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BUND Gewässerreport 92 Prozent der deutschen Gewässer in schlechtem Zustand

92 Prozent unserer Flüsse und Seen sind in einem beklagenswerten Zustand, das sagt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der heute in Berlin seinen Gewässerreport vorgestellt hat. Die Ergebnisse werden anhand von positiven und negativen Beispielen dargestellt. In Bayern geht es um die Saalach und die Ostrach.

Von: Daniel Knopp

Stand: 16.05.2018

Eine Brücke führt im Hintersteiner Tal bei Bad Hindelang über die Ostrach.  | Bild: pa/dpa/Stefan Puchner

In Bayern beklagt der Bund Naturschutz vor allem das Wasserkraftwerk bei Bad Reichenhall an der Saalach. Das Stauwerk Kiplinger Sperre stelle bis heute den folgenschwersten Eingriff für das Fließgewässer dar, schreibt der BUND in seinem Report. Tonnenweise Steingeschiebe muss jedes Jahr per LKW um die Staumauer gebracht werden und das Restwasser ist eher ein Bach als ein Fluss. Diese Probleme befürchten die Naturschützer, vereint in der Saalach-Allianz, jetzt auch für den Oberlauf der Saalach.

"Wir haben kein Geschiebetransport mehr, wir haben nichts mehr und das ist bei dem neidrigen Restwasser die größte Befürchtung, die wir haben."

Saalach-Allianz

Weitere Baupläne an der Saalach

Längst gibt es neue Baupläne an der Saalach. Der Landkreis will bis 2030 komplett CO2-freien Strom und ist aufgeschlossen gegenüber neuen Wasserkraftwerken. Die dürfen an der Saalach aber nicht mehr entstehen, sagt dagegen der BUND Naturschutz. Die Stauwerke müssten jetzt modernisiert und für Tiere passierbar gemacht werden, so die Forderung der Umweltschützer.

An Ostrach Wasserkraftwerk verhindert

Ein Positivbeispiel beim Gewässerschutz sieht der BUND Naturschutz bei der Ostrach im Oberallgäu. Die dort hindurch fließende Ostrach gehöre zu den letzten freifließenden und unverbauten Gewässerabschnitten in Bayern. Ein Wasserkraftwerk ist hier für den Bund Naturschutz undenkbar.

"Der Bereich ist ein einmaliges Naturidyll und hier ein Wasserkraftwerk reinbauen mit fünf Meter Staumauer, das geht einfach nicht."

Thomas Frey, Bund Naturschutz

Die Umweltschützer zogen deswegen vor Gericht und bekamen recht am  Augsburger Verwaltungsgericht. Laut Urteil ist der Bau nicht zulässig.

Gewässerschutz ernst nehmen

Ein großer Erfolg auch für den Bund Naturschutz. Hubert Weiger hofft zudem, dass das Augsburger Urteil Signalwirkung hat. Das bisher verhinderte Wasserkraftwerk an der Ostrach ist für Weiger deswegen auch ein Positivbeispiel für die Verbesserungen beim Gewässerschutz.  

"Verbesserungen überall da, wo es engagierte Umweltgruppen gibt, wo es Geld gibt. Wir können etwas etwas erreichen, erreichen, wenn wir das als Gesellschaft endlich ernst nehmen, dass sich unsere Gewässer in keinem guten Zustand befinden."

Hubert Weiger


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Kommentare

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tell, Donnerstag, 17.Mai, 08:28 Uhr

6.

Weniger Menschen, weniger Umweltschäden/-verschmutzung ... aber die Wachstum-Fanatiker begreifen es nie.

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 17.Mai, 12:10 Uhr

    Falsch,weniger Fleisch fressen,weniger *** im Wasser....ist eigentlich ganz einfach. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
    Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

Many, Donnerstag, 17.Mai, 08:02 Uhr

5. Auch der BUND

weiß, klappern gehört zum Handwerk. Kann mich gut an unsere " sterbende "Wälder erinnern. Jetzt sind halt die Gewässer dran. Bei Baumaßnahmen ist es einfacher, da reicht irgend ein " Grottenmolch" um etwas Jahrelang zu Verzögern. Da dieser Verein wegen seiner
Streitlust immer auch Geld braucht, hofft man auf die Spenden für eine bessere "Wasserqualität".

  • Antwort von Prof. Dr. Peter Schütt (1926-2010), Freitag, 18.Mai, 07:20 Uhr

    dt. Forstwissenschaftler; führte 1981 den Begriff "Waldsterben" ein; Begründer d. umfassendsten dendrologischen Werkes erdweit "Enzyklopädie der Holzgewächse"

    Die Wälder wären auch zum großen Teil untergegangen, wenn nicht massiv gegengesteuert worden wäre. Es wurden Grenzwerte stark abgesenkt (insbesondere Fluor) und u. a. Rauchgasfilter-/-entschwefelungsanlagen vorgeschrieben. Sie haben bestimmt schon wieder die Bilder bspw. vom Erzgebirge aus den 80er Jahren vergessen oder?

Wanda, Donnerstag, 17.Mai, 02:26 Uhr

4. Umweltschützer

Kann doch gar nicht sein: wie behauptet der Bauernverband so schön "wir (die für den Düngereintrag Verantwortlichen) sind die ersten Landschaftspfleger und Umweltschützer". Na also...

Beliebiger, Mittwoch, 16.Mai, 21:17 Uhr

3. Gestern wurde noch von guter Qualität der Seen gesprochen

Diese Pressemeldungen gehen mir auf den Keks.

Was soll das?

  • Antwort von Milvus, Mittwoch, 16.Mai, 22:35 Uhr

    Im einen Fall geht es um Wasserqualität (z.B. Badetauglichkeit), im anderen Fall um Landschaft (naturnaher Zustand, Lebensraum für Tiere und Pflanzen,...).

Nordlicht, Mittwoch, 16.Mai, 19:13 Uhr

2. 92 Prozent kann nicht sein

laut Bund für Umwelt und Naturschutz sollen 92 % der Gewässer in Deutschland im schlechten Zustand sein.

Komisch in Hamburg wurden heute für die Gewässer und Badeseen 11 X die BESTNOTE für Wasserqualität vergeben.

  • Antwort von Wanda, Donnerstag, 17.Mai, 02:28 Uhr

    Sie haben doch wohl nicht das Wort Lügenpresse (oder so ähnlich) im Sinn ? Das wäre nämlich schon etwas (äh) stark...

  • Antwort von Norbert, Donnerstag, 17.Mai, 09:55 Uhr

    bei der Beurteilung der Badegewässer geht es um die bakteriologische Belastung (Gesundheitsgefährdung der Badenden) der Gewässer. Beim "guten" oder "schlechten Zustand" wird das Gewässer als Lebensraum für die darin vorkommenden Arten betrachtet. Es ist nicht möglich, alle Kriterien in einer Beurteilung zu berücksichtigen. Leider werden fachliche Aspekte in der Presse oft zu wenig erläutert. Es würde ja auch keiner auf die Idee kommen, z.B. Manuel Neuer als "schlechten Sportler" zu bezeichnen, weil er z.B. im Eiskunstlauf nicht so richtig überzeugt.