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Ausbaupläne für breitere A8 Zu viel Autobahn im Voralpenland?

Der geplante Ausbau der Autobahn A8 ist womöglich unsinnig und zu teuer. Zumindest auf dem letzten Abschnitt vor der Grenze: Dort soll die Autobahn bis zum Jahr 2030 sechsspurig sein. Der Bundesrechnungshof mahnt aber schon länger, es ginge billiger. Heute könnte er Unterstützung bekommen vom Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags.

Von: Wolfgang Kerler, Achim Wendler

Stand: 23.03.2018

Der Bundesrechnungshof hatte schon voriges Jahr Zweifel angemeldet. Ein Ausbau der A8 auf sechs Spuren im bayerischen Voralpenland, genauer zwischen Chiemsee und Grenze, wäre unnötig. Dort seien an einem normalen Tag 50.000 Autos unterwegs, dafür würden vier Spuren ausreichen. Sollten an Spitzentagen bis zu 100.000 Fahrzeuge die Strecke nutzen, könnte zusätzlich die Standspur freigegeben werden. Kostenersparnis: "mindestens 110 Millionen Euro".

Deshalb forderte der Rechnungshof das Bundesverkehrsministerium voriges Jahr auf, seine Ausbaupläne nochmal durchzurechnen und besser zu begründen. Der zentrale Vorwurf: Das Verkehrsministerium habe für seine Wirtschaftlichkeitsrechnung einfach die gesamte Strecke von München bis zur Grenze betrachtet. Und dabei vernachlässigt, dass die Verkehrsdichte ab dem Chiemsee deutlich abnimmt.

Gefahr durch Freigabe der Standspur?

Die Mahnung des Rechnungshofs greift nun der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags auf. Dessen Mitglied Ekin Deligöz, grüne Abgeordnete aus Bayern, hält die Ausbaupläne für rundweg falsch.

"Hier wird Kulturlandschaft zerschnitten, zerstört, zubetoniert, in einer der schönsten touristischen Gegenden Deutschlands. Hier wird Heimat kaputt gemacht!"

Ekin Deligöz

Zur Sicherheit lägen "keine Konzepte" vor, die Kosten seien zu hoch, sagt die Deligöz. Heute befassen sich die Abgeordnete und ihre Kollegen im Rechnungsprüfungsausschuss mit den Ausbauplänen. Der Beschlussvorlage zufolge wollen sie sich dem Rechnungshof anschließen und das Verkehrsministerium drängen, nochmal nachzurechnen und zu beweisen, dass sechs Spuren nötig sind. Umstritten ist zum Beispiel, ob die Freigabe der Standspur nicht gefährlich wäre: Laut Verkehrsministerium drohten trotzdem Staus und sogar Unfälle. Deligöz dagegen verweist auf die Position des Bundesrechnungshofs, wonach Unfälle "weitgehend" vermieden würden. Sollte der Ausschuss die Vorlage beschließen, hätte der neue CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer zwei Monate Zeit, um dem Rechnungshof zu antworten.


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Sophie Ida Müller, Freitag, 23.März, 22:38 Uhr

14. Zu viel Autobahn im Voralpenland?

Mir scheint das ein überwiegend "männliches" Problem zu sein, dass man sich mit dem fahrbaren Untersatz identifiziert. Das Autofahren, Statussymbol, ist an einem Punkt angelangt, wo man sich fragt, wo ist der Verstand geblieben? Gegen "vernünftiges" Autofahren kann keiner was haben - nur wie das heute praktiziert wird, finde ich schon abartig. Jeder Kilometer wird mit dem Auto zurückgelegt, selbst wenn man mal zu Fuß gehen könnte. Es wird über die Straßen gebrettert; immer mehr Landschaft zerstört , verschandelt, jede Menge Tiere geopfert für die Mobilität, die grenzenlose Freiheit - besonders in Deutschland. In keinem Land wird so gerast – nur hier gibt es noch keine Geschwindigkeitsbeschränkungen,– und unser lieber neuer CSU-Verkehrsminister Herr Scheuer möchte sich nicht mit der riesigen Autolobby anlegen ,sich unbedingt profilieren und gleich mal beweisen, wie wichtig doch ein Ausbau der A 8 ist. Außerdem glaube ich auch, dass viele Autofahrten nicht unbedingt nötig wären!

