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Bildrechte: Annette Riedl/dpa
Grundschulen in Bayern sollen bis zu einer 7-Tage-Inzidenz von 165 im Wechselunterricht bleiben. Das hat Ministerpräsident Markus Söder heute angekündigt. Für Schülerschaft und Eltern eine "echte Perspektive", so Söder.
03.05.2021, 14:57 Uhr

Bayerns Grundschulen sollen bis zu Inzidenz von 165 öffnen

Bayerns Ministerpräsident Söder hat eine Lockerung für Grundschulen angekündigt: Sie sollen ab nächstem Montag bis zu einer Inzidenz von 165 Wechselunterricht anbieten. Auch Biergärten macht Söder etwas Hoffnung - und fordert Perspektiven für Hotels.
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Achim Wendler
Maximilian Heim
Petr Jerabek

In Bayern sollen alle Grundschüler laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) noch vor den Pfingstferien bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 in die Schule dürfen. Während bei älteren Schülern der Distanzunterricht relativ gut funktioniere, seien die "Kollateralschäden" von Schulschließungen bei Jüngeren recht groß. "Da müssen wir mehr tun", betonte Söder.

Bisher dürfen in bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz von mehr als 100 nur Viertklässler zum Wechselunterricht in die Grundschulen, alle anderen lernen ausschließlich zu Hause. Dieser Grenzwert wird laut Söder nun auf 165 angehoben - "mit Maske und Test". Da die 7-Tage-Inzidenz in einem sehr großen Teil Bayerns unter 165 liege, sei das für Schüler und Eltern "eine echte, gute Perspektive". Der Ministerpräsident kündigte an, das Kabinett werde am Dienstag darüber beraten, ab nächsten Montag würde dies dann gelten.

Keine Änderung bei weiterführenden Schulen

Bei den weiterführenden Schulen in Bayern soll es vorerst beim Grenzwert 100 bleiben. Ab diesem Wert müssen alle Schüler in den Distanzunterricht - mit Ausnahme der Elft- und Abschlussklässler. Söder betonte, in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen gebe es noch "eine sehr hohe Inzidenz", bei den Jüngeren "eine deutlich niedrigere". Zudem sei bei Grundschülern die "Betreuungsrelevanz ein andere" als bei älteren Schülern. Der Ministerpräsident setzt darauf, dass es nach Pfingsten deutlich mehr Kreise mit einer Indzidenz unter 100 geben wird: Damit gäbe es auch für weiterführende Schulen "mehr Perspektiven".

Aiwanger: "Schritt in die richtige Richtung"

In der schwarz-orangen Koalition hatte es zuletzt eine kontroverse Debatte über Schulöffnungen gegeben. Während die CSU am strengeren Grenzwert 100 festhalten wollte, pochten die Freien Wähler darauf, ihn auf 165 anzuheben - wie es die bundesweite Corona-Notbremse vorsieht. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sagte dem BR mit Blick auf Söders Ankündigung: Grundschulen zu öffnen, sei schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Es könne aber "noch nicht das letzte Wort sein". Der Freie-Wähler-Chef betonte, die Schulen seien sicher, dort werde getestet. Es gelte, möglichst viele Kinder und Jugendliche wieder in die Schulen zu bringen.

Der parlamentarischer Geschäftsführer der Freie-Wähler-Landtagsfraktion, Fabian Mehring, sprach von einem "Strategiewechsel" des CSU-Vorstands. Es sei ein wichtiger Schritt, das jetzt so zu machen wie von den Freien Wählern gefordert, betonte Mehring auf BR-Anfrage. Er verwies auf Studien, die zeigten, "dass es sogar der Eindämmung von Corona zupasskommt, wenn Präsenzunterricht in den Schulen stattfinden kann und dort Testungen durchgeführt werden können". Auch Mehring hält Söders heutige Ankündigung nur für einen ersten Schritt: Man werde mit der CSU diskutieren, "wie wir über Wechselunterricht dann für eine Phase vielleicht nach den Pfingstferien auch in die Situation kommen können, endlich wieder vollen Präsenzunterricht in Bayern anzubieten".

Hoffnung für Biergärten, Theater und Kinos

Bei den Corona-Zahlen gibt es Söder zufolge im Freistaat eine positive Entwicklung: Die Sieben-Tage-Inzidenz sinke Stück für Stück - und die Zahl der Kommunen mit einem Wert unter 100 steige. Falls keine neue Mutation komme, sei "diese dritte Welle jetzt in einer stabilen Struktur", betonte er.

Vor diesem Hintergrund sollen auch Öffnungen möglich werden: Söder kündigte an, dass die Außengastronomie ab kommendem Montag bei einem Inzidenzwert unter 100 öffnen kann – mit aktuellem negativen Testergebnis und gebuchtem Termin. Dasselbe soll für Theater und Kinos gelten. "Und das gilt auch für mehr Möglichkeiten im Sport", sagte der Ministerpräsident.

Neu sind diese Öffnungsschritte aber nicht: Sie wurden bereits Anfang März von der Ministerpräsidentenkonferenz so vorgesehen, ursprünglich ab 22. März. Aktuell liegen in Bayern laut Robert-Koch-Institut 17 Landkreise und kreisfreie Städte unter dem Inzidenzwert 100.

Perspektiven für den Tourismus?

Sollte sich der positive Trend in den nächsten drei bis vier Wochen fortsetzen, brauche es zu Pfingsten eine Perspektive für den Tourismus, betonte Söder weiter. In Landkreisen mit einer Inzidenz von weniger als 100 solle dann eine Öffnung von Hotels, Ferienhäusern und -wohnungen möglich werden - mit Hygienekonzepten und täglichen Tests. Vollständig Geimpfte wären von der Testpflicht ausgenommen. Eine solche Perspektive für den Tourismus wäre laut Söder "ein gutes Signal" - zumal in Österreich vom 19. Mai an Öffnungen geplant seien.

Wirtschaftsminister Aiwanger pocht derweil auf eine Öffnung von Hotels und Ferienwohnungen "deutlich vor Pfingsten". Dem BR sagte er: "Gerne vor dem 19. - also vor den Österreichern!" Er fügte hinzu: "Nach Pfingsten wäre zu spät!"

Hotel- und Gaststättenverband hofft auf Öffnungen

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband zeigte sich erfreut über Söders Ankündigungen. Im Gastgewerbe könnten "sichere Bereiche geschaffen werden, die dazu beitragen, Orte des ungeschützten Aufeinandertreffens zu entzerren", sagte Verbandspräsidentin Angela Inselkammer. Ebenso sei gerade mit Blick auf die Pfingstferien ein sicherer Urlaub im eigenen Land mit bewährten Schutz- und Hygienekonzepten tausendmal sinnvoller als eine Reise ins Ausland.

Der Verband fordert grundsätzlich die Öffnung von Hotels und Gastronomie für alle Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten unabhängig von Inzidenzwerten. "Ziel muss im ersten Schritt eine umfassende Teststrategie mit 48-stündigen personalisierten 'Eintrittskarten' unter Nutzung aller geeigneten digitalen Kontakterfassungsmöglichkeiten sein", sagte Inselkammer. Bei weiter rückläufigem Infektionsgeschehen müsse in einem zweiten Schritt wieder der "Weg zu mehr Normalität ohne Tests wie in der Phase nach dem ersten Lockdown" gewagt werden.

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Achim Wendler
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