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Siemens Zehn Jahre Schmiergeldaffäre

Kaum ein Skandal hat die deutsche Wirtschaft so erschüttert wie die Korruptionsaffäre bei Siemens. Vor zehn Jahren starteten die Behörden mit groß angelegten Durchsuchungen bei dem Münchner Konzern. Er musste sich radikal neu aufstellen. Heute gilt Siemens als Vorbild für saubere Unternehmensführung.

Von: Stephan Lina

Stand: 15.11.2016

Siemensgebäude gekippt | Bild: picture-alliance/dpa

Als am 15. November 2006 die Fahnder bei Siemens anrückten, versuchte es der Konzern noch mit einer Salami-Taktik. Ja, es habe möglicherweise verdächtige Zahlungen gegeben, aber das sei das Werk von Einzelnen gewesen. Bald war jedoch klar: Gedeckt und geduldet von Topmanagern hatte der Konzern über Jahre eine Art Parallel-Buchhaltung aufgebaut. Im großen Stil per weltweit angelegtem System wurde bestochen, um an Aufträge zu kommen: Bei Telekomausrüstung in Griechenland ebenso wie bei Kraftwerksprojekten in Israel.

Fast gesamter Vorstand ausgetauscht

Auch Firmenlegende Heinrich von Pierer musste gehen.

Der damalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld holte - auch wegen des massiven Drucks der Behörden - Ermittler an Bord, die nach und nach das ganze Ausmaß aufdeckten. Am Ende wurde der Konzern mehr oder weniger neu aufgestellt: Nahezu der gesamte Vorstand wurde ausgetauscht. Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer musste ebenfalls gehen, auch wenn er bis heute seine Unschuld beteuert. Dutzende Manager verloren ihre Jobs.

2,5 Milliarden Euro kosteten Aufarbeitung, Strafen und Steuernachzahlungen. In der Folge wurden die Zahlungssysteme der Münchner umgestellt, interne Ermittler achten bis heute auf saubere Geschäfte. Auch deshalb gilt Siemens inzwischen als Vorbild.


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