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Bornhagen Zentrum für politische Schönheit baut Björn Höcke eigenes Holocaust-Mahnmal

In seiner Dresdener Rede griff AfD-Politiker Höcke die deutsche Erinnerungskultur an. Die Aktionskünstler des Zentrums für politische Schönheit haben reagiert - mit einer Nachbildung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas.

Von: Vera Cornette

Stand: 22.11.2017

Vor dem Haus des Politikers haben Aktionskünstler ein Mahnmal errichtet.  | Bild: Zentrum für politische Schönheit

"Das Thüringische Eichsfeld ist zu meinem Refugium geworden. Es ist mir Rückzugs-, Inspirations- und Regenerationsraum", schrieb AfD-Politiker Björn Höcke Anfang dieses Jahres in einem Rundbrief auf seiner Webseite. Heute Früh dürfte es mit der Ruhe in Höckes Refugium vorbei gewesen sein: Direkt vor seinem Grundstück stehen nun 24 massive Betonstelen.

Außenstelle in Bornhagen

Die vor Höckes 500 Jahre altem Pfarrhaus errichteten Stelen sind exakte Nachbildungen der Stelen des "Denkmals für die ermordeten Juden Europas" in Berlin. Anlass für den Bau des Holocaust-Mahnmal-Ablegers in der thüringischen Provinz ist Höckes Rede in Dresden im Januar.

Bei einer Veranstaltung der Jungen Alternative hatte der AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert. Die "dämliche Bewältigungspolitik" lähme die Gesellschaft. Mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin sagte Höcke: "Wir Deutschen (...) sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat."

Spendenfianziertes Stelenfeld

Der Auftritt löste Kritik aus - ein Bundestagsabgeordneter der Linken stellte Strafanzeige (die Ermittlungen stellte die Staatsanwaltschaft im März ein), der Zentralrat der Juden kritisierte die Äußerungen scharf.

Das Zentrum für politische Schönheit, ein Zusammenschluss (ZPS) von etwa 70 Aktionskünstlern, nahm den Satz aus Höckes Rede auf, baute ihm das Stelenfeld vor die Haustür. Finanziert wird die Aktion per Crowdfunding. Gut 16.000 Euro sind am Mittwochvormittag gespendet worden, 28.800 Euro ist das Spendenziel, um den Unterhalt des Mahnmals ein Jahr zu finanzieren.

Seit 2009 aktiv

"Die Zivilgesellschaft finanziert dieses Mahnmal. Das bedeutet: Wir können die grotesken Forderungen zur Geschichtspolitik nicht länger auf sich beruhen lassen. Auch nicht nach knapp einem Jahr ohne Distanzierung. Die Erinnerung muss in den braunen Ecken in Beton gegossen werden", ist von Philipp Ruch, Chef des ZPS auf deren Webseite zu lesen.

Eine Reaktion von Höcke gibt es bislang nicht. Das Zentrum für Politische Schönheit macht seit 2009 Aktionen zu Themen wie Flüchtlinge oder Genozide. Im Sommer machte die Gruppe Schlagzeilen unter dem Titel "Scholl 2017 - Aus der Vergangenheit lernen."


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Sandra, Mittwoch, 22.November, 19:50 Uhr

34. Niederknien

Selbstjustiz und Bürgerwehr waren die beiden Begriffe, die mir zuerst zu dieser unsäglichen Aktion und insbesondere der Forderung nach Niederknien eingefallen sind. Was es bei mir an Gefühlen hinterlässt: Beklemmung, Entsetzen und Fremdschämen.
Und ehrlich gesagt, ich würde darauf schwören, dass auch Willy Brandt angesichts dieser Vorstellung vor Scham im Boden versunken wäre.

Gerhard Krauss, Mittwoch, 22.November, 16:36 Uhr

33. Aufstellung Mahnmal....

Meine Frage war:-Wer finanziert das? Antwort : "Finanziert wird die Aktion per Crowdfunding. Gut 16.000 Euro sind....." Ich hätte die Antwort auf deutsch gewollt,da ich englisch nicht verstehe, so die Antwort und Handlung mir beweisen das Deutschland immer noch besetzt und handlungsunfähig ist.

  • Antwort von Klaus Eberius, Mittwoch, 22.November, 18:33 Uhr

    Sie haben Recht, es muss natürlich heißen: eine ganze Gruppe von Freunden für deutsche Kunst gibt freiwillig von den sauerverdienten Talern. Sie wissen: gute Deutsche Bürgerinnen und Bürgen erinnern sich an die ganze Geschichte des Volkes. So verhindern sie, dass noch einmal die Ehre Deutschlands besudelt wird durch unmenschliche Rechtlosigkeit und Gewalt. Das ist jeden Taler, jede Mark und jeden Euro wert. NIE WIEDER FASCHISMUS. DIE WIEDER KRIEG!

Markus Sternberg, Mittwoch, 22.November, 16:20 Uhr

32. Straftatbestände: Stalking und Nötigung

Wie kann das in einem Rechtsstaat passieren, dass die Familie eines Politikers von Linksradikalen gestalkt, beobachtet, genötigt wird?
Wo bleibt das Eingreifen der Behörden?

  • Antwort von Klaus Eberius, Mittwoch, 22.November, 18:35 Uhr

    Wieso? Da gab es sicher ein Genehmigung, denn jeder Nachbar darf anderer Meinung sein. Das ist nicht zu beanstanden

  • Antwort von Simon, Freitag, 24.November, 21:41 Uhr

    Wer ist hier radikal?

Claudia Herman, Mittwoch, 22.November, 14:43 Uhr

31. Schöne neue faschistoide "Zivilgesellschaft" in Aktion

Das ist unsere schöne neue faschistoide "Zivilgesellschaft" in Aktion. Genau diesen Stil hat man in Deutschland schon mal praktiziert, nur unter anderer Flagge: An den Pranger stellen, dämonisieren, denunzieren, herabsetzen, verächtlich machen, usw. Ich finde das nur ekelhaft! Sind weitere Aktionen "politischer Schönheit" z.B. zur Grabschändung des Spiegel Gründers Rudolf Augstein in Planung?

"Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität." Zitat Rudolf Augstein, Spiegel-Gründer, 1998

  • Antwort von whynot92, Mittwoch, 22.November, 15:59 Uhr

    gute Idee

Dresdener, Mittwoch, 22.November, 14:23 Uhr

30. Kommt mir bekannt vor

Gab es das nicht auch in Dunkeldeutschland?
Da wurde auch ohne Genehmigung auf einem Nachbargundstück munter "politische Zeichen" aufgestellt...
KREUZE!!!
Heutzutage!
Dass sowas überhaupt möglich ist!

Also Kreuze ohne abgewinkelte Enden versteht sich.
Aber es war ja auch neben einer Moscheebaustelle.
Da gab es einen medialen Aufruhr, komischerweise aber in die andere Richtung, seltsam.

  • Antwort von Berni, Mittwoch, 22.November, 17:06 Uhr

    Gab es das nicht auch in Dunkeldeutschland? Höcke-Typen ? Ja !