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Weltstadt mit Schmerz Wie stark leiden die Münchner unter Stickoxiden?

Nirgendwo anders in Deutschland ist die Belastung durch Stickoxide inzwischen so groß wie in München. Doch offizielle Messungen scheinen dem wahren Gefahrenpotenzial der Luftschadstoffe kaum gerecht zu werden.

Von: Johannes Thürmer, Martina Schuster

Stand: 19.04.2018

In Sachen Schadstoffwerte hat die Münchner Landshuter Allee inzwischen traurige Berühmtheit erlangt. An kaum einem anderen Ort in Deutschland sind die Schadstoffwerte vergleichbar hoch.

NO2-Belastung hat Einfluss auf schwere Krankheiten

Regelmäßige Messungen finden in einer Höhe von vier Metern statt, so die Aussage des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Ein Team von Studenten des Instituts für Meteorologie der Uni München wollte wissen, wie sich Stickoxid-Werte abhängig von der Messhöhe verändern. Welche NO2-Konzentrationen atmen Erwachsene auf etwa 1,50 Meter ein - oder Kinder auf 90 Zentimetern?

Das Ergebnis der Messungen berücksichtigte die variable Verkehrslage, konnte die Eindrücke von Anwohnern und Passanten allerdings bestätigen: je tiefer der Messpunkt, desto höher die Werte des Stickstoffdioxids, kurz NO2. Gerade dieses ist eine Gefahr für die Menschen, heißt es beim Helmholtz-Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt:

"NO2 hat einen Einfluss auf die Atemwegserkrankungen und kann auch zu einer Erhöhung der Anzahl der Sterbefälle führen, speziell im Herz-Kreislauf-Bereich. Zudem hat es einen Einfluss auf die Diabetes-Entstehung und zum Beispiel auch auf die Entstehung von Schlaganfällen."

Alexandra Schneider, Helmholtz-Zentrum München

Offizielle Schadstoff-Messungen lassen besonders Kinder unberücksichtigt

Wird auf einer Höhe von vier Metern gemessen, genügt das zwar den derzeit geltenden gesetzlichen Vorgaben. Allerdings sind dann die Schadstoff-Konzentrationen geringer als die, denen weiter unten Erwachsene oder Kinder ausgesetzt sind. Dabei sind Kinder laut Forscherstudien besonders betroffen.

"Die Kinder werden generell in den Studien als besonders empfindlich für Luftschadstoffe eingestuft, weil sich ja zum Beispiel deren Lungen noch im Wachstum befinden, weil sie ein ganz anderes Atemminutenvolumen haben. Und weil sie ja auch durch ihre Größe bedingt noch viel näher an der Quelle sind, wenn sie jetzt die Auspuffgase sich anschauen."

Alexandra Schneider, Helmholtz-Zentrum München

Gemessen hat das Team der Uni München an mehreren Standorten in der Landeshauptstadt, so auch am Stiglmaierplatz und in der Leopoldstraße. Auf die endgültigen Ergebnisse des Projekts darf man gespannt sein. Eines allerdings ist schon jetzt klar: Was die Menschen auf der Straße wirklich einatmen, kann deutlich höher liegen als die Werte, die aus den offiziellen Schadstoff-Messungen hervorgehen.


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