  • Antwort von Max, Samstag, 24.März, 09:19 Uhr

    Nein, ich glaube es ist kein "männliches" Problem, nur ist der "männliche" Wunsch nach mehr Autobahn anders geartet.
    Viele Männer und auch viele Frauen wollen möglichst viele, schöne Straßen um möglichst einfach und schnell (da gibt es teilweise noch einen Wunschgeschwindigkeitsunterschied) an jedes Ziel zu kommen. Zuhause und am jeweiligen (wechselnden) Ziel soll die Superstraße natürlich möglichst wenig stören. Subjektiv ist hierbei der ästhetische Anspruch und eventuell noch die Stör-Distanz leicht unterschiedlich. Der eher asoziale Wunsch nach "mehr Straße für mich" ist aber an sich glaube ich in etwa gleich.

  • Antwort von Blechmann13, Montag, 26.März, 13:00 Uhr

    Sie glauben doch nicht, dass der Ausbau (hauptsächlich) wegen dem PKW Verkehr vorgenommen werden soll, oder?

    Fast jeder Aus-/Neubau ist heute dem immer mehr steigenden LKW-Verkehr geschuldet, weil hier das Geld generiert und die Wirtschaft am laufen gehalten wird.

    mfg

Hans Frieder Leistner, Freitag, 23.März, 11:21 Uhr

13. recht so

Lassen wir die Autobahn verkommen. Dann gibt es keinen Streit mehr über die Maut. Der ganze LKW Verkehr vom Balkan wäre aus Bayern verbannt. Die einheimische Industrie könnte aufgegeben werden, weil der Abtransport der erzeugten Waren nicht mehr möglich ist. Aber auch bei ALDI und Lidl wäre es vorbei preisgünstig einzukaufen. Auch der Streit über CO2 und NOx -Ausstoß wäre vorbei. Nur hätten dann die um unsere Gesundheit so besorgten Umweltschützer keine Gründe mehr zu lamentieren. Es ist schon interessant , was ein Teil der species homo sapiens so alles an Phantasie entwickelt. Aber es gibt ja einen Spruch:" Millionen Fliegen können nicht irren, freßt ???"

  • Antwort von Tiroler, Freitag, 23.März, 12:33 Uhr

    Wir würden uns freuen, wenn der massenhafte Verkehr aus Bayern verschwinden würde. Umwelt und Naturschäden gehen in die Milliarden.

  • Antwort von Didier, Freitag, 23.März, 13:42 Uhr

    @ Hans Frieder Leistner: Die Menschheitsgeschichte beweist: Wir sind Jahrtausende ohne Auto ausgekommen. Man muss nicht jeden Plunder um die halbe Welt fahren. Man muss keine Kartoffeln aus Peru oder Ägypten haben, keine Marmelade aus China, kein Brot aus der Brotfabrik.Man muss die heimischen Möbel nicht nach Südafrika oder sonstwohin abtransportieren. Man muss nicht auf Halde produzieren sondern für den tatsächlichen lokalen Bedarf. Keine Produkte mit eingebautem Verfall. Keine Wegwerfproduktion die man spazieren fährt im 40-Tonner und schließlich mit dem Müllauto. Das reicht doch, oder nicht? Man müsste dann auch nicht mehr völlig überdreht arbeiten bis zur Depression und Reha, sondern nur wenige Stunden am Tag oder gar nur wenige Stunden pro Woche. Der Rest an Zeit dient der sozialen Kontaktpflege und der eigenen Nahrungsmittelherstellung. Man könnte sich auch mal geistig weiterentwickeln und nicht nur konsummäßig materiell industriell. Ein Irrweg, wie sich immer deutlicher zeigt.

