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Zukunft unserer Städte Landflucht gestoppt, Dorf gerettet

Dörfer haben keine Zukunft? Von wegen! Gerhardshofen in Mittelfranken verlor 100 Jahre lang immer mehr Einwohner - bis sich die Gemeinde dazu entschied, etwas dagegen zu unternehmen. Heute leben dort so viele Menschen wie niemals zuvor. Wie hat der Ort das geschafft?

Von: Christian Stücken, Christina Schmitt

Stand: 29.11.2017

Bürgermeister Jürgen Mönius ist ein zufriedener Mann. Seit fast zehn Jahren führt er die Gemeinde Gerhardshofen in Mittelfranken. Eine ländliche Region, rund eine Stunde von Nürnberg entfernt. Und heute steht der Ort so gut da, wie man es früher niemals für möglich gehalten hätte.

1970 haben in Gerhardshofen rund 1.300 Menschen gelebt - jetzt sind es mit knapp 2.500 fast doppelt so viele. Eine Entwicklung, von der andere Orte nur träumen. Was ist das Erfolgsrezept von Gerhardshofen?

Abwanderung wegen fehlender Zukunftsperspektive

Bürgermeister Jürgen Mönius

Bis zum zweiten Weltkrieg hatte der Ort stets an Einwohnern verloren - und auch danach noch, bis in die späten 1960er. "Die Landwirtschaft war klein strukturiert, und viele haben dort, denke ich, keine Zukunftsperspektive gesehen und sind dann abgewandert.", sagt Bürgermeister Mönius. Damals war die Gemeinde hoch verschuldet und die Grundschule wurde geschlossen.

Wirksames Maßnahmenpaket zum Stopp der Landflucht

Gewerbegebiet in Gerhardshofen

In den 1970er Jahren kam der Wendepunkt. Es ist kein einzelnes Ereignis, sondern eine Reihe von gut abgestimmten Maßnahmen die einen nachhaltigen Entwicklungsprozess einleiten. Der damalige Bürgermeister und Gemeinderat entschieden sich dazu, ein Gewerbegebiet in Gerhardshofen auszuweisen. "Wenn etwas vorhanden ist, wenn die Voraussetzungen da sind, Zufahrt und Kläranlage, dann geht es auch weiter wie man hier sieht. Und ich bin froh, dass wir hier diese Fläche bereit gestellt hatten.", erzählt Altbürgermeister Richard Helm im Rückblick.

Knapp 2.500 Einwohner hat Gerhardshofen inzwischen.

Eines der ersten Unternehmen, die sich dort niederließ, war die Firma Weilburger, die farbige Lacke und Beschichtungen herstellt. Als man 1972 hier anfing, waren in dieser Niederlassung 5 Arbeiter beschäftigt, heute sind es mehr als 100. Außerdem fing der Ort an, günstiges Bauland anzubieten – und die Infrastruktur aufzubauen: Ein Kindergarten wurde errichtet, die Schule mit dem Nachbarort neu gebaut.

Gerhardshofen attraktiv auch für Familien

Die Strategie ging auf. Junge Menschen zogen nach Gerhardshofen, so wie Christine Probst mit ihrer Familie. "Das Wichtigste war für uns der Kindergarten, das war erstmal Priorität. Dann nachfolgend die Grundschule. Dass das alles gegeben ist, die Einkaufsmöglichkeiten und die ärztliche Versorgung, das war für uns ein wichtiger Aspekt."

Christine Probst

Inzwischen ist Gerhardshofen schuldenfrei und verfügt über einen Breitbandanschluss. Für Christine Probst und ihre Familie ist der wichtigste Aspekt aber ein anderer:

"Ich fühle mich hier pudelwohl. Mein Sohn und ich sind mittlerweile in sämtlichen Vereinen integriert. Es ist einfach ein schöner Zusammenhalt."

Christine Probst, Einwohnerin von Gerhardshofen


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