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Schwere Unfälle, Verletzte und Tote: Unsere Freiwilligen Feuerwehren kriegen das hautnah mit. Doch mit den belastenden Bildern im Kopf müssen die Feuerwehrleute oft alleine fertig werden.
12.02.2019, 05:13 Uhr

Seelsorge bei der Feuerwehr: Kritik am Innenministerium

Gefühlt jeden Tag hört man von Unfällen, von Menschen, die dabei ums Leben kommen. Jene, die all das hautnah miterleben, sind die Freiwilligen Feuerwehren. Doch mit den belastenden Bildern im Kopf müssen die Feuerwehrleute oft alleine fertig werden.

Andreas Golling, zweiter Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Neusäß im Landkreis Augsburg, öffnet eine Datei mit Unfallbildern. Auf den Fotos sieht man einen Blechhaufen, auf der Beton-Leitplanke einen großen Blutfleck. Da ist der Kopf der 22-jährigen Frau gegen die Leitplanke geprallt. Daneben lagen ihre Handtasche und das Handy auf dem stand: "Wir sind gleich zuhause".

Es fehlen Ansprechpartner

Belastende Einsätze – in Neusäß gibt es dafür Ansprechpartner: Kollegen, die in psychosozialer Notfallversorgung ausgebildet sind. Diese kümmern sich darum darum, dass eine psychische Erkrankung beim Kameraden schon im Keim erstickt wird. Das heißt vor allem reden, reden, reden, erklärt Andreas Golling und fügt hinzu, dass auch die Führungskraft in die Pflicht genommen wird. Doch hier beginne das Problem, sagt Matthias Holzbauer. Er bildet Feuerwehrler so aus, dass sie zu Hause in den Wachen ihren Kollegen zur Seite stehen können.

"Es basiert nach wie vor auf Freiwilligkeit, ob ein Vorgesetzter für eine entsprechende Nachsorge sorgt. Aber leider Gottes haben wir noch immer viele Führungskräfte, die sagen: ‚Das brauchen meine Leute nicht‘." Feuerwehr-Ausbilder Matthias Holzbauer

Seine Forderung: Die psychische Versorgung müsse endlich ins Feuerwehrgesetz geschrieben werden. Wortwörtlich. Damit sich kein Kommandant mehr davor drücken könne.

Innenministerium verweist auf Feuerwehrgesetz

Auf BR-Nachfrage verweist das bayerische Innenministerium auf eine Regelung im Bayerischen Feuerwehrgesetz. Nach Artikel 1 des Gesetzes sind die Gemeinden verpflichtet, zur Sicherstellung des Brandschutzes und der Technischen Hilfeleistung Feuerwehren aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten. Aus Sicht des Ministeriums reicht das aus. Die Regelung umfasse alle erforderlichen Maßnahmen. Denkbar sei aber, bei der nächsten Vollzugsbekanntmachung zum Gesetz eine Klarstellung vorzunehmen, um die psychische Betreuung der Einsatzkräfte zu verbessern. Doch das ist noch nicht entscheiden.

Seelsorge: Eine Frage der Finanzierung?

Feuerwehr-Ausbilder Matthias Holzbauer sagt dagegen: "Der Jurist denkt anders als der Pragmatiker." Schon seit Jahren versucht er das Ministerium umzustimmen. Vergebens. Wohl auch, weil die dezidierte Pflicht der psychischen Vor- und Nachsorge Folgen hat. Die Gemeinden müssten überlegen, wer die Aufgaben übernimmt und wie das Ganze finanziert wird. Die Fachleute, die sich schon jetzt hauptberuflich um die psychische Betreuung und Schulung kümmern, sind meistens von der Kirche. Matthias Holzbauer hofft, dass sich seine Hartnäckigkeit am Ende auszahlt und seine Forderungen in der nächsten Vollzugsbekanntmachung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes aufgegriffen werden. Es wäre eine gute Nachricht für alle Freiwilligen Feuerwehren in Bayern.

AUTOREN
Andreas Herz

Sendung

Mittags in Schwaben vom 12.02.2019 - 12:05 Uhr