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Zur aktuellen Syrien-Lage Syrien-Expertin glaubt nicht an Gesprächsbereitschaft Assads

Nach dem Militärschlag der USA und seiner Verbündeten auf Syrien sieht die Nahost-Expertin Kristin Helberg den syrischen Machthaber Assad gestärkt.

Stand: 16.04.2018

Ruinen nach US-Luftangriffe in Syrien | Bild: Bayerischer Rundfunk 2018

"Er kann sich jetzt inszenieren als ein Opfer westlicher Aggression, der eben genau diese Angriffe erfolgreich abgewehrt hat - nicht nur der USA, sondern auch Großbritanniens und Frankreichs."

Kristin Helberg

Die Journalistin, die von 2001 bis 2008 in Syrien gelebt und als Korrespondentin von dort berichtet hat, betonte weiter:

"Der Westen hat ja zugleich ganz klar gesagt, wir wollen uns gar nicht einmischen in den Konflikt, wir wollen auch keinen Regimewechsel herbeiführen. Und das bedeutet natürlich aus Sichtweise des syrischen Präsidenten, dass er weitermachen kann mit der Rückeroberung der verbliebenen Rebellengebiete. Er sieht da also keine roten Linien, sondern nur grüne Lichter, um mit konventionellen Waffen weiter Krieg zu führen und dabei auch regelmäßig Zivilisten anzugreifen."

Kristin Helberg

Helberg sieht jetzt Assads Schutzmacht Russland in der Pflicht:

"Warum sollte Assad überhaupt an Machtübergabe denken, wenn er keinen weiteren Druck verspürt? Dieser Druck müsste aus Russland kommen. Russland hat aber auch nur begrenzten Einfluss auf das Regime in Syrien und insofern wird jetzt im Weltsicherheitsrat passieren, was zuvor passiert ist: Man wird ringen um Resolutionen. [...] Und da sehe ich nicht, was sich ändern sollte, vor allem jetzt, wo Assad sehr siegesgewiss ist."

Kristin Helberg

Geld wäre eine Lösung

Aus Sicht der Syrien-Expertin haben die Europäer nur eine Chance, um noch Einfluss in dem Bürgerkriegsland auszuüben, nämlich Geld:

"Tatsächlich braucht das Regime 200 bis 300 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau. Und Putin braucht deswegen auch eine politische Lösung, damit der Westen mitmacht - möglichst von den UN ausgehandelt. Das ist also die einzige Karte in den Händen der Europäer. Die sollten wir dann auch nicht leichtfertig abgeben, sondern da sollten wir ganz klar Bedingungen formulieren."

Kristin Helberg


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