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Gesundheitsstudie Wie gefährlich sind E-Zigaretten?

Es dampft in Deutschland: Die E-Zigarette macht seit Jahren wechselnde Schlagzeilen - Mal bedrohlich, mal entwarnend. Eine aktuelle Studie spricht jetzt von einer potenziellen Krebsgefahr. Was ist die E-Zigarette nun: harmlose Lifestyle-Erscheinung oder Gesundheitsrisiko?

Von: Veronika Keller

Stand: 25.02.2018

Als Julian Tölle Vater wurde, beschloss er mit dem Rauchen aufzuhören, seiner Tochter Amelia zuliebe. Bis zu zwei Schachteln am Tag waren es bis dahin bei ihm gewesen - zehn Jahre lang. Ganz sein lassen wollte er es aber nicht, also stieg er um auf die E-Zigarette, bei der ein sogenanntes Liquid, das Nikotin und Aromen enthält, erhitzt und verdampft wird. Er fühlt sich damit besser.

"Ich bekomme mehr Luft. Ich merke das auch beim Sport, dass ich mehr Kondition habe. Und ich schlafe besser, stehe besser auf demnach."

Julian Tölle, seit zwei Jahren 'Dampfer'

E-Zigarette: Krebserregend oder nicht?

Eine E-Zigarette besteht aus einem Akku, einem Verdampfer, einem Tank für die nikotinhaltige Flüssigkeit und einem Mundstück. Statt Tabak zu verbrennen, wird verdampftes Nikotin inhaliert. Aber wie sieht es mit den gesundheitlichen Folgen aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

"Tabakrauch besteht aus tausenden von Substanzen, von denen mindestens 250 als toxisch gelten, mindestens 90 als krebserzeugend. Diese Stoffe entstehen überwiegend erst beim Verbrennen der Zigarette. Und diese Verbrennungsprozesse finden bei der E-Zigarette, wo eben einfach nur eine nikotinhaltige Flüssigkeit erhitzt wird, einfach nicht statt."

Ute Mons, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

Trotzdem warnt jetzt eine New Yorker Studie mit Mäusen und Zellen vor einer möglichen Krebsgefahr der E-Zigarette. Ute Mons bezweifelt, ob diese Versuche aussagekräftig und auf Menschen übertragbar sind.

"Es ist schon lange in der Diskussion und gibt auch einige Studien dazu, ob Nikotin möglicherweise ein eigenständiges krebserzeugendes Potenzial haben kann oder nicht. Bislang ist aber eigentlich die Studienlage so, dass es eher so scheint, als sei Nikotin selbst nicht krebserzeugend."

Ute Mons, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

E-Zigarette: Hilfe beim Ausstieg oder Einstiegsdroge?

Im Vergleich zum konventionellen Rauchen beschreiben Experten die Gefahr als deutlich geringer. Könnte die E-Zigarette ein Hilfsmittel für Raucher sein, um von den Zigaretten wegzukommen? Der Psychiater Dr. Tobias Rüther unterstützt Menschen, die das Rauchen aufgeben wollen, und sagt: Mit der E-Zigarette kann das leichter fallen. Denn die Abhängigkeit der Raucher ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch.

"Die psychische Abhängigkeit ist, dass sie sich gewöhnt haben, immer die Zigarette in den Mund zu stecken, bestimmte Pausen damit zu füllen, bestimmte Situationen damit einfach zu belegen. Und das auf einmal alles aufzuhören ist sehr schwer. Und so könnte die E-Zigarette ein Vehikel sein, dass man schon mal in den Pausen noch mal was benutzt, was inhaliert, und es ist nicht mehr ganz so gefährlich und das Nikotin wirkt nicht mehr ganz so schnell."

Dr. med. Tobias Rüther, Tabakambulanz der Uniklinik München

E-Zigaretten gibt es in diversen Designs und die Liquids bekommt man in allen denkbaren Geschmacksrichtungen von Karamell bis Maracuja. Ist das Dampfen bei so viel Lifestyle-Qualität ein möglicher Einstieg in die Nikotinsucht? Dr. Rüther spricht sich für strengen Jugendschutz aus und findet es richtig, dass die Geräte nicht an Unter-18-Jährige verkauft werden dürfen.

"Ich möchte nicht, dass auf Schulhöfen angefangen wird zu inhalieren, dass das normal ist, wenn ich Stress habe oder eine Pause habe, dann inhaliere ich irgendeinen Dampf, weil das sicher schlecht ist und zum Rauchen führen kann. In dem Fall wäre es eine Einstiegsdroge. Bei Erwachsenen sehe ich das eigentlich selten. Und auch die Daten geben das überhaupt nicht her, dass Erwachsene plötzlich anfangen, E-Zigaretten zu konsumieren, die vorher nicht Raucher waren."

Dr. med. Tobias Rüther, Tabakambulanz der Uniklinik München

E-Zigaretten: Wie viel weniger schädlich?

Wer sich informieren will, ob das "Dampfen" schädlich oder unbedenklich ist, stößt im Internet häufig auf eine Zahl: Um 95 Prozent weniger schädlich sei die E-Zigarette im Vergleich zum Rauchen. Bei dieser Zahl handelt es sich um die Schätzung einer britischen Expertengruppe, die diverse Studien zum Thema ausgewertet hat. Die Experten unterstreichen aber selbst, dass es sich lediglich um eine Schätzung handelt und nicht um einen zuverlässigen Wert - denn Langzeitstudien gibt es noch nicht.

E-Zigaretten: Sind Aromastoffe mögliche Risiken?

Ute Mons vom Krebsforschungszentrum sieht an einer Stelle noch besonders viel Forschungsbedarf: Die Liquids, welche die "Dampfer" inhalieren, haben außer Nikotin noch weitere Inhaltsstoffe, zum Beispiel Aromen.

"Das sind tausende von Aromen, die momentan verkauft werden, und die sind großteils als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Da wissen wir aber zum Teil noch nicht, was passiert, wenn man die erhitzt oder überhitzt, ob da nicht auch möglicherweise Schadstoffe entstehen können."

Ute Mons, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg

Tabakverdampfer: Noch keine gesicherten Daten

Ein neueres Produkt als die E-Zigarette, das als weniger schädliche Alternative zum konventionellen Rauchen beworben wird, ist der sogenannte Tabakverdampfer. Ein solcher wird derzeit im großen Stil auf Plakaten beworben. Doch unabhängige Studien gibt es zu den gesundheitlichen Auswirkungen dieser Art des Tabakkonsums noch nicht.

"Die Tabakverdampfer stehen ungefähr von der Gefährlichkeit her zwischen der konventionellen und der E-Zigarette. Wobei wir wirklich noch keine seriösen Daten haben. Die gesamte Datenlage über diese Tabakerhitzer ist von der Herstellerfirma, nämlich Philipp Morris. Gut gemacht oder nicht so gut gemacht, das wissen wir noch nicht, das müssen wir erst einmal nachprüfen."

Dr. med. Tobias Rüther, Tabakambulanz der Uniklinik München


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