31

Karl Graf Stauffenberg Widerstand als Familienerbe

Sein Name ist für ihn kein Privileg, sondern eine Verpflichtung. Karl Graf Stauffenberg ist der Enkel des berühmten Hitler-Attentäters. Auch er leistet mit seinen Mitteln Widerstand: gegen jede Art von Extremismus.

Von: Birgit Rätsch

Stand: 21.02.2018

Karl Graf Stauffenberg | Bild: BR

Widerstand früher: Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler

Mit seiner Tat vom 20. Juli 1944 wurde Offizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg zur Symbolfigur des deutschen Widerstands. Er versuchte mit einer Handvoll Offiziere, Hitler zu töten. Geplant war ein Sprengstoffanschlag während einer Besprechung in Hitlers Hauptquartier, der Wolfsschanze. Die mutigen Offiziere wollten Deutschland vom Nationalsozialismus befreien. Doch das Attentat scheiterte, Hitler überlebte leicht verletzt. Stauffenberg bezahlte mit seinem Leben.

Widerstand heute

Karl und seine Geschwister bekamen schon früh von ihrem Vater mit auf den Weg: Seid nicht von Beruf "Hinterbliebene". Diese Mahnung hat Karl Graf Stauffenberg verinnerlicht. Neben seinem eigentlichen Beruf - Event-Manager und Netzwerker - hat er sich einem Ziel verschrieben: dem Kampf gegen jede Form von Extremismus. Dabei hilft ihm sein Name, er öffnet so manche Tür. Aber der Enkel des Hitler-Attentäters zu sein, ist für ihn auch schon zur Grenzerfahrung geworden.

"Ich lag drei Tage im Krankenhaus mit Gehirnerschütterung, weil drei Neonazis erfahren haben, dass ich der Enkel des großen Volksverräters bin. Deswegen wurde ich zusammengeschlagen."

Karl Graf Stauffenberg, Enkel des Hitler-Attentäters

Verein gegründet: Mittendrin statt extrem daneben

Der Wunsch Stauffenbergs, selbst für Freiheit und Demokratie zu kämpfen, kam erst mit der Zeit. Im vergangenen Jahr hat er deshalb den Verein "Mittendrin statt extrem daneben" gegründet, mit dem Ziel, Jugendliche und junge Erwachsene darüber aufzuklären, welche Gefahren die Radikalisierung von Ideologien und Religion für unsere Gesellschaft hat, so schreibt er auf seiner Homepage. Wichtig ist ihm, keinen Unterschied zwischen "rechts", "links" oder religiös motiviert zu machen.

"Ich habe keine Initiative gefunden, in der es möglich ist, dass Konservative, Sozialdemokraten, Liberale oder auch Grüne gemeinsam Hand in Hand für einen Rechtsstaat eintreten, ganz ideologielos. Und wenn man nichts dergleichen findet, dann macht man es eben selbst."

Karl Graf Stauffenberg, Gründer des Vereins 'Mitten drin statt extrem daneben'

Nun tourt der Familienvater ehrenamtlich durch bayerische Städte, hält Vorträge, besucht Schulen und leistet auf seine Art Widerstand. Den jungen Menschen will er mitgeben, dass es keine einfachen Antworten auf schwierige Fragen in der Gesellschaft gibt. Und vor allem auch, dass Frieden, den es seit 1949 in Deutschland gibt, keine Selbstverständlichkeit ist. Dass es so bleibt, daran müsse man arbeiten, sagt er.

"Widerstand bedeutet für mich, nicht nur gegen  eine Sache zu sein, sondern auch einen Lösungsansatz finden zu wollen oder zu haben. Dieses Ich-bin-gegen-etwas, ohne eine Idee zu haben, wie das anders oder besser gehen kann, kann nicht funktionieren."

Karl Graf Stauffenberg


31