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Wohnungsnot in Bayern Wohnen - können wir uns das noch leisten?

Die Miet- und Immobilienpreise steigen seit Jahren. In München suchen Menschen jahrelang erfolglos nach einer neuen Bleibe. Gutes Wohnen - können sich das in bayerischen Städten bald nur noch Reiche leisten? Und: Wie lässt sich hier gegensteuern?

Von: Niklas Nau und Anna Klühspieß

Stand: 21.02.2018

Verschiedenfarbige Wohnhäuser im Münchner Stadtteil Lehel | Bild: Matthias Balk, dpa

Der Kontostand von Manu Schedel schrumpft immer mehr, obwohl sie arbeitet. Die Alleinerziehende wohnt mit ihrem Sohn in München und zahlt für ihre Wohnung 1.400 Euro warm. Seit Jahren sucht sie nach einer günstigeren Wohnung. Überhaupt zu einer Besichtigung eingeladen zu werden, schon das ist für die alleinerziehende Mutter ein Erfolg.

"Ich habe in zwei Wochen 20 Bewerbungen weggeschickt und das ist jetzt die erste, bei der ich zum Besichtigungstermin eingeladen bin."

Manu Schedel, Mieterin in München

Mietpreise steigt rasant an

Die Mietpreise in Bayern steigen überall - aber nirgends so rasant wie in München: Kostete 2011 eine 30-Quadratmeter-Wohnung rund 460 Euro, sind es 2017 schon 730 Euro. In Nürnberg eine ähnliche Situation: 2011 noch 280 Euro, 2017 schon 410. In Augsburg stieg der Durchschnittspreis für 30 Quadratmeter von 240 Euro auf 400 Euro.

In den großen Städten drückt der Schuh an allen Stellen. Nicht nur auf dem freien Markt werden Wohnungen immer knapper. Auch Sozial- und geförderte Wohnungen sind Mangelware. Die Münchnerin Manu Schedel hätte ein Anrecht darauf:

"Klar, es gibt das München-Modell, wo ich reinfalle. Aber es gibt keine Wohnungen."

Manu Schedel, Mieterin in München

Zu wenig sozial geförderte Wohnungen in Bayern

In München suchten im Jahr 2017 17.400 Haushalte eine sozial geförderte Wohnung, das Sozialreferat hatte aber nur maximal 3.500 Wohnungen zu vergeben. In Nürnberg waren es 8.500 Haushalte, letztes Jahr konnten aber nur 1.100 vermittelt werden. In Augsburg gab es 2017 knapp 2.150 Haushalte mit Berechtigungsschein, aber nur knapp 375 Wohnungen wurden vermittelt.

In München versucht man mit einem Milliarden-Bauprogramm dagegenzuhalten. Ein Kampf gegen Windmühlen für Oberbürgermeister Dieter Reiter.

"Wir haben dieses Jahr 13.000 Baugenehmigungen für Wohnungen erlassen. Das ist die höchste Zahl, die es jemals gab in dieser Stadt. Wir haben mehrere tausend mehr Wohnungen gebaut und auch genehmigt als es jemals davor der Fall war, das heißt, wir sind in den letzten Jahren schon etwas dynamischer geworden. Allerdings ist auch die Zahl derer, um die wir wachsen immer noch größer geworden."

Dieter Reiter, Oberbürgermeister München

Sozialer Unfrieden durch Wohnungsnot?

Schon jetzt treibt die Knappheit die Preise in schwindelerregende Höhen. Auf dem alten Paulaner-Gelände im Münchner Zentrum wird gebaut. Für eine 3-Zimmer-Wohnung zahlt man hier schon mal eine Million Euro. Doch die Nachfrage ist überwältigend. Immobilien sind Betongold - mit glänzenden Zukunftsaussichten. Gleichzeitig steigt die Wut. In München werden seit Jahren immer wieder Autos einiger Immobilien- und Baufirmen von Unbekannten angezündet. Ein Zusammenhang mit den Mietpreisen? Möglich. Sind gierige Investoren und Vermieter tatsächlich die Hauptschuldigen?

