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Bildrechte: BR/Tobias Burkert
Den "Leseclub" des Johannes-Scharrer-Gymnasiums in Nürnberg besuchen auch Schüler aus der Ukraine.
15.07.2022, 12:19 Uhr

Comics als Brücke zwischen den Kulturen

Lesebegeisterte Schülerinnen und Schüler des Nürnberger Johannes-Scharrer-Gymnasiums treffen sich regelmäßig im "Leseclub“. Neu dabei sind sechs Mädchen und Jungen aus der Ukraine. Mit bunten Comics soll der sprachliche Austausch erleichtert werden.
von
Tobias Burkert
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Andrii ist 16 Jahre alt und seit März Schüler am Nürnberg "Scharrer-Gymnasium". Der aufgeschlossene junge Mann kam aus Charkiv nach Nürnberg. Seine Großeltern leben schon seit 20 Jahren hier. Andrii kommt ganz gut klar in der Schule. In der Ukraine würde er jetzt die elfte Klasse besuchen, in Deutschland ist er in der Neunten. Das erleichtert vieles. Die größte Barriere ist aber immer noch die Sprache. Mehr Übung verspricht sich Andrii von seiner Teilnahme am Leseclub der Schule. Einmal wöchentlich treffen sich "Die Bücherwürmer" in der Schulbibliothek. Ein freiwilliges Wahlfach am Nachmittag.

Comics sollen sprachliche Hürden abbauen

Dieses Mal dreht sich im Leseclub alles um Comics. Auf dem Tisch liegen bereits Ausgaben von Lucky Luke, dem Marsupilami und Mickey Mouse. Die einfache, bildhafte Sprache und Ausdrucksmöglichkeit der Comics soll sprachliche und kulturelle Brücken bauen, so die Hoffnung von Lehrerin und Leseclub-Leiterin Ursula Kraus.

"Comics bieten viele Möglichkeiten, Gefühle auszudrücken. Ein fröhliches oder trauriges Gesicht, das sieht überall auf der Welt gleich aus und wird auch überall gleich verstanden!" Ursula Kraus, Lehrerin

Comics als vertraute Literatur

Für Andrii ist vieles neu und ungewohnt in Deutschland. Comics zumindest sind etwas Vertrautes. Die haben wir natürlich in der Ukraine auch gelesen, sagt der 16-Jährige. Wie hier in Nürnberg gäbe es auch dort eigene Shops dafür. Seine Schule sei zum Teil während des Krieges zerstört worden. In Nürnberg versucht sich der Schüler eine Zukunft aufzubauen. Das freiwillige Engagement im Leseclub zeigt diesen Willen. Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg im neuen Land. Dessen ist sich Andrii bewusst. Er zeichnet mit dem schwarzen Filzstift ein Männchen, das vor einem Computer sitzt. Im Kurs sollen die eigenen Ziele und Träume zur Sprache und auch zu Papier gebracht werden. Andrii würde gern etwas mit IT arbeiten, vielleicht auch ein Startup gründen.

Träume und Ziele sind überlebenswichtig

Ustyna malt ein Pferd mit langer Mähne, kein Pony, ein Großes solle es sein, zum Reiten. Geritten sei sie gern in der Ukraine. Ein eigenes Pferd einmal zu haben, das wäre ihr größter Wunsch. Derzeit wohl ein unrealistischer Wunsch, aber formulieren kann ihn die 12-Jährige bereits fehlerfrei. Lehrerin Ursula Kraus lobt das Mädchen. Einfach trauen, einfach sprechen, über den Schatten springen.

Die eigenen Zeichnungen, die Comics, die Gemeinsamkeiten der Jugendlichen aus Deutschland und der Ukraine sollen dabei helfen. Oleskii ist groß und drahtig. Sein Wunsch, einmal sportlich als Basketballprofi durchzustarten, durchaus berechtigt. Eine Mannschaft zum Spielen in Nürnberg hat er bereits gefunden, damit verbunden, mehrere Freunde aus der Region. So kann Integration funktionieren. Langsam, aber mit Spaß und Bestätigung.

1000 Schüler aus der Ukraine in Nürnberg

1000 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine besuchen derzeit Nürnberger Schulen. Schulamt und Kommunen stehen vor immensen Herausforderungen. Das sei keine Überraschung, sagt Nürnbergs Schulreferentin Cornelia Trinkl. Derzeit laufen die Vorbereitungen für das neue Schuljahr. Sogenannte Brückenklassen sollen helfen, Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sowohl sprachlich als auch fachlich zu integrieren. Angebote wie der Leseclub am Johannes-Scharrer-Gymnasium seien löblich zu erwähnen. Die Teilnehmenden dieser Woche wollen beim nächsten Mal zumindest alle wieder mit dabei sein.

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