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Rente Altersarmut: Traurige Sackgasse für Rentner

Millionen Rentner sind in Bayern von Armut bedroht, schätzen Sozialverbände. Immer mehr müssen von der Grundsicherung leben. Gerade in den bayerischen Großstädten ist die Lage ernst.

Von: Ralf Fischer und Jonathan Schulenburg

Stand: 13.06.2018

Wer nicht von seiner Rente leben kann, bekommt Sozialhilfe, "Grundsicherung". Das sind die Rentner, die am Existenzminimum leben. Ihre Zahl steigt in Bayern. In den letzten sieben Jahren von 57.000 auf 69.000.

In Augsburg müssen 4,8 Prozent der über 65-Jährigen von der Grundsicherung im Alter leben. In München sind es 5,2 Prozent, in Straubing 5,3. Spitzenreiter in Bayern bei der Grundsicherungsquote der Älteren ist Nürnberg: mit 6 Prozent der Senioren. Die meisten der von Armut bedrohten Rentner sind Frauen.

Angst vor Altersarmut und Grundsicherung

Monika Brosch-Janin aus Nürnberg hat Angst vor der Grundsicherung. Sie ist seit vielen Jahren arbeitslos, bekommt Hartz IV. Noch darf sie etwas dazu verdienen. Dafür nimmt sie große Strapazen auf sich: Zu ihrer Arbeit braucht sie eine Stunde, für sie eine körperliche Herausforderung.

"Jetzt will mich halt keiner mehr haben, weil ab 40 ist Sense! Da will einen keiner mehr haben und mit den Erkrankungen will mich auch keiner mehr."

Monika Brosch-Janin, steht kurz vor der Rente

Sie ist 60, in drei Jahren geht sie in "Rente", und befürchtet, dass ihr dann nur die Sozialhilfe bleibt. Sie hat viel gearbeitet in ihrem Leben: bei der Post, in der Altenpflege. Bei der Geburt ihres Sohnes blieb sie nur sechs Wochen zuhause. Ihre jüngste Tochter wird krank - an Arbeit ist ab diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Sie selbst wird auch krank, bekommt Rheuma. Monika Brosch-Janin hat nur zwei Wünsche: gesund sein und arbeiten.

Reicht die Rente?

Die Zahl der von Armut bedrohten Rentner wird wahrscheinlich weiter zunehmen. Laut Statistischem Bundesamt bekommen in Deutschland mehr als eine Millionen Menschen Grundsicherung im Alter. Die Hans-Böckler-Stiftung hat ausgerechnet, wie schwer es ist, mit der Rente überhaupt über die Sozialhilfe zu kommen.

Durchschnittlich braucht man dazu eine Rente von 747 Euro. Ein Anlagenelektroniker müsste dafür 18 Jahre Vollzeit arbeiten, eine Krankenschwester 25 Jahre. Jemand mit Mindestlohn schafft es schon heute nicht mehr, eine auskömmliche gesetzliche Rente zu erwirtschaften: notwendig wären 60 Arbeitsjahre. Da das Rentenniveau zukünftig auf 41 Prozent sinken soll, wird der Weg über die Sozialhilfe-Grenze weiter. Der Anlagenelektroniker müsste dann mindestens 20 Jahre arbeiten. Die Krankenschwester 29 Jahre. Beim Mindestlohn wären es illusorische 69 Jahre.

Arm und alt in München

Der Sozialverband VdK schätzt, dass in Bayern 1,7 Millionen Menschen im Alter von Armut bedroht sind. In München ist es die Tragik einer boomenden Stadt: Der städtische Armutsbericht schätzt, dass 27 Prozent der über 65-Jährigen ihrem Einkommen nach "arm" sind. 53 Prozent sind der unteren Mitte zuzuordnen. Von Armut bedroht sind sie, wenn sie in München mit weniger als 1.350 Euro auskommen müssen. Senioren mit hohem Einkommen sind in München eine Minderheit.

