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Modellversuch vor dem Aus Wie läuft der Islamunterricht in Bayern?

Knapp 15 Prozent der muslimischen Kinder in Bayern bekommen derzeit Islamunterricht an Schulen. Noch. Denn die Zukunft des Islamunterrichts ist ungewiss seit der neue Kultusminister Bernd Sibler (CSU) im Amt ist. Und das, obwohl Experten sagen: Der Modellversuch ist ein Erfolgsprojekt.

Von: Irene Esmann

Stand: 20.04.2018

Junge im islamischen Religionsunterricht  | Bild: picture-alliance/dpa/Oliver Berg

Sie reiten auf Kamelen in der  Wüste - irgendwo in der Nähe von Medina. Die Tiere schaukeln ein bisschen hin und her. Es ist heiß. Das sollen sich die Kinder in dieser Stunde im Islamunterricht vorstellen. Sie gehen in die zweite Klasse und ihr Lehrer Ahmet Tutam hat eine Geschichte vorbereitet. Die Geschichte vom weinenden Kamel, dem der Prophet Mohammed schließlich hilft.

"Kinder, ihr wisst Prophet Mohammed darf man nicht zeichnen - deshalb habe ich Mohammed als Playmobilfigur hier und das Gesicht mit Farbe bedeckt."

Ahmet Tutam, Islam-Lehrer

Mit Spielzeug stellt Ahmet Tutam gemeinsam mit den Kindern die Geschichte nach. So wie im christlichen Religionsunterricht biblische Geschichten erzählt werden. Seit neun Jahren unterrichtet der gebürtige Türke islamische Religion an bayerischen Schulen. Ausgebildet wurde er unter anderem an der Universität in Erlangen. Die Ankündigung des neuen Kultusministers Bernd Sibler diesen Unterricht erst einmal doch nicht auszuweiten ist für Ahmet Tutam nicht nachvollziehbar.

"In der Moschee lernen Kinder nur den Koran zu lesen, die Buchstaben. Aber man versteht dann Islam so nicht richtig. Hier unterrichten wir auch die Bedeutung."

Ahmet Tutam

Unterricht auf Deutsch

Und genau das sei das Entscheidende, um vorzubeugen, gegen Radikalisierung von Jugendlichen - und, um zu integrieren. Unterrichtet wird auf deutsch - streng nach bayerischem Lehrplan. Die Lehrkräfte werden an deutschen Universitäten ausgebildet, wie evangelische oder katholische Religionslehrer auch. Bislang hat Bayern den Islamunterricht immer nur als Modellversuch gelten lassen. Und er wurde mehrfach verlängert. Das heißt: Nur ein Bruchteil der muslimischen Kinder und Jugendlichen im Freistaat konnte bisher teilnehmen - etwa zehn bis 15 Prozent.

Deshalb fordert der bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband schon lang eine Ausweitung genauso wie SPD und Grüne im Landtag - und auch die Kirchen. Bislang vergeblich. Die Theologin und Religionspädagogin Elisabeth Naurath von der Universität Augsburg ist überzeugt: Islamunterricht ist schon jetzt  eine Chance.

"Es ist eine Frage der Gleichstellung, dass jedes Kind ein Recht auf religiöse Bildung hat – auch muslimische Kinder  und Jugendliche und sie haben Lebensfragen im Blick auf ihren Glauben und sie brauchen adäquate Gesprächspartner, ausgebildete Religionslehrer, die auf einem guten wissenschaftlichen Niveau mit ihnen ins Gespräch kommen können und mit ihnen nach Antworten suchen können, mit aller Freiheit so wie unsere Schulen das gewährleisten."

Elisabeth Naurath, Religionspädagogin

Staatsregierung präferiert "verstärkten" Ethikunterricht

Doch der neue bayerische Kultusminister Bernd Sibler will jetzt, anders als sein Vorgänger, nach fast zehn Jahren den Islamunterricht evaluieren und gleichzeitig prüfen lassen, ob ein "verstärkter" Ethikunterricht nicht dasselbe leisten kann.

