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"Technik aus dem letzten Jahrtausend" Zugunglück von Aichach - Angehöriger attackiert Bahn

"Ich verspreche, nicht mehr zu ruhen" - nach dem Zugunglück von Aichach hat der Sohn einer getöteten Frau der Bahn schwere Vorwürfe gemacht. In seinem emotionalen Facebook-Post wandte er sich auch an den Fahrdienstleiter.

Von: Andreas Herz

Stand: 13.05.2018

Nach dem Zugunglück mit zwei Toten und 14 Verletzten hat der Sohn der getöteten Frau der Bahn in einem Facebook-Post schwere Vorwürfe gemacht. Wörtlich schreibt er: "Es kann nicht sein, dass mein Auto mich vor allen möglichen Gefahren und meinen und den Fehlern anderer automatisch schützt, während die Bahn für das Leben hunderttausender Kunden täglich nicht mehr tut, als die Verantwortung für sie auf die Fahrdienstleiter zu schieben und sie mit Technik aus dem letzten Jahrtausend alleinzulassen."

Stellwerke sollen erneuert werden

Und weiter schreibt er: "Den juristischen Personen DB Netz AG und Deutsche Bahn AG sowie den politisch Verantwortlichen für die Investitions- und Sicherheitsentscheidungen der Bahn verspreche ich, ab dem Moment, wenn die Erde das Grab meiner viel zu früh getöteten Mutter geschlossen hat, nicht mehr zu ruhen, bis alle Stellwerke und Bahnübergänge auf dem technisch neusten Sicherheitsstand sind."

Angehöriger wendet sich an Fahrdienstleiter

Dem Fahrdienstleiter, gegen den Haftbefehl wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung erlassen worden war, macht der Sohn der getöteten Passagierin dagegen keine Vorwürfe: "Wir alle machen andauernd Fehler", schreibt er auf Facebook. Deshalb gelte sein Mitgefühl auch dem Fahrdienstleiter, dessen "Fehler das Unglück vielleicht verursacht hat". Er wünsche ihm von Herzen, dass er sich selbst verzeihen könne.

 Was im Aichacher Bahnhof passiert ist

Ein Zug der Bayerischen Regiobahn war am Montagabend bei der Einfahrt in den Aichacher Bahnhof auf einen stehenden Güterzug geprallt. Dabei kamen der Lokführer der Regiobahn sowie eine 73-jährige Passagierin ums Leben. Nach Informationen des "Spiegel" überprüfen die Ermittler derzeit, ob der verantwortliche Fahrdienstleiter im Stellwerk womöglich zwei Gleise verwechselt hat. Die Ermittler prüfen laut Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai aber auch, ob der Fahrdienstleiter unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen stand oder ob er abgelenkt war. 


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