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Nach BR Data-Analyse Klinik-Meldesystem nicht mehr öffentlich

Nur noch mit Login einsehbar: Der Rettungszweckverband München hat nach der Berichterstattung des BR das elektronische Kommunikationssystem Ivena für die Öffentlichkeit gesperrt. Darin konnte man sehen, welche Krankenhäuser sich wegen Überlastung abmelden. Kritiker fühlen sich von einem wichtigen Informationsfluss ausgeschlossen.

Von: Sabine Cygan (BR Data)

Stand: 11.07.2018

Krankenwagen mit Blaulicht | Bild: picture-alliance/dpa

Seit dem 5. Juli 2018 ist der bisher öffentliche Bereich von Ivena eHealth passwortgeschützt. Nur noch die Rettungsleitstelle, die Rettungsdienste und die Münchner Kliniken haben Zugriff auf das System. Der Rettungszweckverband befürchtet, dass daraus falsche Rückschlüsse gezogen werden könnten. Dies könne zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung führen, schreibt Geschäftsführer Roland Dollmeier auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Mit einer Auswertung von Ivena-Daten hatte BR Data auf das Kommunikationssystem aufmerksam gemacht. Die Analyse von Daten über zweieinhalb Jahre hat ergeben, dass Münchner Geburtsstationen vor allem nachts wenig Kapazitäten haben.

Nur noch Kommunikationsmittel für Kliniken und Rettungsleitstelle

Der öffentlich zugängliche Bereich von Ivena zeigte im Zehnminutentakt, welche Kliniken sich wegen Überlastung abgemeldet haben.

„Ivena“ steht für „Interdisziplinärer Versorgungsnachweis“. Die Kliniken in München melden sich im Kommunikationssystem ab, wenn sie keine Patienten mehr aufnehmen können. In diesen Fällen lotst die Rettungsleitstelle Krankenwagen zu einer anderen Klinik. Außerdem nutzen die Münchner Kliniken im Bereich Geburtshilfe das Ivena-System zur Kommunikation untereinander. „Damit signalisieren wir uns gegenseitig: Hört zu, wir arbeiten am Limit und ihr braucht uns nicht anrufen, wenn ihr jemanden verlegen wollt“, sagt Uwe Hasbargen, Leiter der Geburtsstation im Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität.

Freiberufliche Hebammen haben keinen Zugang mehr

Auch freiberufliche Hebammen wie Claudia Lowitz haben vom Einblick in die verfügbaren Kapazitäten der Kliniken profitiert: „Bei Neugeborenen oder frisch entbundenen Müttern ist manchmal schnelle Hilfe und eine zügige Verlegung nötig“, sagt sie. Als Hebamme nehme sie eine Lotsenfunktion zwischen den Familien und dem Krankenhaus oder der Notaufnahme ein. Der Blick ins IVENA-System sparte ihr Zeit. „Mit der zunehmenden Knappheit an Ressourcen wie Personal und Räumlichkeiten in München wird es für die Berufsgruppen rund um die Geburt wichtig zu erfahren, wo freie Kapazitäten verfügbar sind“, sagt Lowitz. Sie hat deswegen den Rettungszweckverband gefragt, ob sie weiterhin Zugang zu Ivena bekäme. Vorerst sei das nicht möglich, hieß es dort. Claudia Lowitz ist überzeugt:

"Es kann nicht im Sinne einer guten Geburtshilfe sein, wenn man die unmittelbar Beteiligten nicht am Informationsfluss teilhaben lässt."

Claudia Lowitz, freiberufliche Hebamme

Weil jedoch auch Schwangere ins Ivena-System geschaut haben, ist Oberärztin Irene Alba Alejandre von der Uniklinik in der Maistraße froh, dass das IVENA-System nun passwortgeschützt ist. „Die Frauen sollen lieber in die Klinik kommen. Wenn die Frau Betreuung braucht, dann können wir sie auch weiterverlegen.“ Dagegen kann die Grünen-Landtagsabgeordnete Kerstin Celina das Verbergen des Ivena-Systems hinter einem Login nicht nachvollziehen. „Die Probleme verschwinden ja nicht, nur wenn das System gesperrt wird“, sagte sie dem BR.


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