"Also der Hauptvorwurf kann auf keinen Fall an die Eigentümer gehen, muss man ganz ehrlich sagen. Das ist eine persönliche Standpunktfrage, wie man mit seinem Eigentum umgeht, solange man sich an die gesetzlichen Rahmenbedingungen hält - also müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen anders werden."

Dieter Reiter, Oberbürgermeister München

Lösung der Wohnungsnot durch Bodenreform?

Christian Stupka von der Initiative Bodenreform fordert ein neues Bodenrecht, etwa mit höheren Steuern auf Spekulationsgewinne aus Grundstücksgeschäften oder ein Vorkaufsrecht der Stadt zu vergünstigten Preisen.

"Das Wohnen ist ein Grundrecht und der Grund und Boden darf eigentlich nicht den freien Marktkräften ausgesetzt sein. Wir haben in München in den letzten sieben Jahren eine Verdreifachung der Bodenpreise für den Geschosswohnungsbau und da fliegt uns die Gesellschaft auf Dauer auseinander - und das heißt, dass man den Boden nicht einfach dem Markt überlassen darf."

Christian Stupka, Initiative Bodenreform

Doch das allein ist kurzfristig keine Lösung. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter warnt vor Schnellschüssen.

"Wenn wir jetzt den Bodenpreis begrenzen, und darauf baut ein Investor dann ganz normal seine Wohnungen, wer hält den davon ab, die gleichen Preise zu verlangen wie vorher?"

Dieter Reiter, Oberbürgermeister München

Was macht die Bundesregierung gegen die Wohnungsnot?

Die Mietgesetzgebung ist Sache der Bundesregierung. Im Koalitionsvertrag hat sie immerhin gerade ein Vier-Milliarden-Paket zur Verbesserung der Wohnungsnot angekündigt. Dieter Reiter begrüßt das Paket, kritisiert aber, dass die vier Milliarden Euro zu wenig sind.

Gutes Wohnen - mancherorts können sich das schon heute nur noch Reiche leisten. Wird nicht gegengesteuert, kann das die Gesellschaft spalten.


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Hiob, Mittwoch, 21.Februar, 12:27 Uhr

26. Eine Botschaft vom Hiob

Der Eigentümerverband Haus & Grund warnt vor erheblichen Belastungen für Hausbesitzer und Mieter (Vermieter können die Grundsteuer auf ihre Mieter umlegen.) durch die geplante Grundsteuerreform und fordert die Bundesregierung auf, die Reform zu stoppen. Wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtet, hat der Verband für 500 Immobilien in verschiedenen Städten die Grundsteuer nach der neuen Formel berechnet und eine Erhöhung um durchschnittlich das 30-Fache ermittelt. In Einzelfällen müssten Eigentümer sogar eine Erhöhung um das 50-Fache des jetzigen Betrags hinnehmen. Besonders in Städten würde nach der "Reform" die Grundsteuer zum Teil drastisch steigen - die Folgen dürften dramatisch sein: Wie sollen Rentner und Pensionäre angesichts sinkender Renten, der Niedrigzinsphase, die Erspartes nichts mehr abwerfen lässt, eine Grundsteuer von 24.000 Euro pro Jahr bezahlen – sollten Hebesatz und Steuermesszahl gleich bleiben?

Testerin , Mittwoch, 21.Februar, 12:05 Uhr

25. Deutsche Wohnungssuchende zahlen Steuern. Mit diesen Steuern werden

Deutsche Wohnungssuchende zahlen Steuern. Mit diesen Steuern werden Sozialwohnungen gefördert. Diese Sozialwohnungen bekommen dann bevorzugt wohnungslose Asylsuchende mit Familien.

Darf man das so direkt schreiben oder wird das sofort gelöscht?