  • Antwort von Hans Frieder Leistner, Freitag, 23.März, 16:18 Uhr

    @ Didier. Von Volkswirtschaft scheinen sie noch nichts gehört zu haben. Bevor das Auto fuhr gab es schon die Eisenbahn. Und davor wurden die Waren per Pferde- oder Ochsenkarren transportiert. Denn von allein bewegen sich die Waren nicht. Wie wollen sie z.B. in München ein Brot backen, wenn sie auch das Getreide vor Ort anbauen müssen? Oder wollen sie das Korn auf dem Balkon anbauen? Und nur wenige Stunden in der Woche arbeiten. Wer soll das denn finanzieren? Ich glaube dieser kurze Abriß reicht schon, um ihre Idee ad absurtum zu führen.

Axel F., Freitag, 23.März, 11:03 Uhr

12. Vision Individualverkehr

Neulich hatten wir in der Familie ein Gespräch, wie sich der Individualverkehr wohl entwickeln wird, wenn die Nachfrage nach Öl das Angebot übersteigt und der Ölpreis massiv in die Höhe schnellt. Erste Kostproben davon gab es im Sommer 2008 (Ölpreis bei 150 $/Barrel) und im Sommer 2012, als Super um die 1,70 € kostete.

Kann man es als Regierung verantworten, jetzt noch sehr viel Geld in eine Struktur zu stecken, die möglicherweise bald ausgedient haben wird oder zumindest nicht mehr in diesem Ausbaugrad gebraucht wird?

  • Antwort von Blechmann13, Dienstag, 27.März, 09:37 Uhr

    Vor 20 Jahren hieß es in einer Umfrage auch noch, ab 2 Mark-fufzig pro Liter lass ich mein Auto stehen...irgendwann waren dann die 5-Mark pro Liter im Gespräch...und dann kam der Euro, und plötzlich war das Benzin nur noch halb so teuer... ^^

    mfg

Didier, Freitag, 23.März, 10:27 Uhr

11. Ich wäre dafür

die Autobahnen einfach runterzufahren, bis sie nicht mehr benutzbar sind. Und hernach der Natur überlassen. Wälder statt Autobahnen. Das Auto erweist sich eh immer mehr als totgerittenes Pferd, das nur Probleme macht, die kein Mensch jemals in den Griff kriegen wird.
Wenn ich mir ansehe, daß man seinerzeit etwa den Nachbarn die A7 bis an die Grenze gebaut hat und die sollen zusehen, wie der massive Autobahnverkehr durch das enge Zwischentoren gequetscht wird ... Autos sind für mich wie Symbole menschlicher Rücksichtslosigkeit. Mit Vollgas in den Abgrund. Siehe Luftverschmutzung, Kriege wegen Sprit (Syrien-Pipeline-Krieg), Asphalt und Beton wohin man sieht. In Wohnvierteln verbrauchen die Dinger unglaublich viel Platz. Irrsinn Auto und Flächenverbrauch. Instandhaltung von Straßen und Brücken finanziell nicht mehr zu stemmen. Ein einziges Rumgeeiere mit dem Autoverkehr. Ich wünsche mir da mehr Mut für Alternativen.

  • Antwort von Uboginum, Freitag, 23.März, 11:24 Uhr

    @Didier: Ihr Vorschlag wird so nicht umsetzbar sein. Zu groß ist die Abhängigkeit der Bevölkerung und der "Wirtschaft" vom Auto. Jeder Politiker, der einen solchen Plan verfolgt, würde sofort abgewatscht und mundtot gemacht werden.

    Das ändert allerdings nichts daran, dass Sie recht haben...

  • Antwort von Richard Trevithick, Freitag, 23.März, 11:28 Uhr

    natürlich, die deutsche Autoindustrie abwickeln, das wäre das einzig richtige... (Dann wäre übrigens auch die Politik in diesem Lande endlich wieder handlungsfähig, ohne die derzeitige übergroße Abhängigkeit von der sog. "Schlüsselindustrie".)
    Nur - wie wollen sie das stemmen, ohne daß es am Ende doch wieder die Lohnabhängigen ausbaden müssen? Solange niemand für dieses Problem eine Lösung hat, steuern wir zwangsläufig immer weiter auf den Abgrund zu.

