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Details über abgehörtes Telefonat Wieso Audi-Chef Stadler festgenommen wurde

Über zwei Wochen nach der Festnahme von Audi-Chef Stadler sind Details zu den Vorwürfen gegen ihn öffentlich geworden. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, belastet ihn ein abgehörtes Telefonat, dessen Inhalt bisher nicht bekannt war.

Von: Karin Lampart

Stand: 07.07.2018

ARCHIV - 15.03.2018, Bayern, Ingolstadt. Rupert Stadler, jetzt beurlaubter Vorstandsvorsitzender des Fahrzeugherstellers Audi AG, nimmt an der Bilanz-Pressekonferenz teil. (zu dpa «Unternehmen und ungeliebte Chefs mögen die sanfte Trennung» vom 20.06.2018) Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Armin Weigel

In der Abgasaffäre sitzt Audi-Chef Stadler seit dem 18. Juni in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl war verhängt worden, weil die Ermittler Verdunkelungsgefahr sahen. Die "Süddeutsche Zeitung" hat exklusiv Einblick in Ermittlungsakten, aus denen die bislang nicht bekannten Inhalte jenes Telefonats vom 8. Juni hervorgehen, das Stadlers Festnahme verursachte.

Suche nach dem Informanten

Konkret hatte er laut "SZ" im Gespräch mit einem Manager-Kollegen von Porsche in Stuttgart überlegt, wie er einen möglichen Informanten aus dem eigenen Unternehmen maßregeln könne. Dieser - so vermutete der Audi-Chef - habe den Ermittlungsbehörden vor einer Razzia bei Porsche wichtige Informationen für diese Durchsuchung gegeben. Denn er, Stadler, habe von VW-Aufsichtsratschef Pötsch die Information bekommen, dass die Stuttgarter Staatsanwaltschaft bei der Porsche-Razzia im April ziemlich zielgerichtet vorgegangen sei.

Audi-Chef bot Hilfe an

Also lag der Verdacht nahe, dass jemand aus dem Konzern behilflich gewesen sei. Der Audi-Chef habe dann angeboten, wenn er helfen könne, solle man ihm dies sagen. Er habe überlegt, gegen den - im übrigen noch nicht identifizierten - Kronzeugen vorzugehen und dabei nicht zu zögern.

Verdunkelungsgefahr

Im Haftbefehl soll davon die Rede sein, dass die Versetzung oder Beurlaubung eines wichtigen Zeugen Signalwirkung gehabt hätte - und dass es unzweifelhaft der Plan gewesen sei, den Behörden die Aufklärung der Abgasaffäre zu erschweren - was von Juristen Verdunkelung genannt wird.

Mit richterlicher Erlaubnis abgehört

Nach Angaben der "SZ" ist Stadler, der im Gefängnis Augsburg-Gablingen einsitzt, inzwischen mehrmals vernommen worden. Sein Telefongespräch war übrigens mit richterlicher Erlaubnis abgehört worden, und zwar im Rahmen des Ermittlungsverfahrens wegen Betrugsverdachts, das die Staatsanwaltschaft München Ende Mai gegen Stadler eingeleitet hatte.


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