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Zusätzlich zur Kirchensteuer Wer muss Kirchgeld bezahlen?

Kirchenmitglieder bekommen einmal im Jahr Post von Ihrer Gemeinde mit der Aufforderung, Kirchgeld zu zahlen. Es ist Teil der Kirchensteuer. Was passiert mit dem Geld und wer muss es zahlen?

Von: Astrid Uhr, Markus Kaiser

Stand: 28.06.2018

Kirchgeld | Bild: dpa / picture alliance

Einmal im Jahr erinnert die Kirche ihre Mitglieder daran, Kirchgeld zu bezahlen. Es ist Teil der Kirchensteuer und kommt den Gemeinden zugute. Die evangelische Gemeinde Grafrath finanziert davon unter anderem einen Bauwagen. Mit dem zieht das Pfarrei-Team über Land und besucht auch abgelegene Dörfer im Landkreis Fürstenfeldbruck: "Mit Bierbänken und einem Grill drin, alles was man braucht, wenn man zusammensitzen will und feiert", sagt Pfarrer Christian Dittmar. Kirche soll nah bei den Menschen sein. Im Freien Gottesdienst feiern, miteinander ins Gespräch kommen, das nutzen viele Gläubige. Ohne das Kirchgeld wäre das nicht möglich.

Geld für Projekte der Gemeinde

Von jedem evangelischen Kirchenmitglied mit eigenem Einkommen wird Kirchgeld erhoben, nach Einkünften gestaffelt. Jeder stuft sich selbst ein. Wer zwischen 25.000 und 40.000 Euro Brutto im Jahr verdient, sollte 25 bis 40 Euro zahlen. Ab einem Jahresgehalt von 70.000 Euro empfiehlt die Kirche 100 bis 120 Euro Kirchgeld im Jahr zu bezahlen.

"Kirchgeld ist so etwas wie eine Kasse der Hoffnung. Wir brauchen viel Geld für die laufende Arbeit. Wir können es aber nicht kalkulieren, weil es diesen Freiwilligencharakter hat. So hoffen wir jedes Jahr bei der Haushaltsaufstellung darauf, dass 25.000 Euro zusammenkommen und bis jetzt ging es auch immer auf."

Pfarrer Christian Dittmar, Evangelische Gemeinde Grafrath

Der Kirchgänger muss selbständig zahlen. Als Erinnerung verschickt jede Gemeinde einen Kirchgeld-Brief. In Grafrath wurde er im Juni versendet. "Früher als wir noch in München gewohnt haben, und alles etwas anonymer war, da hab ich mich schon gewundert, warum ich jetzt nochmal was zahlen muss", erzählt Liane Haas aus Grafrath. "Jetzt ist es so, dass wir in einer kleinen Gemeinde sind, wo alles sehr persönlich ist. Wir kennen das Pfarrersteam sehr gut und sehen auch die Aktionen, die mit dem Geld gemacht werden."

Weniger Kirchgeld in der Stadt

Viele Gemeinden könnten ohne Kirchgeld zum Beispiel ihre Konfirmanden-Freizeiten nicht organisieren – diese werden zu 50 % davon bezahlt. Ob und wie viel gezahlt wird, kontrolliert die Kirche nicht, also zahlen auch nicht alle. Aus den Kirchgeld-Einnahmen geht deutlich hervor, dass die Gemeindemitglieder auf dem Land zahlungswilliger sind als in der Stadt: Während im Dekanat Nürnberg nur 20 % der Kirchenmitglieder zahlen, zahlt im Dorf Grafrath etwa jeder Zweite. Insgesamt nehmen evangelische Gemeinden jedes Jahr um die 15 Millonen Euro Kirchgeld ein.

Katholisches Kirchgeld

Auch in der katholischen Kirche sind alle volljährigen Mitglieder einer Kirchengemeinde, die mehr als 10.000 Euro im Jahr verdienen, kirchgeldpflichtig. Der Regelbetrag liegt bei 1,50 Euro pro Jahr. Darüberhinaus dürfen die einzelnen Bistümer mehr erheben. Das Bistum Eichstätt verlangt beispielsweise pro 10.000 Euro Jahreseinkommen 10 Euro. Ob Gemeindemitglieder das Kirchgeld bezahlen, wird auch in der katholischen Kirche nicht kontrolliert und es gibt keine Strafen, wenn nicht bezahlt wird.


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