78

Konzept des Kabinetts Aktionsplan Wolf: Abschuss als letztes Mittel erlaubt

Die Staatsregierung hat ihren Wolf-Aktionsplan auf den Weg gebracht. Problematische Tiere können künftig geschossen werden, wenn sie sich verhaltensauffällig benehmen und alle Präventionsmaßnahmen erfolglos waren, heißt es darin. Auch der Naturschutzexperte der Grünen stimmte dem Abschuss als Ultima Ratio zu.

Von: Nikolaus Neumaier

Stand: 17.04.2018

Wölfe im Bayerischen Wald | Bild: picture-alliance/dpa

Es hörte sich ein bisschen nach dem Ende einer Wolfswillkommenskultur an, aber Ministerpräsident Markus Söder machte auch deutlich, dass es um eine Abwägung gehe zwischen Artenschutz auf der einen Seite und dem Schutz der Menschen und ihrer wirtschaftlichen Interessen auf der anderen.

Sicherheit geht vor

So sprach Söder nach der Kabinettssitzung von einem Lösungsangebot, das man mache. Es gehe weder um Hysterie noch um Romantik, meinte der Ministerpräsident und sagte: "Wir sind sehr immer am Erhalt von Arten interessiert aber der Schutz von Menschen und Weidetieren ist ein genauso, wenn nicht deutlich höheres Schutzgut. Und deswegen ist uns wichtig, dort wo Schäden entstanden sind sie zu ersetzen und dort, wo keine entsprechenden Maßnahmen getroffen werden können, halten wir es auch für notwendig und möglich über Entnahmen zu reden."

Abschuss nur bei verhaltensauffälligen Wölfen

Der streng geschützte Wolf darf aber nur dann geschossen werden, wenn ein Tier verhaltensauffällig ist. Und auch nur dann, wenn keine Prävention mehr möglich ist, meinte  Umweltminister Marcel Huber und sagte: "Aus diesem Grund gehen wir an die Grenzen dessen, was das EU-Recht hergibt unter völliger Einhaltung Selbigen. Wenn ein verhaltensauffälliger Wolf Menschen bedroht. Wenn Wölfe vor Kindergärten rumlaufen. Solche verhaltensauffälligen Tiere müssen entnommen, müssen getötet werden."

Vor einem Abschuss sollen aber Präventivmaßnahmen angewandt werden. Das umfasst die Beratung, den Einsatz von Herdenschutzhunden, aber auch die Einzäunung. Den Einsatz von Zäunen sahen aber Ministerpräsident wie auch Umweltminister skeptisch, vor allem, dann, wenn es sich um hoch gelegene Almweiden handelt. "Es gibt Regionen, in denen eine Prävention nicht möglich ist", sagte Marcel Huber.

Derzeit geringe Gefährdung durch den Wolf - kein Rudel im Alpenraum

Der Minister sprach von einem sehr geringen Risiko durch den Wolf. Derzeit gebe es nur im Bayerischen Wald und auf zwei nordbayerischen Truppenübungsplätzen Wolfsrudel. Nicht aber im Alpenraum. Probleme werden außerdem eher von standorttreuen Tieren erwartet, nicht aber von Durchwanderern, die ohnehin viel zu schnell unterwegs sind: "Es geht um standorttreue Tier und es geht vor allem um Rudel. Wenn es dann soweit kommen sollte, … wird man diese Bedrängung schon vor dem Riss als Anlass nehmen", sagte Huber. Laut Umweltminister mussten im vergangenen Jahr auch nur geringe Summen an Entschädigung durch Übergriffe sogenannter großer Beutegreifer gezahlt werden. Der Minister sprach von ca. 6.000 Euro, die letztes Jahr an Tierhalter ausgezahlt wurden.

Nur Naturschutzbehörden dürfen Genehmigung zum Abschuss geben

Die Entscheidung über einen möglichen Abschuss bleibt den Naturschutzbehörden vorbehalten. Diese sollten sich aber mit den örtlichen Jägern abstimmen. Umweltminister Huber warnte jedoch vor einem eigenmächtigen Vorgehen von Wolfsgegnern, "denn wer einen Wolf über den Haufen schießt, begeht eine Straftat."

Zustimmung bei Naturschutzexperten der Grünen

Aus den Reihen der Opposition kam durchaus Zustimmung. So nannte der Biologe und Naturschutzexperte der Grünen, Christian Magerl, Abschüsse berechtigt und meinte: "Als ultima ratio ja. Sollte es Probleme geben, haben wir mit dem Paragrafen 45 Bundesnaturschutzgesetz eine ausreichende Regelung." Vorher, so Magerl, müsste man aber andere Maßnahmen ergreifen und solle auch nicht gleich an Abschuss denken, sondern es begrüßen, wenn ein ausgerottetes Tier wieder langsam zurückkehre.

"Man soll nicht gleich mit dem Abschuss daherkommen", sagte Magerl und forderte auch ein europäisch, abgestimmtes Monitoring.