  • Antwort von Kats, Mittwoch, 21.Februar, 12:18 Uhr

    Testerin, den Unsinn dürfen Sie schreiben.
    Belegen können sie ihn nur nicht.

  • Antwort von Reinhard T., Mittwoch, 21.Februar, 12:32 Uhr

    @Kats
    Stimmt, diese Testerin hat nicht Recht. Den sozialen Wohnungsbau für Flüchtlinge bezahlt Frau Merkel aus der Portokasse.

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 21.Februar, 12:34 Uhr

    ich bin sogar froh, wenn so ein Unsinn veröffentlicht wird, damit neutrale Leser mitbekommen, was in manchen Köpfen rumgeistert!

  • Antwort von Rainer, Mittwoch, 21.Februar, 12:43 Uhr

    Deutsche Angehörige einer gewissen verfassungsrechtlich bedenklichen Partei verfassen massenhaft in öffentlichen Medien und sozialen Netzwerken Kommentare, in denen sie Schutzsuchende aus dem Ausland mit Missständen im Inland in Zusammenhang bringen. In der Tat bestehen viele dieser Missstände schon seit längerer Zeit, sind also nicht wirklich den Schutzsuchenden anzulasten. Das Verfassen solcher Kommentare wird sogenannten Trollen zugeschrieben. Wie ich im BR Rundfunk vernommen habe, betreibt die AfD eine regelrechte Troll-Factory zur Manipulation der öffentlichen Meinung.

    Darf man das so direkt schreiben oder wird das sofort gelöscht?

Rosl, Mittwoch, 21.Februar, 11:53 Uhr

24. Darf man als Hausbesitzer dann auch einen Ausgleich vom Staat fordern, ...

... wenn die Immobilienpreise wieder sinken, was sie alle zehn Jahre tun?
Die Sozen verzapfen wie üblich anhaltenden Schwachsinn und versuchen aus denen die letzten Pfennige herauszupressen, die trotz ihrer Politik noch nicht verarmt sind.
Nennt sich Linkspopulismus.

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 21.Februar, 12:17 Uhr

    Schorsch, eines Tages werden Sie noch völlig verarmen vor lauter Linken in Ihrer Umgebung!

Sabine , Mittwoch, 21.Februar, 11:23 Uhr

23. Höhere Mieten = Höhere Steuereinnahmen für den Fiskus, 2 Jobs nötig

Wollen die Politiker überhaupt niedrigere Mieten? Ich glaube nicht. Höhere Mieten bedeuten höhere Steuereinnahmen für den Fiskus. Der Vermieter zahlt höhere Steuern. Die Mieter müssen wegen der hohen Miete mehr arbeiten, notfalls 2 oder 3 Jobs haben, das führt zu höheren Lohnsteuern und höheren Sozialabgaben. So können die Politiker immer mehr Geld ausgeben.

  • Antwort von Kluge sie , Mittwoch, 21.Februar, 12:41 Uhr

    Während in deutschen Großstädten die Mieten explodieren, Mietpreisbremsen zur Deckelung von Mieterhöhungen oft nicht greifen und die die Obdachlosigkeit von Höchststand zu Höchststand eilt, kommt nun neues Unbill in Form des Bundesverfassungsgerichts daher, welches aktuell eine Reform der Grundsteuer prüft. Der Ausgang des Prozesses könnte nahezu jeden in Deutschland betreffen: Immobilienbesitzer zahlen selbst, Vermieter können die Steuer auf ihre Mieter umlegen. Und das wird, wie jede Reform in Deutschland, teuer werden. Sehr teuer. Das könnten den Traum vom Eigenheim für so manchen Eigentümer zum Albtraum werden lassen. In Einzelfällen müssten Eigentümer sogar eine Erhöhung um das 50-Fache des jetzigen Betrags hinnehmen – sollten Hebesatz und Steuermesszahl gleich bleiben!

