Bio-Kraftstoff aus Klärschlamm - das soll in Zukunft möglich sein. Das Fraunhofer-Institut Umsicht aus Sulzbach-Rosenberg baut eine Großanlage zur Produktion des "grünen" Benzins.
08.11.2018, 06:13 Uhr

Benzin aus Klärschlamm: Fraunhofer-Institut baut Anlage

Bio-Kraftstoff aus Klärschlamm - das soll in Zukunft möglich sein. Das Fraunhofer-Institut Umsicht aus Sulzbach-Rosenberg baut eine Großanlage zur Produktion des "grünen" Benzins.

Fraunhofer-Forscher aus Sulzbach-Rosenberg haben einen neuen Bio-Kraftstoff entwickelt, der die Antwort auf die Diesel-Krise sein könnte. Der Kraftstoff ist in der Herstellung klimaneutral, soll weniger kosten als Diesel und kann in sämtliche Autos getankt werden, ohne dass sie umgerüstet werden müssen. Der Kraftstoff ist marktreif, er wird aus Klärschlamm gewonnen.

Benzin aus Bio-Reststoffen - keine Utopie mehr

Am Mittwoch fiel der Startschuss für den Bau einer ersten industriellen Großanlage für das Verfahren in Hohenburg. Zu Grunde liegt das sogenannte thermo-katalytische Verfahren, das organische Reststoffe in Öl, Gas und Biokohle verwandelt. Aus 170 Kilo Klärschlamm werden 15 Liter des Bio-Kraftstoffs. Er könnte als Übergangslösung dienen, bis die Elektromobilität in Deutschland durchschlägt.

Die Gewinnung von grünem Kraftstoff aus Klärschlamm oder anderen Bio-Reststoffen sei keine Utopie, so Prof. Andreas Hornung, Chef von Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg. Sondern es sei in der Natur, dass aus Reststoffen Kraftstoffe erzeugt wurden.

"Wir mussten nur den Weg finden, wie wir das wirtschaftlich und technisch umsetzen können und das ist uns in den letzten zehn Jahren gelungen." Andreas Hornung

Walter Röhrl Ehrengast beim Spatenstich

Seit 70 Jahren forschten Hunderte Gruppen weltweit an diesem Thema. "Wir sind die einzigen, die das gelöst haben", zeigt sich der Forscher überglücklich über den Spatenstich der Demonstrationsanlage. Sie wird im Frühjahr 2020 fertig sein und dann werden die Investoren Schlange stehen, vermutet der Entwickler. Investoren könnten Landwirte, Plantagenbesitzer oder auch Industriebetriebe sein. Überall wo eben organische Reststoffe anfallen.

Dass der Kraftstoff auch die gleiche Leistung bringt wie fossiler Diesel oder Benzin, davon überzeugte sich am Mittwoch Rallye-Fahrer Walter Röhrl. Er betankte in Hohenburg einen Audi R8, der sonst mit fossilem Benzin fährt und zeigte sich nach einer Testfahrt überrascht.

"Fährt genauso wie ein Auto fahren muss, da gibt es keinen Unterschied." Walter Röhrl

Im Koalitionsvertrag haben CSU und Freie Wähler in Bayern Anfang der Woche festgehalten, dass der Fraunhofer-Standort Sulzbach-Rosenberg als Leuchtturmprojekt weiter ausgebaut werden soll. Damit könnten auch komplementäre Techniken hier in der Oberpfalz getestet werden, so Hornung, um "fertige Pakete" in die Industrie zu geben.

AUTOREN
Margit Ringer

Sendung

Mittags in Niederbayern und Oberpfalz vom 08.11.2018 - 12:10 Uhr