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Etwa 115.000 Kinder in Bayern werden heute eingeschult - ein großer Tag für Kinder und Eltern. Aber braucht es dafür auch eine große Feier? Und was ist wirklich wichtig für einen guten Start in die Schulzeit? 
10.09.2019, 07:31 Uhr

Zwischen Schultüte und Hüpfburg: Erster Schultag in Bayern

Etwa 115.000 Kinder in Bayern werden heute eingeschult - ein großer Tag für Kinder und Eltern. Aber braucht es dafür auch eine große Feier? Und was ist wirklich wichtig für einen guten Start in die Schulzeit? 

Einen Artistik-Workshop wird es geben, Zauberei und Gaukelei - alles zur Feier des ersten Schultages. Normalerweise plant Daniela Schreck von der Münchner Agentur Tollkids Kindergeburtstage. Heuer hat sie aber auch drei Einschulungspartys vorbereitet. Zur größten Feier heute kommen 90 Gäste, davon 30 Kinder: "Das ist schon eine Ansage", sagt Daniela Schreck. Fünf Betreuer werden sich um die jungen Gäste kümmern. "Clownerie kommt dann noch - und ich glaube, dann sind die schon ganz gut beschäftigt." 

Professioneller Partyservice schon für Kinder

Etwa 115.000 Jungen und Mädchen in Bayern kommen heute in die Schule. Ein neuer Lebensabschnitt für Kinder und Eltern. Das wird gefeiert - traditionell im Kreise der Familie. Manche Familien holen sich dafür aber inzwischen Hilfe vom Profi. Vor drei Jahren hat Daniela Schreck zum ersten Mal eine Einschulungsparty geplant und inzwischen schon Einiges erlebt.

Eine Familie im Münchner Stadtteil Grünwald ließ sogar eine Hüpfburg aufbauen und hatte Live-Musiker und eine Karaoke-Anlage bestellt - alles zur Feier des ersten Schultages. Andere Agenturen berichten von eigens gemieteten Strechlimousinen, die den ABC-Schützen und seine Eltern zuhause abholen und dann am Schulhof vorfahren.

Zahlungskräftige Kundschaft

Zweieinhalb Stunden Kindergeburtstagsspaß gibt's laut Tollkids-Webseite ab 450 Euro. Der Preis für die professionellen Einschulungsfeiern hängt vom Aufwand ab und ist für Event-Agentin Daniela Schreck aber genauso Betriebsgeheimnis wie die zahlungskräftige Kundschaft: "Prominente, oder auch Größen aus der Wirtschaft. Ich versuche, mich da diskret zu halten - das ist, glaube ich, auch das Geheimnis. Sie wissen, sie können buchen und es fallen keine Namen."

Ein Trend seien die Einschulungspartys aber nicht. Es handle sich eher um vereinzelte Veranstaltungen, so Schreck. 

Es muss nicht immer die große Feier sein

Allzu pompöse Feiern mit zig Gästen sieht die Kindertherapeutin aber kritisch:

"Die Frage ist, ob so eine große Feier noch im Verhältnis steht und ob das nicht vielleicht auch einen wahnsinnigen Druck auf so ein Kind machen kann - das ist etwas, was man berücksichtigen sollte." Julia Pletzer, Kindertherapeutin

Wie eine Familie den ersten Schultag feiern wolle, sei sehr individuell. Wichtig sei, gemeinsam zu überlegen und das Kind zu fragen, was es sich wünscht: "Vielleicht möchte es nur das Lieblingsessen haben oder die Oma einladen", sagt Julia Pletzer.

Psychologin: Rituale sind wichtig

Früh aufstehen, still sitzen, neue Freunde finden: Der Übergang vom Kindergarten zur Schule sei einschneidend für Kinder, sagt die Münchner Kindertherapeutin Julia Pletzer:

"Es ist schön, das zu feiern und auch wichtig, dem Kind zu zeigen: Wir wissen, jetzt geht was Besonderes los." Julia Pletzer, Kindertherapeutin

Die Schultüte versüßt traditionell den Schulstart. Ein schöner Brauch, der helfen könne, den Schulstart besser zu meistern, so Pletzer. 

Die Kinder in Ruhe ankommen lassen

Aber wie gelingt ein guter Schulstart für Kinder und Eltern? Julia Pletzer rät: Die Kinder erstmal in Ruhe in der Schule ankommen lassen. Manche gewöhnten sich schneller an den neuen Rhythmus - andere Kinder bräuchten eben am Anfang etwas länger. "Ganz wichtig ist, dass man im Kontakt mit dem Kind bleibt." Gemeinsame Rituale wie eine Ruhepause vor dem Mittagessen oder gemeinsam Radio hören nach der Schule könnten Entspannung schaffen. 

Nicht Leistung, sondern Anstrengung loben

Und wenn dann die ersten Klassenarbeiten anstehen?

“Was die Forschung zeigt, was ganz wichtig ist - dass man weniger die Leistung lobt, sondern die Anstrengung. Also wenn man merkt, das Kind strengt sich wahnsinnig an - dass man es lobt und ihm Zuwendung gibt, wenn man merkt, dass es sich sehr bemüht." Julia Pletzer, Kindertherapeutin
AUTOREN
Karen Bauer

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