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Datenschutz bei Meta
02.05.2022, 13:08 Uhr

Meta bekommt Angst vor dem Datenschutz

Der US-Konzern Meta (einst Facebook) macht sich Sorgen wegen weltweit strengerer Datenschutzregelungen. Wie aus einem internen Papier hervorgeht, weiß das Unternehmen nicht, wie es die Daten seiner User in den Griff bekommen soll.
von
Christian Sachsinger
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Bei Meta wächst offenbar die Angst vor weltweiten Problemen mit Datenschutzbehörden. Eine interne Gruppe aus jenem Team, das für die Werbung bei Meta zuständig ist (und damit für den allerwichtigsten Geschäftsbereich) hatte im vergangenen Jahr ein internes 15-seitiges Papier erstellt, um die Risiken für das Unternehmen abzuwägen. Das Paper wurde geleakt und vom Online Tech-Magazin Motherboard von VICE jetzt veröffentlicht.

Ein Tsunami an Datenschutz-Gesetzen

In dem Papier beschreiben die Autorinnen und Autoren, wie bedrohlich die Datenschutzproblematik für den Konzern ist. So sieht sich der Konzern, der heute unter dem Namen Meta firmiert, einer ganzen Reihe von neuen Datenschutzbestimmungen konfrontiert. Nach der Datenschutzgrundverordnung in Europa (DSGVO), befürchtet man auch in anderen wichtigen Märkten wie Japan, Kanada und Australien striktere Regelungen. Im Konzern bezeichnet man das als Tsunami von Privacy-Gesetzen, der sich auf einen zubewege.

Der Datengeist aus der Flasche

Die Verfasser des Papers geben zu bedenken, dass Facebook den Strom an Daten, mit denen das Unternehmen operiert, nicht ansatzweise im Griff hat und auch nur sehr schwer in den Griff bekommen wird. In dem Papier wird das Problem mit einer Flasche Tinte verglichen. Das sind demnach die User-Daten, über die Facebook verfügt. „Gieße die Tinte in einen See, dann wird sie sich überall verteilen. Wie willst du die Tinte jemals wieder in die Flasche zurückbekommen? Und wie willst du in Zukunft, mit der Flasche umgehen, so dass die Tinte immer nur an jene Stellen des Sees fließt, wo das erlaubt ist?“, heißt es in dem Bericht.

Meta kann die DSGVO nicht einhalten

Probleme hat Facebook zum Beispiel mit einer Regelung der Datenschutzgrundverordnung, die die strikte Zweckbindung vorschreibt. Daten dürfen also nur für den Zweck verwendet werden, für den sie erhoben wurden. Facebook wurde aber beispielsweise bereits nachgewiesen, dass es die Telefonnummern, die es von Usern bekommt, damit die sich eindeutig identifizieren können (Zwei-Faktor-Identifikation), einfach weiternutzt. Die Nummern wurden zum Beispiel für Werbung eingesetzt und dafür um anderen Usern diesen Kontakt vorzuschlagen ("Menschen die du vielleicht kennst").

Im internen Paper von Facebook heißt es, Kontrolle und Überblick über die Datenverarbeitung im eigenen System würden nicht ausreichen, um nach außen hin zusichern zu können: „wir werden diese X Daten nicht für diesen Zweck Y verwenden!“ Anders ausgedrückt sieht sich der Konzern derzeit nicht in der Lage die Zweckbindung, wie sie in Europa vorgeschrieben ist, einzuhalten.

Irische Datenschutzbehörde steht in der Pflicht

Für den österreichischen Datenschutz-Experten Wolfie Christl kommt das interne Papier einem Schuleingeständnis gleich. Facebook räumt Christl zufolge damit ein, dass sein gesamtes Geschäftsmodell ein einziger Verstoß gegen die europäische Datenschutzgrundverordnung ist.

Eingebetteter Tweet

Datenschutzexperte Christl sieht Papier als Geständnis

Die Berechtigungen sind derzeit so eingestellt, dass sie eingebettete Dienste blockieren, einschließlich dieser Einbettung von Twitter. Wenn Sie dies ändern möchten, klicken Sie auf die Schaltfläche unten.

Mit dem durchgestochenen Dokument rückt wieder die irische Datenschutzbehörde in den Fokus. Sie ist für Meta zuständig, da der Konzern seinen europäischen Hauptsitz in Irland hat. Die Behörde war allerdings in der Vergangenheit immer wieder wegen ihrer nachgiebigen Handelsweise gegenüber dem US-Konzern kritisiert worden. Erst kürzlich bekam sie den Negativpreis Big-Brother-Award. Datenschützer Wolfie Christl wirft den Iren nun vor, ihre Macht jahrelang nicht genutzt zu haben, um Facebook beim Datenschürfen Einhalt zu gebieten.

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Wirtschaft und Börse vom 02.05.2022 - 16:40 Uhr

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