Poller stellt optisch etwas dar. Aber im Fall des Falles ist er sogar eine zusätzliche Gefahr."

Thomas Pampel vom Hersteller Stoneland Hamburg

Polizei nicht überrascht

Die Betonpoller wurden im Test wie Spielzeug weggestoßen. Menschen in der Nähe hätten keine Chance. Baugleiche Poller wurden unter anderem beim Tag der Deutschen Einheit im vergangenen Jahr in Dresden eingesetzt. Der dortige Polizeidirektor René Demmler ist nicht überrascht vom schlechten Ergebnis:

"Es macht noch mal nachhaltig deutlich, dass mehr Mittel erforderlich sind, um das Risiko wirklich noch im stärkeren Maße zu reduzieren."

Dresdens Polizeidirektor René Demmler


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Josefine M., Dienstag, 11.April, 21:32 Uhr

11.

Wer braucht Polder? Wegen der zwei Einzelfälle muss man doch nicht überall Polder aufstellen. Das sieht nicht schick aus und ist auch nicht notwendig.

Amatör, Dienstag, 11.April, 21:24 Uhr

10. Placebo-Poller gegen den Terror

Dass der Betonblock den Lkw nicht sofort aufhält, heißt ja nicht, dass er nutzlos ist. Ein Passant, der gerade direkt hinter dem Block steht, wird überfahren, aber der Lkw kann mit zerstörter Vorderachse nicht mehr kreuz und quer durch den gesamten Weihnachtsmarkt usw. fahren.

Dass die Hersteller der Blöcke den Schutz relativieren, ist nicht erstaunlich; sie wollen natürlich noch größere Blöcke verkaufen.

Vielleicht wird nichts anderes übrig bleiben als noch stärkere Sicherheitsmaßnahmen gegen Diebstahl und bei spontaner Anmietung von Lkws zu ergreifen. Oder / und in Lkws eine automatische Bremse bei Kollision einzubauen.

Robert, Dienstag, 11.April, 21:08 Uhr

9. Schade

Jetzt haben Sie's verraten. Schade. Psychologisch hätten sie sicher gewirkt aber wie das bei Placebos so ist, wenn man es weiß sind sie wirkungslos!

Trude Schlinger, Dienstag, 11.April, 20:17 Uhr

8. Was soll die Hysterie?

Warum müssen wir uns gegen Terror schützen? Die bisherigen Vorfälle waren Einzelfälle, so etwas wird sich nicht wiederholen. Gerade wurde bei "Dahoam is dahoam" wieder gezeigt, dass da ausschließlich friedliche Menschen in Not, alles Flüchtlinge aus Syrien, kommen, die nichts als Hilfe suchen. Wer etwas anderes behauptet, der ist ein Rechtsextremer.

Vor diesen friedlichen Menschen muss niemand Angst haben.

Gretchen, Dienstag, 11.April, 20:05 Uhr

7. Ist das der richtige Weg?

Müssen wir jetzt wirklich jede Veranstaltung vor Terroranschlägen schützen? Oder so tun, als könnte man sie schützen?

Die Täter kommen immer aus demselben Millieu. Ist das nicht die Bankrotterklärung für die gesamte Einwanderungspoltik?