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Bildrechte: BR/ Jörg Hertle
Abba Naor ist Überlebender des KZ Dachau. Er sprach am 8. Mai in Nürnberg bei der Gedenkveranstaltung anlässlich des Kriegsendes vor 76 Jahren.
08.05.2021, 14:41 Uhr

76 Jahre Kriegsende - Zeitzeuge Abba Naor in Nürnberg

In Nürnberg und Erlangen wird dem "Tag der Befreiung" gedacht. Vor 76 Jahren kapitulierte die Wehrmacht bedingungslos. Abba Naor, ein 93-jähriger Überlebender des KZ Dachau, war in Nürnberg zu Gast. In Erlangen wurde der Euthanasie-Opfer gedacht.
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Annette Bögelein

Vor 76 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Die Wehrmacht kapitulierte bedingungslos. In Nürnberg und Erlangen wird dem "Tag der Befreiung" gedacht. Zeitzeuge Abba Naor sprach in Nürnberg.

Am 8. Mai 1945 schwiegen nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht nach fast sechs Jahren Krieg und Millionen Toten in Europa die Waffen. An diesen Tag erinnerten am Samstag (08.05.21) mehrere Initiativen.

Gedenktag für die Opfer der NS-Diktatur in Nürnberg

Unter dem Titel "Nie wieder Diktatur in Deutschland" fand in der Straße der Menschenrechte in Nürnberg am Samstag um 11 Uhr eine Gedenkveranstaltung statt, veranstaltet vom Verein "Der FreundeskreisDeutscheEinheit e.V." unter der Schirmherrschaft der Fristo-Stiftung. Beide Organisationen tragen in ihren Statuten den Leitgedanken, die Demokratie in Deutschland zu stärken und die Lehren aus der Geschichte an nachfolgende Generationen weiterzutragen. Der Gedenktag gilt in besonderem Maße der Opfer.

Fremdenhass und Antisemitismus auch heute wieder unter uns

Gastredner in Nürnberg war der Überlebende des Konzentrationslagers Dachau, Abba Naor. Er beschrieb das menschenunwürdige Leben, das er im KZ Dachau und drei Aussenstellen davon überstanden hatte. Naor sagte, er habe nach der Befreiung aus dem KZ und in den Jahrzehnten danach geglaubt, es gebe keinen Fremdenhass und keinen Antisemitismus mehr. Heute müsse er aber feststellen: "Leider ist es nicht ganz so."

Demokratie in Deutschland ist kein Selbstläufer

Besorgt über die Zunahme von Rechtsextremismus und Antisemitismus in Deutschland zeigte sich auch der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller (CSU). Er appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, sich für die Demokratie einzusetzen. Der Vorsitzende des Vereins Freundeskreis Deutsche Einheit, Lutz Quester, sagte: "Demokratie ist kein Selbstläufer. Demokratie muss jeden Tag neu erkämpft und gelebt werden."

Erinnerung an Opfer der NS-Euthanasie in Erlangen

In Erlangen wurde am Nachmittag an die Opfer der NS-"Euthanasie" gedacht. Dazu fand um 14 Uhr eine Kundgebung auf dem Platz neben der Herz-Jesu-Kirche statt. Veranstalter war das Aktionsbündnis "Gedenken gestalten – HuPfla erhalten". An der Gedenkkundgebung für die 908 Opfer des NS-Euthanasie-Programms aus der Universitätsstadt nahm unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) teil. 2021 jährt sich bereits zum 81. Mal der Tag, an dem zum ersten Mal Kranke und Behinderte vergast wurden.

Mahnmal für ermordete Sinti-Opfer in Fürth eingeweiht

Der Vorsitzende des Verbands Deutscher Sinti und Roma in Bayern, Erich Schneeberger, und Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung enthüllten am Samstag (08.05.21) um 11 Uhr eine Gedenkstele am Löwenplatz für die von Nationalsozialisten ermordeten Fürther Sinti. Die von den Steinmetzen und Bildhauern, Peter Stutzmann und Angela Stutzmann-Häuser, geschaffene Stele zur Erinnerung an die Fürther Sinti, entspreche den Wünschen der Opferfamilien, so Schneeberger. Die Nationalsozialisten verhafteten im März 1943 acht Fürther Sinti, die anschließend aus dem Nürnberger Gefängnis zusammen mit vielen anderen mittel- und oberfränkischen Sinti nach Auschwitz deportiert worden seien, erklärte Schneeberger. Weitere seien in den folgenden Wochen und Monaten verhaftet und in die Konzentrationslager deportiert worden. Die genaue Zahl der Opfer sei bis heute unklar. Doch auch nach Kriegsende habe die Diskriminierung von Sinti nicht aufgehört, so Schneeberger.

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Annette Bögelein

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