Schweinemastbetrieb in Affing
10.05.2019, 10:39 Uhr

Zu geringe Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch

In ganz Bayern gibt es nur 16 Öko-Schweinemastbetriebe - 0,5 Prozent aller Schlachtschweine im Freistaat. Doch der Umstieg von konventioneller auf Öko-Landwirtschaft ist schwierig, denn der Markt ist übersättigt, wie ein Beispiel aus Affing zeigt.

180 Hektar Land und 4.000 Mastschweine gehören zum Betrieb von Matthias Brandmeir und Ulrike Steger. Die Haltung ist konventionell, doch das Tierwohl liegt der Familie am Herzen. Ihre Schweine haben schon heute fast doppelt so viel Platz wie die gesetzlich vorgeschriebenen 0,75 m² pro Tier. Dazu kommen eine Ruhezone, in die Stroh eingestreut wird, zum Spielen, und ein Auslauf ins Freie.

"Das A und O ist für uns der Auslauf, dass die Tiere raus können. Die spüren Regen, die spüren Schnee, die spüren Sonne. Die haben auch Platz, einfach hin und her zu fetzen." Ulrike Steger, Landwirtin

Bio bringt mehr Tierwohl, aber...

Aus der guten konventionellen Haltung soll jetzt ein Öko-Stall werden: Die 4.000 Mastplätze müssten auf 2.000 reduziert werden. Denn Bioschweine brauchen mehr Platz. Weil Schweine ein kurzes Leben haben, wären das pro Jahr ca. 5.000 Tiere zum Schlachten. Auch die Fütterung und der Ackerbau müssten umgestellt werden. Und: Stroh bräuchte man nicht nur als Spielzeug, sondern auch als Einstreu. Alles machbar, aber der Fachberater von Naturland Jens Binde rät ab.

"Wir können dem Betrieb nicht versprechen, dass wir auf einen Schlag die gesamten produzierten Schweine tatsächlich abnehmen können.“ Jens Binde, Fachberater von Naturland

Der Markt für Bioschweinefleisch ist gesättigt

Jahrelang haben die Öko-Anbauverbände händeringend in Bayern Schweinemäster gesucht. Mit Erfolg: Der Bioschweinefleisch-Markt ist in den letzten fünf Jahren um fast 20 Prozent gewachsen. Doch jetzt soll Schluss sein. Auch Dr. Peter Sutor, Leiter des Instituts für Ernährungswirtschaft und Märkte an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft mahnt zur Vorsicht und belegt das mit Zahlen.

"Wir haben 2018 in Bayern 4,8 Millionen Schlachtschweine gehabt. Davon sind rund ein halbes Prozent ökologisch erzeugte Tiere. Das sind 24.000 Schweine. Wenn jetzt rund 5.000 Schweine dazukommen, wird der Markt im ökologischen Bereich durcheinandergewirbelt." Dr. Peter Sutor, Leiter des Instituts für Ernährungswirtschaft

Biokunden ernähren sich bewusster – und verzichten auf Schwein

Bio-Kunden ernähren sich oft vegetarisch oder vegan und wenn sie Fleisch essen, dann Huhn oder Rind, aber nicht Schwein. Ulrike Steger und Matthias Brandmeir würden also mit ihrer Umstellung für ein Überangebot sorgen. Damit wäre ein Preiseinbruch auf dem Markt für Ökoschweinefleisch programmiert. Für die anderen Produzenten würde das finanzielle Einbußen bedeuten.

Ein zweiter Grund, warum Bioschweinefleisch an der Ladentheke nur begrenzt Abnehmer findet: es ist um das Zweieinhalbfache teurer als konventionell erzeugtes Fleisch.

Eine gute Zwischenlösung

Der Betrieb in Affing muss deshalb erst einmal so weiter wirtschaften wie bisher. Mittlerweile hat die Familie aber eine gute Zwischenlösung gefunden. Kaufland nimmt die Schweine ab und honoriert das Mehr an Tierwohl nach dem firmeneigenen Qualitätsprogramm "Wertschätze". Und eine Direktvermarktung ab Hof? Das funktioniert nur bedingt, sagt Ulrike Steger.

"Direktvermarktung läuft nur auf ganz kleiner Ebene, mit 10 Schweinen pro Woche, die man vielleicht verkaufen kann. Bei uns sind es momentan aber 150 Tiere pro Woche, die schlachtreif sind." Ulrike Steger, Landwirtin
AUTOREN
Christine Schneider

Sendung

B5 aktuell vom 10.05.2019 - 06:17 Uhr