Ein Feuerwehrmann sitzt nach einem Brand in einem Wohnhaus sichtlich erschöpft an einem Einsatzfahrzeug.
16.09.2019, 06:45 Uhr

Ausgebrannt: Bayerns Feuerwehrleute im Dauereinsatz

Der Druck auf die Feuerwehrleute in Bayern steigt. Es sind vor allem die häufigen Frusteinsätze, die die Feuerwehrler an den Rand ihrer Leitungsfähigkeit bringen - Fehlalarme, Dauerbaustellen oder Ausrücken wegen Nichtigkeiten.

Bayerns Feuerwehren sind im Dauereinsatz. Durchschnittlich alle zwei Minuten rückt in Bayern eine Feuerwehr aus - im Jahr sind das mehr als 276.000 Einsätze.

Einen Großteil der Arbeit leisten die Freiwilligen Feuerwehren. 313.000 Aktive gibt es in Bayern. Neben den 2.630 Berufsfeuerwehrleuten sind das Menschen, die ihre Freizeit dafür opfern, um immer dort zu sein, wo es brennt.

Feuer spielt bei der Feuerwehr nur mehr eine untergeordnete Rolle

Einen Brand zu löschen gibt es allerdings gerade einmal bei jedem zehnten Einsatz. Meist rücken die Feuerwehren für sogenannte technische Hilfeleistungen aus, etwa um bei Unfällen Autowracks zu bergen, bei einem Unwetter die Keller auszupumpen, oder wenn bei einem Sturm umgeknickte Bäume auf den Straßen liegen.

Auch Rettungseinsätze spielen bei der Feuerwehrarbeit eine immer größere Rolle. Oft ist ein Feuerwehrmann der "first responder" (Ersthelfer). Besonders im ländlichen Raum braucht der Krankenwagen oft über zehn Minuten, bevor er eintrifft. Die örtliche Feuerwehr ist da meist schneller und kann wertvolle Erste Hilfe leisten.

Auch Schutzaufgaben übernimmt die Feuerwehr, etwa Brandsicherheitswachen bei öffentlichen Veranstaltungen oder das Einweisen von Pkw, um ein Parkchaos beim örtlichen Volksfest zu verhindern.

Außerdem ist die Feuerwehr im Umweltschutz aktiv, etwa durch die Eindämmung von Ölunfällen, Beseitigung von Ölspuren auf Straßen und Schutz vor chemischen, biologischen und atomaren Gefahren.

Frusteinsätze gehören auch dazu

Heute wird die Feuerwehr aber auch immer öfter wegen Kleinigkeiten gerufen - etwa wenn die Waschmaschine einen Schaden hat und das Bad ein paar Zentimeter unter Wasser steht. Wo früher jeder das Problem eher selbst gelöst hätte, wird heute einfach die 112 gewählt, um die "Dienstleistung" der Feuerwehr in Anspruch zu nehmen. "Das können wir nicht leisten", sagt Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband Bayern. "Das ist keine Arbeit für die - in der Regel - ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden, die vom Arbeitsplatz weggeholt werden, um so eine Tätigkeit zu verrichten."

Auch die häufigen Fehlalarme erzeugen Frust bei Feuerwehrleuten

Ein weiteres Problem sind Fehlalarme. In jedem größeren Neubau gibt es heute automatische Brandmelder, die direkt mit der Leitstelle verbunden sind. Doch bereits die Verschmutzung des Brandmeldegerätes oder eine verbrannte, rauchende Pizza im Ofen kann einen Alarm auslösen und einen ganzen Löschzug umsonst anrücken lassen. Im Jahr 2007 wurde die Freiwillige Feuerwehr in Bayern 7.977 Mal falsch alarmiert. Zehn Jahre später waren es schon 15.019 Mal, eine Steigerung von 90 Prozent. Inzwischen machen die Fehlalarme ein Zehntel der Einsätze aus.

Für Uwe Brandl, Bürgermeister von Abensberg und Präsident des Bayerischen Gemeindetages, ist das Problem hausgemacht:

"Wenn der Staat meint, bei jedem größeren Bauvorhaben eine Brandmeldeanlage zu brauchen, dann ist das die Folge: Jedes technische Gerät ist fehlerbehaftet, und das führt bei den automatischen Brandmeldern dazu, dass Ehrenamtliche ausrücken, alles stehen und liegen lassen, um dann festzustellen, dass ein Ausrücken gar nicht notwendig gewesen wäre." Uwe Brandl

Freiwillige Feuerwehr ist überall

Die Freiwilligen Feuerwehren sorgen für flächendeckende Hilfe, weil es sie bayernweit in fast jeder Ortschaft gibt. Das bedeutet etwa 7.600 Wachen in ganz Bayern. Berufsfeuerwehren gibt es dagegen nur in sieben Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern: in Augsburg, Fürth, Ingolstadt, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg.

Feuerwehrmann - ein Hobby, das fordert

Wer bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, muss viel Zeit aufwenden. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Rosenheim zum Beispiel hat jeder Ehrenamtliche im vergangenen Jahr insgesamt rund 19 Vollzeitarbeitstage aufgewendet. Dieses Engagement mit Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist extrem schwierig. Manche werfen deshalb hin.

Andere geben wegen der vielen Frusteinsätze und Fehlalarmierungen auf, so etwa Wolfgang Kaupp. 40 Jahre war er im aktiven Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Rosenheim. "Wenn du von zehn Alarmierungen sieben Mal umsonst reingefahren bist, dann baut sich irgendwann einmal Frust auf und man sagt: Jetzt ist es an der Zeit, dass ich den aktiven Dienst beende", erzählt Kaupp. "Ich bin jetzt 62, da können einmal die Jüngeren ran."

Seine Schutzausrüstung und den Feuerwehrhelm hat er schon abgegeben, aber die Uniform hängt noch im Schrank. Denn zu den Feuerwehrfesten, auf einen Plausch mit den Kollegen, kommt er noch gern - Feuerwehrluft schnuppern und die Kameradschaft genießen.

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Viele Freiwillige Feuerwehren klagen über zu viele Einsatzstunden. Einige hören deshalb mit dem Ehrenamt auf. Ein Beispiel von Korbinian Bauer.
AUTOREN
Arno Trümper

Sendung

B5 Bayern vom 15.09.2019 - 06:17 Uhr