"Containern ist kein Verbrechen" finden Caroline (links) und Franziska (rechts)
30.01.2019, 17:02 Uhr

Essen aus Müll geholt: Andrang bei Prozess gegen Studentinnen

Sie fischten weggeworfene Waren aus dem Müllcontainer eines Supermarktes. Nun müssen sich zwei Studentinnen vor dem Amtsgericht Fürstenfeldbruck verantworten. Die Frauen wollen ein Zeichen setzen. Eine Einstellung des Verfahrens wäre möglich gewesen.

Unter großem Andrang hat vor dem Amtsgericht Fürstenfeldbruck der Prozess gegen zwei Studentinnen wegen sogenannten Containerns begonnen. Die beiden hatten laut Staatsanwaltschaft München II im vergangenen Juni aus dem Müllcontainer eines Lebensmittelmarktes im oberbayerischen Olching weggeworfene Waren im Wert von rund 100 Euro geholt. Nun müssen sie sich wegen besonders schweren Diebstahls verantworten.

Viele Besucher bekamen keinen Platz mehr

Die Frauen gaben an, sie wendeten sich mit der Aktion gegen Lebensmittelverschwendung. Einen Strafbefehl über 1.200 Euro akzeptierten sie ebenso wenig wie eine Einstellung des Verfahrens gegen acht Stunden gemeinnützige Arbeit bei der Tafel Fürstenfeldbruck. Deshalb wird nun verhandelt. Viele Besucher bekamen keinen Platz im Gerichtssaal, wie Gerichtsmitarbeiter berichteten.

Partei "mut" unterstützte den Protest

Vor dem Prozess hatten mehrere Dutzend Menschen demonstriert. "Freispruch für Lebensmittelretter", stand auf Transparenten. In einem umgebauten Container verteilten Unterstützer gegen eine Spende Speisen - gekocht aus Lebensmitteln aus Containerin. Unter anderem die Partei "mut" unterstützte den Protest. "Es ist ein Umdenken erforderlich", sagte Manni Maier von "mut". Er fordert - wie auch andere Demonstranten - Straffreiheit für Containern. Einige frühere Verfahren endeten bereits mit Einstellung oder Freispruch.

Containern - für Menschen in prekären Lebensverhältnissen Alltag

In Müllcontainern von Supermärkten liegen oft noch genießbare Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Danach zu suchen und Verwertbares mitzunehmen, wird als Containern, Mülltauchen oder Dumpstern bezeichnet. Für Menschen in prekären Lebensverhältnissen ist das vielfach zum Alltag geworden.

Containern als politische Botschaft

Andere betreiben das Containern aus einer kritischen Haltung zur Gesellschaft und sehen darin einen Protest gegen Kapitalismus und Wegwerfmentalität. Streng genommen ist das Mitnehmen von Lebensmitteln aus den Behältern der Supermärkte Diebstahl.

Deshalb gab es bereits mehrere Prozesse - wie nun gegen zwei Studentinnnen vor dem Amtsgericht Fürstenfeldbruck. Linke Gruppen und Parteien fordern Straffreiheit. In der Vergangenheit haben Gerichte Verfahren teils eingestellt oder Angeklagte freigesprochen. Wer Zäune übersteigt und das Gelände des Supermarkts betritt, kann auch wegen Hausfriedensbruchs belangt werden.

AUTOREN
BR24 Redaktion

Sendung

Regionalnachrichten aus Oberbayern vom 30.01.2019 - 17:00 Uhr