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Die Polizeipräsenz bei Fußballspielen ist manchmal recht hoch, die Angst vor Hooligans, Krawallfans und Ausschreitungen oft auch nicht unberechtigt. Bayerische Fanclubs jedoch fordern in einem offenen Brief weniger Polizeieinsatz rund um die Stadien.
29.08.2019, 20:16 Uhr

Zu viel Polizei? Fußballfans fühlen sich kriminalisiert

Fußballspiele in den Profiligen finden oft unter sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Fanvertreter halten das für übertrieben. Deshalb wandten sie sich mit einem offenen Brief ans Innenministerium.

"Es gibt manche Vorgaben, die aus Zeiten kommen, als es mehr Gewalt im Stadion gab", sagt Max Deisenhofer. Der Grünen-Landtagsabgeordnete aus Krumbach im Landkreis Günzburg ist selbst Fan des TSV 1860 München und gibt als sportpolitischer Sprecher seiner Partei den Faninitiativen Rückenwind. Auch er kritisiert das Ausmaß der Polizeieinsätze bei Fußballspielen. "Wenn man heute weiß, welche Fan-Szenen ein Problem mit Gewalt haben und welche nicht, dann kann man die Einsatzkräfte bei Spielen mit weniger Risiko auch reduzieren."

Polizeipräsenz im Stadion zu hoch?

Deisenhofer hat extra eine Landtagsanfrage gestellt, um seine Forderung untermauern zu können. 3,6 Millionen Zuschauer haben laut Innenministerium in der vergangenen Saison die Fußballspiele von Bundesliga bis Regionalliga besucht. 477 Straftaten weist die Statistik laut Innenministerium aus. 88 Menschen wurden beim Stadionbesuch verletzt. Zahlen, die jetzt die Faninitiativen nutzen: Sie beklagen eine unangemessene Kriminalisierung von Fans, übertriebene Polizei-Einsätze, aus ihrer Sicht abstruse Sanktionen, wie beispielsweise Führerscheinentzüge.

Und sie ziehen einen Vergleich, der hinhören lässt: Die Anzahl der Staftaten pro 100.000 Besucher auf dem Oktoberfest im vergangenen Jahr sei in etwa gleich hoch gewesen wie bei den Fußballspielen. Da habe die Polizei aber von einer ruhigen und im wesentlichen friedlichen Wiesn gesprochen.

Rainer Nachtigal von der deutschen Polizeigerwerkschaft lässt den Vergleich nicht gelten: "Beim Fußball ist es so, dass wir rivalisierende Fan-Gruppen haben, das haben wir beim Oktoberfest nicht." Also müsse die Polizei Präsenz zeigen, so Nachtigal, außerdem differenziere man längst zwischen Hochrisikospielen - wie dem Derby zwischen Nürnberg und Fürth - und Spielen mit weniger Brisanz - wie Fürth gegen Wehen Wiesbaden.

Fangruppen fordern mehr Wertschätzung

Dass die aktiven Fangruppierungen mehr Wertschätzung einfordern, kann der Fanbeauftragte des 1. FC Nürnberg, Jürgen Bergmann, durchaus nachvollziehen: "Sie setzen sich gegen Rassismus und Diskriminierung ein, dass Rechtsextremismus aus den Kurven verschwindet."

Am kommenden Dienstag setzen sich die Vertreter der Profifußballvereine mit dem Innennministerium zusammen. Grünen-Politiker Max Deisenhofer wünscht sich, "dass es ein klares Bekenntnis gibt, dass der Stadionbesuch in Bayern sicher ist. Und ich würde mir wünschen, dass darüber diskutiert wird ob wir wirklich so viel Polizei brauchen. Deisenhofer sieht die "Stadionallianzen" in Baden-Württemberg als Vorbild bei der Eindämmung von Gewalt. Innenminister Joachim Hermann (CSU) will sich erst nach den Treffen mit den Vereinsvertretern zu den Wünschen und Forderungen der Fans äußern.

AUTOREN
Florian Weber

Sendung

B5 Bayern vom 29.08.2019 - 15:47 Uhr