Jana Förster musste aus München sogar wegziehen. Sie hatte eine preiswerte Wohnung. Dann kam die Kündigung wegen Eigenbedarf. Verzweifelt suchte sie nach einer Neuen, aber Sozialwohnungen waren nicht frei. Mit 800 Euro Rente hatte sie keine Chance auf dem hart umkämpften Wohnungsmarkt. Schließlich wurde die 63-Jährige fündig: in Deggendorf. Weit weg von dem Ort, an dem sie 40 Jahre lang gelebt hat.

"Jede preiswerte Wohnung in München, da stehen 200 Leute! Und da nehmen die niemand mit einer kleinen Rente!"

Jana Förster

In ihrer neuen Wohnung fühlt sich Jana Förster wie in einem Sarg. Eine Nische zum Schlafen muss reichen.

Die neue Bundesregierung will bei der Altersarmut gegensteuern. Die Schlagworte sind: Mütterrente, Grundrente, Stabilisierung des Rentenniveaus. Allerdings ist noch unklar, wer von den Rentenprojekten der neuen Regierung konkret profitieren wird. Sozialverbände kritisieren die Pläne als unzureichend und armutspolitisch wirkungslos.


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Nostrodamus , Mittwoch, 13.Juni, 17:03 Uhr

25. Wenn die massenweise unqualifizierte Einwanderung die Hauhalte ins Minus bringt,

Wenn die massenweise unqualifizierte Einwanderung die Hauhalte ins Minus bringt, dann wid der Staat die Renten und Krankenkassen mit Zuschüssen nicht stützen können. Hartes Leben ohne Wohngeld, mit gekürzten Renten, mit begrenzen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen wird kommen. Wie ein Leben in einem Pleitestaat aussieht kann Ihnen jeder griechische Rentner erzählen.

Uboginum, Mittwoch, 13.Juni, 14:36 Uhr

24. Rente nach dem Solidarprinzip

Das Rentensystem krankt nicht pauschal an zu wenig Geld sondern an einer falschen Verteilung: Jemand, der jahrelang gut verdient hat und nun 2500 € Rente im Monat bezieht, braucht das Geld aller Wahrscheinlichkeit gar nicht unbedingt, weil er längst Wohneigentum und Ersparnisse hat. Umgekehrt haben Armutsrentner ohne eigene Rücklagen kaum etwas davon, wenn ihre 800€ um 2%, also 16 € erhöht werden.

Deshalb: Eine Grundrente als Sockelbetrag für jeden Arbeitnehmer, der eine gewisse Anzahl von Jahren eingezahlt hat und darauf einen (niedrigeren) Prozentsatz vom letzten Einkommen.

P. S.: Alle, die glauben, Einsparungen bei den Asylkosten kämen den Armutstrentnern zugute, leben offenbar in Wolkenkuckucksheim...

Merkel-Nicht-Versteher, Mittwoch, 13.Juni, 14:02 Uhr

23. Was interessiert mich jetzt die Rente? Hauptsache wir werden Fußballweltmeister!

Bis unsere Asylberechtigten und abgelehnten Migranten integriert sind und für die Rente was einzahlen, dann sind schon viele kurz vor dem Renteneintritt, der Rentenanspruch daraus wird für die Zigaretten nicht reichen. Unqualifizierte Einwanderung stärkt die Renten nicht. Die unqualifizierte Einwanderung bedroht die Renten und das Sozialsytem inklusive AOK.

  • Antwort von Weitsichtiger , Mittwoch, 13.Juni, 14:37 Uhr

    Die Politiker leben heute und es interessiert sie nur wenig, was nach ihnen kommt. Wer nach ihnen kommt, der muß dann die Probleme lösen, wenn es schon nicht zu spät ist.

    Die Asyl-Industriellen denken ähnlich, hier mit Asyl schnell viel Geld verdienen, um danach im fernen und sicheren Ausland das Leben am Meer zu genießen.