  • Antwort von Kluge sie , Mittwoch, 21.Februar, 12:44 Uhr

    Immer wenn Politiker von "Reform" oder Steuergerechtigkeit reden, droht Ungemach. Nun berät das Bundesverfassungsgericht über eine Reform der Grundsteuer. Klartext: 50-Fache Erhöhung.
    Während in deutschen Großstädten die Mieten explodieren, Mietpreisbremsen zur Deckelung von Mieterhöhungen oft nicht greifen und die die Obdachlosigkeit von Höchststand zu Höchststand eilt, kommt nun neues Unbill in Form des Bundesverfassungsgerichts daher, welches aktuell eine Reform der Grundsteuer prüft.
    Der Ausgang des Prozesses könnte nahezu jeden in Deutschland betreffen: Immobilienbesitzer zahlen selbst, Vermieter können die Steuer auf ihre Mieter umlegen.
    Und das wird, wie jede Reform in Deutschand, teuer werden. Sehr teuer. Das könnten den Traum vom Eigenheim für so manchen Eigentümer zum Albtraum werden lassen.
    Der Eigentümerverband Haus & Grund warnt vor erheblichen Belastungen für Hausbesitzer und Mieter durch die geplante Grundsteuerreform und fordert die Bundesregierung auf, die Refo

Katrin , Mittwoch, 21.Februar, 11:18 Uhr

22. Sozialer Unfrieden durch Wohnungsnot? Genau, ich bin wütend.

Genau aus diesem Grund wähle ich die rechtspopulistische AfD, weil wenn die Stadt ständig neue Flüchtlinge angeliefert bekommt, dann muß die Stadt immer zuerst diese Wohnungslosen in den preiswerten städtischen Altbauwohnungen unterbringen. Ich muß dann auf dem freien Wohnungsmarkt eine überteuerte Wohnung über Makler suchen und immer Angst vor einer Eigenbedarf-Kündigung haben. Da hat mir ein Vermieter gesagt, "mich interessieren die Mietgesetze nicht, ich bin der Eigentümer". Deswegen werde ich weiterhin die AfD wählen und mit Wahlspenden unterstützen und AfD-Flugblätter verteilen. Ich habe Wut auf diese sogenannten Volksparteien, die ich früher gewählt habe.

  • Antwort von Grüne , Mittwoch, 21.Februar, 11:46 Uhr

    Deswegen ist Familiennachzug so wichtig, weil mit kleinen Kindern kann man sich bei der Stadt und beim Wohnungsamt besser durchsetzen und früher eine große geförderte Wohnung erhalten. Kleine Kinder lassen niemanden kalt, jeder will helfen.

  • Antwort von Peter, Mittwoch, 21.Februar, 12:02 Uhr

    Bevor ich Wahlspenden an diese Partei mache, würde ich lieber eine überteuerte Wohnung mieten. Oder ist Ihnen gar nicht bekannt, daß vor 2015 auch schon
    Wohnungen fehlten ?

  • Antwort von Norbert , Mittwoch, 21.Februar, 12:19 Uhr

    Diese unbegrenzte Einwanderung wird den schon seit Jahren angespannten Wohnungsmarkt kannibalisieren. Ohne staatliche Hilfe werden viele Flüchtlinge verzweifelt von der schweren Wohnungssuche und den hohen Mieten Deutschland freiwillig verlassen. Mit einem befristeten unqualifizierten Job läßt sich in Deutschland keine für eine Gamilie angemessene Wohnung bezahlen.

  • Antwort von Kats, Mittwoch, 21.Februar, 12:21 Uhr

    Peter, die Wohnungsnot gibt es nur wegen der Flüchtlinge !
    So einfach kann manche " Denke" sein.
    Hätten wir die Flüchtlinge nicht, müsste man sie erfinden.

  • Antwort von Erich, Mittwoch, 21.Februar, 12:38 Uhr

    Kats nicht nur, das stimmt. Allerdings verschärft es die Lage massiv! 2 Mio Gäste können Sie ja mal in Wohnungen umrechnen.