"Natürlich möchten wir nicht, dass in Hinterhofmoscheen ein schiefes Bild entwickelt wird. Aber wir möchten uns das erst einmal auf Basis der jetzt bestehenden Schulen anschauen."

Bernd Sibler, bayerischer Kultusminister

Für Ahmed Tutam, seine Kollegen und die muslimischen Familien ist mit der Kehrtwende in der CSU alles offen. Momentan wissen sie nur, dass der Modellversuch zum Islamunterricht Ende des kommenden Schuljahres ausläuft. Ahmed Tutam wäre dann erst einmal ohne Job.

"Diese Unklarheit bringt uns durcheinander. Wir fühlen uns wie in der Bushaltestelle. Kommt der Bus oder nicht? Oder hat er Verspätung?"

Ahmet Tutam


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Spötter, Freitag, 20.April, 16:26 Uhr

25. Solange es keine Burka als Dirndl

gibt, mit Ausschnitt, wie sich das heutzutage so gehört, gehört der Islam nicht zu Bayern. Wir brauchen Muslime, die Bier trinken und jodeln.

  • Antwort von Truderinger, Freitag, 20.April, 17:23 Uhr

    Haben Sie sich schon mal gefragt, ob die faschingsähnlichen Fantasie-Trachten auf dem Oktoberfest zu Bayern gehören? Und wie oft dort gejodelt wird. Aber gut, Porno-Dirndl, 6 Mass und dann alles wieder auskotzen, Hey Baby von DJ Ötzi und Atemlos von Helene Fischer - das ist deutsche Leitkultur!

  • Antwort von Traditionen u.der ganze Humbug d.dar.gemacht wird, Freitag, 20.April, 18:23 Uhr

    @ Spötter
    Von Dirndln haben Sie nicht viel Ahnung.
    Das was heute alles unter Dirndl angeboten wird hat mit der Tracht kaum noch
    etwas zu tun.
    Es gibt viele hochgeschlossene Dirndl - Arbeitsdirndl - bei denen nichts zu sehen ist.
    Auch sind die meisten Dirndl lang.
    Die Dirndl die Sie heute sehen gehören auch nicht zu Bayern, reine Maskerade.

  • Antwort von Wolf, Freitag, 20.April, 18:41 Uhr

    Wir haben genug Einheimische die sich solcherart zum Deppen machen.

  • Antwort von forist, Freitag, 20.April, 20:37 Uhr

    Fantasie -Trachten vom Discounter;in Asia "zusammengetackert";nach dem Auttum-Event der ideale Feudellappen :-)))

  • Antwort von Österreicher, Samstag, 21.April, 07:07 Uhr

    @Truderinger Richtig. Besonders dann, wenn 80% auf dem Oktoberfest eh Ausländer sind!

Helmut, Freitag, 20.April, 16:19 Uhr

24. Religionsunterricht

Man schimpft gerne über den Islam und wie agressiv er von einigen Gruppen vertreten wird.
Aber indem man den staatlich kontrollierten Unterricht dazu in den Schulen wieder abschafft, überlässt man die Kinder diesen Scharfmachern ?
Wo liegt da der Sinn ?
Oder wird das Bild vom ach so agressiven Islam dringend im Wahlkampf benötigt ?

  • Antwort von Erich, Freitag, 20.April, 16:23 Uhr

    schauen Sie doch in Länder, wo der Islam tätig ist.
    Wer da nix erkennt, sollte zum Onkel Doktor.