  • Antwort von Bodenseeurlauberin Heike, Mittwoch, 13.Juni, 15:32 Uhr

    Manche deutsche Rentner leben sehr gesund, weil sie auf der Suche nach herrenlosen Flaschen in Grünanlagen, Sportanlagen und Abfallkörben in der Stadt mit ihren Fahrädern viel Bewegung an der frischen Luft haben. Manchen würde eine Pfand-Erhöhung helfen. Afrikaner "vergessen" oft Bierflaschen im Park unter den Bänken, was die Ausbeute der Flaschensammler erhöht und sie freut. Sie tun viel gutes für unsere Umwelt.

Grüne Anja , Mittwoch, 13.Juni, 13:35 Uhr

22. Millionen Rentner sind in Bayern von Armut bedroht. Geld ist da, aber nicht für

Millionen Rentner sind in Bayern von Armut bedroht. Geld ist da, aber leider nicht für die Minirentner.
Unsere Flüchtlinge müssen wohnen und essen. Unsere Kriegsministerin verlangt mehr Geld.

  • Antwort von Barbara, Mittwoch, 13.Juni, 13:52 Uhr

    Die Millionen Rentner sind nicht nur von Armut bedroht, sondern sie vegetieren längst in größter Armut! Wenn der Zuzug so weitergeht, dann müssen die vielen eigenen Armen bald die Flucht ergreifen. Denn die steigenden Mieten kann kein Armuts-Rentner mehr bezahlen! Wer nimmt dann die Armuts-Flüchtlinge von uns auf? In Deutschland sind bereits ca. eine Million Menschen obdachlos! ist das denn kein Thema für die Politik?

  • Antwort von Jeder ist seines Glückes..., Mittwoch, 13.Juni, 14:11 Uhr

    Was haben jetzt die Flüchtlinge mit einer Rentenbiographie zu tun ?
    Ich habe mein Leben lang für die Rente einbezahlt und bekomme entsprechend viel.
    Soll der Staat/wir jetzt mit der Gießkanne die Rentner beschenken, die aus welchem
    Grund auch immer zu wenig einbezahlt haben ?
    Nein und nochmals nein, es gibt die Grundsicherung. Gegen eine geringe Anhebung habe
    ich nichts.

  • Antwort von Trauriger Arbeitnehmer ohne Zukunft, Mittwoch, 13.Juni, 14:28 Uhr

    Frau Angela Merkel ist Kanzlerin der Asylsuchenden und der Asyl-Optimierer, die über unzählige sichere aber ärmere Länder zu uns kommen, um bei uns besser zu leben.

    Wir sind nur die Berufstätigen, die bis 69 arbeiten sollen, die brav Steuern, Sozialabgaben und Gebühren bezahlen müssen. Wir sind wohl die Arbeitssklaven mit Redeverbot. Die Arbeitsplätze in den Fabriken und Büros werden Abstellplätze für Rollatoren brauchen.

  • Antwort von Barbara, Mittwoch, 13.Juni, 14:41 Uhr

    "Was haben Flüchtlinge mit Rentnern zu tun?" Den Rentnern wird sogar noch von ihrer Mini-Rente der Beitrag für die Krankenkasse abgezogen, während die Flüchtlinge krankenversichert sind. Mit anderen Worten: Das Geld wird den Rentnern genommen und Flüchtlinge damit unterstützt.

  • Antwort von Gerd, Mittwoch, 13.Juni, 14:59 Uhr

    @Trauriger Arbeitnehmer ohne Zukunft
    Ich begann meine Lehre 1975, (knapp 15 Jahre alt) - "das mit Rollatoren" ist gut. :-)
    Wir ziehen in ca. 4 Wochen in ein Neues Gebäude um, und Ich hab einen Treppenlifter beantragt. (Labor, ist im 2ten Obergesch.)
    - Hab von Chefs nur böse Blicke geerntet!
    sers

  • Antwort von Frohlocker, Mittwoch, 13.Juni, 15:04 Uhr

    @ Trauriger...
    Seien Sie froh, dass Sie arbeiten können. Andere wären dankbar wenn Sie
    einen Arbeitsplatz hätten.
    Dieses ewige Gejammere ist unerträglich.