  • Antwort von Didier, Freitag, 23.März, 12:29 Uhr

    "...die Lohnabhängigen ausbaden..." Gleichzeitig sollte man auch die "Leistungsgesellschaft" in Frage stellen. Warum lassen wir uns immer noch mit Maschinen vergleichen? Mit "Zeit ist Geld" unter Druck setzen? Bald stößt man auf die Idee "Profit" und landet schließlichg bei der Habgier, der Herrschsucht und anderen Eigenschaften, die einst mal als Todsünden galten. Darüber hat man gelacht und gespottet. Angesichts des Abgrundes, auf den wir mit Bleifuß zusteuern, finde ich, daß diese alten Ideen gar nicht so schlecht waren und es ein Fehler war, sie zu verwerfen. Wir befinden uns in einem unfassbaren Rausch von Konsum und Hybris, alles leisten zu können, weil wir Maschinen bauen können, die alles niederwalzen, pressen, stampfen, durchbohren, zerstören, vergiften ... können. So lange man an der Industrie- & Wachstumsidee festhält, kommen wir aus all den Widersprüchen nicht heraus. Die Wurzel sitzt also sehr sehr tief. Möglicherweise ändert sich nur was durch eine allgemeine Katastrophe.

  • Antwort von Oliver M., Freitag, 23.März, 12:44 Uhr

    Auf dem Land wohnen Sie offensichtlich nicht. Ohne Auto läuft da nix. Ein ÖPNV, wie in der Stadt ist schlichtweg Utopie!

  • Antwort von Didier, Freitag, 23.März, 13:31 Uhr

    Oliver M.: Man kann sich auf dem Land an Fahrpläne gewöhnen. Und auch mal an einen Fußmarsch zur Bushaltestelle. Alles kein Problem. Ich bin es eh gewohnt, ohne Auto zu leben. Es geht. Man braucht es nicht wirklich. Und falls doch, dann stimmt grundsätzlich was nicht.

  • Antwort von Blechmann13, Montag, 26.März, 13:11 Uhr

    @Didier & all

    Um das zu "schaffen", müsste man unser Wirtschaftssystem "abschaffen", bzw. komplett umstrukturieren...schöner Traum, wird aber spätestens an unserem "globalen Markt" scheitern, wenn nicht alle auch mitmachen...und ab da wirds erst richtig schwierig! ;--))

    Ist etwa so wie mit dem CO2.
    Schön wenn Deutschland und vielleicht ein paar Andere die Produktion (was ja auch nicht mehr der Fall ist) stark reduzieren, wenn dafür irgendwo anders auf der Welt das doppelte oder dreifache erzeugt wird, da diese Länder nciht (wirklich) mitmachen...

    mfg

Politische Priorisierung, Freitag, 23.März, 09:58 Uhr

10. Echte Chancengleichheit ist nicht gewollt

Wie immer seit Jahrzehnten schon:
Autobahnen werden immer länger und breiter und die Bahn darf weiter nur auf der Infrastruktur der Kaiserzeit herumrutschen.
Kein Wunder, dass sie nicht über mehr Kapazitäten verfügt, wenn die Investitionsmittel nur in den Straßenbau fließen.

  • Antwort von Oliver M., Freitag, 23.März, 14:44 Uhr

    „Die Bahn“ gibt es nicht mehr! Die ehrm. Bundesbahn wurde aufgesprengt in wirtschaftlich eigenverantwortlich agierende sog. Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) - 2017 waren das 451! Diese fahren auf der Infrastruktur unter betrieblichen Vorgaben der DB Netz AG. Und auch das wollen ganz Schlaue, die keine Ahnung von Bahn haben, auch noch privatisieren und zerstückeln.

    Diese Struktur erschwert Investitionen immens, weil - da wirtschaftlich eigenständige Unternehmen - niemand diese Kosten investieren will, sprechen wir hier doch von Millionenbeträgen. Und die Investitionen haben nicht zwangsläufig Gewinnsteigerungen zur Folge!

    Bedanken Sie sich also bei den Blödeln, welche zwar keine Ahnung hatten bzw. haben, den ehemals existierenden und sinnvollen Systemverbund Bahn aber zerstört haben und noch immer dran arbeiten! Bei dem heutigen Konstrukt kann selbst der Bund nicht einfach durchgreifen und vorgeben, was wie zu tun ist - dank der sinnlosen Privatisierung!!!