Dieter, Freitag, 20.April, 15:05 Uhr

23. Ja, es bleibt ein Trauerspiel.

. In einer säkularen Gesellschaft sol alle religiösen Gemeinschaften sich selbst um ihre Angelegenheiten kümmern. Weniger Unterstützung für Religiöse, nicht mehr für alle. Das würde den protestantischen und katholischen Kirchen das Einkommen kappen, allerdings könnten sich die muslimischen “Kirchen”, die noch nicht einmal im Ansatz zu erkennen sind, nicht auf die Gleichbehandlung berufen. Aber: die Politik wird davon salbadern, Studium und Unterricht zu kontrollieren, damit die Kinder nicht den Radikalen zum Opfer fallen. Daher ist die Richtung deutlich. Alle Staatsreligionen werden weiter mit Geld zugeschüttet und die Neuen bekommen nach und nach die gleichen Leistungen. Studium und Unterricht bleiben in behördlicher Hand. Lässt sich auch nach diesem Prinzip leichter regieren: Du hältst sie Dumm und ich Arm. Sie die Politiker in Deutschland wollen nicht begreifen, was der Islam ist. Wie sagen Muslime immer: ihr wisst nichts über uns. Richtig. Aber ehemalige Muslime wissen das.
M.f.G

Nadine, Freitag, 20.April, 14:43 Uhr

22. Ethikunterricht?

Besser gesagt: Sex-Unterricht. Mit Kondom oder ohne? Ganz ehrlich, mich nervte der Ethikunterricht nur noch und bin deshalb in den evangelisch-Unterricht gewechselt. Dies war dann deutlich besser. Und ob Jude, Moselm oder Christ (Katholik, Protestant, Zeugen Jehovas ... ) man kann ebenso von anderen Religionen etwas lernen. Ein allgemeines Religion-Fach, in dem alle Religionen behandelt werden, würde ich dabei die beste Lösung finden. Seltsam nur, dass dies die CSU nicht will, ist sie doch selbst nicht christlich.

Kritikwürdig , Freitag, 20.April, 14:36 Uhr

21. Glaubensunterricht je Glaubensrichtung gehört nicht zur Schulausbildung!

Ein Konfessionsunterricht je Glaubensrichtung hat an Schulen überhaupt nix verloren!
Je Schulwoche sollten mindest 4 Unterrichtstunden das Thema Toleranz, soziale Kompetenz und alle die verschieden Lebensentwürfe inkl. Familiärer u. sexueller Austichtung gelehrt u. besprochen werden.
Innerhalb eines solchen Unterrichts gehört auch die Wissensvermitlung zum Thema Glauben, in all seinen Ausprägungen u. Formen, auch die friedlichen u. gewalttätigen Dimensionen des GLAUBENS

  • Antwort von Barbara, Freitag, 20.April, 14:42 Uhr

    Einen "Glaubens-Unterricht" gibt es an keiner staatlichen Schule. Was meinen Sie damit? Es gibt allenfalls Religions-Unterricht. Des weiteren gibt es Unterricht über Welt-Anschauungen, wozu auch die Ethik zählt! Also bitte immer Klartext reden!

  • Antwort von Vicky, Freitag, 20.April, 15:03 Uhr

    "Ein Konfessionsunterricht je Glaubensrichtung hat an Schulen überhaupt nix verloren!"
    Warum?

  • Antwort von Kats, Freitag, 20.April, 15:44 Uhr

    @ Kritikwürdig
    100% Zustimmung %

  • Antwort von Woody, Freitag, 20.April, 17:35 Uhr

    "Toleranz, soziale Kompetenz und alle die verschieden Lebensentwürfe inkl. Familiärer u. sexueller Austichtung" - vor allem Respekt sollte geschult werden.
    Also ich habe all diese Dinge von meinen Eltern gelehrt bekommen, das war Teil der Erziehung! Aber heutzutage verlangt man das von Lehrern...
    Ich hatte eine Schulstunde Religionsunterricht pro Woche - streng getrennt katholisch und evangelisch, da könnte ich heute drauf verzichten...

  • Antwort von Kats, Freitag, 20.April, 19:22 Uhr

    @ Woody
    Das Eine schließt doch das Andere nicht aus.
    Eltern haben oft nicht den Überblick, was in der Schule läuft.
    Die Gespräche mit den Lehrern sind hilfreich, aber oft nicht ausreichend.