  • Antwort von Aufklärer Andreas , Mittwoch, 13.Juni, 15:21 Uhr

    @jeder ist seine Glückes ....
    Die Migranten haben wohl viel mit der Rente und Sozialnetz was zu tun, weil sie von den Steuereinahmen mehr als 30 Milliarden verbrauchen, weil sie die Miniminirentner von morgen sind, weil einige jetzt schon in die Rente wegen Krankheit, Kriegsverletzung und Kriegspsychosen in die Invalidenrente gehen. Klar?

  • Antwort von Jeder ist seines Glückes.., Mittwoch, 13.Juni, 15:38 Uhr

    @ Aufklärer Andreas
    Was haben die Migranten mit Ihrer Rente zu tun ?

    Ich bin für mich selbst verantwortlich und schiebe nicht die Schuld auf
    andere, wenn ich es in meinem Leben nicht geschafft habe vorzusorgen.
    Für diejenigen deren Rente nicht reicht, gibt es die Grundsicherung.
    Das soziale Netz ist da.

  • Antwort von Zufällige Leserin, Mittwoch, 13.Juni, 17:12 Uhr

    Was haben die Migranten mit Ihrer Rente zu tun ?

    Eine typische Frage von linken und grünen Sozialromantikern, die ernste Probleme schönreden wollen.
    Auch Leute, die mit Asyl schönes Geld machen, argumentieren oft so.

    Wenn zu viele Milliarden für Asyl aufgegeben werden, dann sind sie weg und können nicht zur Stützung der Rente eingesetzt werden.
    Auch Flüchtlinge werden irgendwann in die Minirente gehen, auch wenn sie wenig oder nichts einzahlen.

  • Antwort von Betriebswirtin , Mittwoch, 13.Juni, 17:20 Uhr

    Argumente wie selbst schuld, weil keine private Altersvorsorge aufgebaut, sind nur Müll.

    Eine Friseuse oder Verkäuferin hat nach dem Bezahlen der Miete in Mchn. oder Nürnberg und der Nebenkosten fast nichts übrig.

    Bei Null Zinsen eine private Vorsorge aufzubauen, die dann später mit doppelten Sozialabgaben und Steuern belastet wird und an die Grundsicherung voll angerechnet wird, ist sinnlos.

Rentenempfängerin, Mittwoch, 13.Juni, 13:17 Uhr

21. Welchen langjährigen Rentner erstaunt das?

Altersarmut gab es vor dem Euro nicht. Denn wenn man nüchtern an diese Tatsache heran geht, muss man zugeben, dass man als Rentner von 1800 DM im Monat prima leben konnte, aber mittlerweile von 900 Euro eben nicht mehr. Wer halbwegs in der Realität angekommen ist, also nicht in Wolkenkuckucksheim lebt oder im Elfenbeinturm der Politiker, der weiß auch wieso: Weil die Preise nach der Euroumstellung schleichend anstiegen, aber die für die Fixkosten enorm, während sich die Renten kaum erhöhten. Zumindest nicht ansatzweise, um die Teuerung auszugleichen. Besonders arg traf und trifft es weiterhin die Rentner*innen, die unter 1600 DM Rente erhielten...

  • Antwort von Andrea, Mittwoch, 13.Juni, 14:16 Uhr

    Also ich kannte auch vor der Euro-Zeit schon Rentner und Rentnerinnen, welche sehr arm waren und gewiss keine 1800 DM im Monat zum prima leben hatten, besonders wenn sie im Leben nur geringe Löhne bekommen hatten. Sie haben aber insofern Recht, dass sich die Lage seither drastisch verschlechtert hat.