78

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Chris, Mittwoch, 18.April, 21:59 Uhr

15. Wo bleibt die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen in Bayern?

DASS die Wölfe künftig den Weidetierhaltern grosse Probleme bereiten werden, dürfte wohl niemand in Frage stellen. Die Frage, die sich allerdings stellt, ist, wann denn in Bayern die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen begonnen werden? Wenn wir eines von anderen Bundesländern, die schon länger mit Wölfen zu tun haben, hätten lernen können, dann: dass Herdenschutz rechtzeitig begonnen werden muss und zwar im Idealfall, BEVOR die Wölfe wieder da sind.
Effizienter Herdenschutz benötigt Vorlaufzeit - was den Zaunbau angeht und die im Bericht angesprochenen Herdenschutzhunde sitzen auch nicht auf Bäumen, bis man sie b. Bd. dort pflücken kann - die Hunde müssen in die Herden integriert und ausgebildet werden, letzteres nicht in Sachen Herdenschutz an sich, sondern in Sachen Umfeldsozialisation, damit diese Hunde nicht nur in der Pampas, sondern, wie meine z. B. auch in touristischem Umfeld einsetzbar sind. Das benötigt eine Vorlaufzeit von etwa 2 Jahren, bis die Hunde voll einsetzbar sind.

thorie, Dienstag, 17.April, 23:24 Uhr

14. Konzept des Kabinetts

Das klingt verblüffender Weise gut !
Bin nur auf die Umsetzung gespannt.

Woelfe sind wunderbare Tiere, Dienstag, 17.April, 22:12 Uhr

13. Sind wieder die Schiesswuetigen unterwegs?

Wo steht, dass einzelne Menschen, die z. B. in der Staatsregierung den Sessel warm halten, einfach darüber entscheiden, welche Tiere gezielt ausgerottet werden dürfen?
Was ist mit freilaufenden Hunden, die Tiere reißen oder Kinder anfallen?
Wie viele Menschen werden jährlich durch Hunde getötet? Was tut die Staatsregierung hier?
Nachbarn haben schon länger einen freilaufenden Kampfhund, ein Listenhund, der einen erhöhten Zaun lt. Vorschriften erfordert. Da kommt keiner, der hier Mal prüft! Was tut die Staatsregierung hier?
Ich sehe mich in D meine Familie nicht von ein paar Wölflein bedroht, sondern von freilaufenden Hunden, da ich als Kind von einem dem Schäferhund niedergerissen und gebissen wurde.

  • Antwort von Gartenradler, Mittwoch, 18.April, 08:56 Uhr

    Jetzt fahre ich seit über 20 Jahren tagtäglich (ja auch bei Regen und im Winter)
    durch den Englischen Garten bekanntermaßen ein Hundeeldorado.
    Noch nie wurde ich von einem Hund bedroht oder gebissen, auch habe ich
    es bei keiner anderen Person beobachten können.
    Zweimal ist mir ein Hund hinterher, bin einfach stehen geblieben und
    der Spaß für den Hund war vorbei.

  • Antwort von Sonja Maria, Mittwoch, 18.April, 16:53 Uhr

    Ich stimme Ihnen bei - Kampfhunde sind gefährlich, auch bei guter Haltung manchmal unberechenbar. Da verstehe ich Sie gut - ich kenne einige Beispiele, wo Kleinkinder aber auch Halter dieser "Listenhunde" schwer verletzt wurden, oder sogar getötet wurden. Am Olympiaberg in München ging zu meiner Studienzeit regelmäßig ein Mann mit Kampfhund ohne Leine spazieren. Ich hatte da schon ein mulmiges Gefühl - gut, dass Sie (Gartenradler) so selbstbewusst sind! Ich hoffe, dass das für Sie auch so bleibt.
    Zum Thema Wolf kann ich nicht viel sagen, auch wie sich das in Deutschland weiterentwickeln wird - in vielen Jahren meines Lebens im Ausland (USA und Osteuropa) gibt es Wölfe - soweit ich weiß gibt es keinen dokumentierten Angriff auf Menschen. Bären und Pumas (Mountain Lions) dagegen schon.

Paul, Dienstag, 17.April, 21:48 Uhr

12. Prioritäten

Bei vielen Kommentaren zu diesem Artikel stoße ich auf eine erhebliche Aggression gegenüber den eigenen Artgenossen.
Sicherlich behelligen diese besonders tierlieben Bestmenschen den Planeten nur deshalb weiterhin mit ihrer Existenz, um auf die Bösartigkeit der (anderen) Menschen noch ausgiebig hinweisen zu können. Das bringt ihre Moralbilanz natürlich wieder ins Positive.

Michael Eberle, Dienstag, 17.April, 21:46 Uhr

11. "verhaltensauffälliger" Wolf

Wir - die Gattung Mensch- diskutieren mal wieder darüber, ob und welche Art "Lebensrecht" eine andere Gattung - nämlich der Wolf - auf diesem Planeten hat.
Statt Grimm´s Märchen zu bemühen, wäre es sinnvoller: 1. Deutschland und EU-weit über entsprechende Schutz- und Entschädigungsmaßnahmen für Landwirte / Viehhalter finanziell großzügig nachzudenken (Schutzzäune, wo möglich bzw. Einsatz von Herdenschutzhunden); aktuell ist der Nachweis, dass ein Schaden durch Wölfe entstanden ist, zu bürokratisch, aufwändig und teuer. 2. Die "Angstmache" vor blutrünstigen Wölfen ist einfach Unsinn: Wölfe erfüllen im "Bauplan der Natur" lediglich ihre "Bestimmung"; der normale Wanderer im Wald wird so schnell keinen "aggressiven" Wolf zu Gesicht bekommen. 3. Bei einem einigermaßen ausgewogenen Bestand an Wölfen und Luchsen, wäre die "Wildschweinplage" innerhalb weniger Jahre/Jahrzehnte wieder deutlich gemildert.
Fazit: der "Mensch" ist hier ursächlich für die "Probleme" des Menschen verantwortlich!