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Datenschutz bei Kindern Wenn Schulen und Kitas das Fotografieren verbieten

Eltern sollen ihre Kinder beim Sommerfest in Kitas oder Schulen nicht mehr fotografieren dürfen. Das empfiehlt das Staatliche Schulamt in Starnberg mit Verweis auf den Datenschutz. Völliger Blödsinn, sagt dagegen der oberste Landesdatenschützer.

Von: Rüdiger Kronthaler

Stand: 05.07.2018

Mädchen versteckt hinter buntem Regenschirm | Bild: picture-alliance/dpa/McPHOTO

Die Münchner CSU-Stadträtin Alexandra Gaßmann traute ihren Ohren nicht: Eine städtische Kinderkrippe verbietet Eltern, ihre Kinder beim Sommerfest zu fotografieren. Die Eltern sind stocksauer. Ein Vater, der beruflich nicht beim Sommerfest dabei sein konnte, fühlt sich eines tollen Erlebnisses beraubt.

Unsicherheit durch die DSGVO

Die Begründung der Leitung für die umstrittene Maßnahme: Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU. Die wirkt wie ein Schreckgespenst, und das Drohpotential ist in der Tat nicht ohne: Bis zu 20 Millionen Euro Bußgeld - internationale Konzerne müssen im Extremfall sogar bis zu vier Prozent ihres Welt-Jahresumsatzes als Strafe zahlen, wenn sie gegen die Verordnung verstoßen. Das wirkt bis in bayerische Krabbelgruppen hinein. Und jetzt: Fotoverbot beim Sommergrillen, beim Wiesn-Ausflug, beim Nikolausbesuch?

Experte: Es hat sich eigentlich nichts geändert

Der bayerische Datenschutzbeauftragte Thomas Petri schüttelt den Kopf, denn in der Datenschutzverordnung steht überhaupt nichts über private Fotografie. Es hat sich also eigentlich durch die DSVGO in diesem Bereich gar nichts geändert. Bei Portrait-Aufnahmen von fremden Kindern muss man deren Eltern fragen, das ist ja allein schon eine Sache des Anstands. Fotos von den eigenen Kindern sind natürlich erlaubt, auch wenn fremde Kinder sozusagen als "Beiwerk" mit abgebildet sind. Diese Bilder darf man, wenn sie bei öffentlichen Veranstaltungen entstanden sind, sogar veröffentlichen, wenn der Veranstalter darauf hingewiesen hat.

Fotografieren ja, aber ein Facebook-Post ist problematisch

Das Veröffentlichen von Fotos, die bei Schulveranstaltungen gemacht wurden, ist etwas heikler: Denn die Schule ist ein besonders geschützter Rahmen. Für das private Familienalbum ist das Fotografieren ok. Anders bei einer Veröffentlichung auf Facebook. Dann müssen Eltern mit Haftungsrisiken leben, wenn sich Eltern anderer mit abgebildeter Kinder gegen die Veröffentlichung zur Wehr setzen. Dass – vereinfacht gesagt – das Veröffentlichen, und nicht das Fotografieren das Problematische ist, war schon die letzten Jahre so. Dennoch wurde gerade jetzt zum Beispiel auch an einer Grundschule im Landkreis Starnberg ein pauschales Fotografier-Verbot beim Schulfest ausgesprochen, und an einem Gymnasium wird über ein Fotoverbot auf Abifeiern diskutiert. Interviews dazu wollte keine der betroffenen Schulleitungen geben.

Übertriebene Vorsicht bei Schulen und Kitas

Beim Datenschutzbeauftragten, der auch öffentliche Einrichtungen kontrolliert, läutet ständig das Telefon. Sport-Vereine sind verunsichert, manche Gemeinden engagieren für 10.000 Euro jährlich eine Kanzlei, um beim Datenschutz bloß nichts falsch zu machen.

Alexandra Gaßmann hat das Münchner Sozialreferat aufgefordert, aufzuklären. Ein pauschales Fotografier-Verbot, um ja auf der sicheren Seite zu sein, will sie nicht akzeptieren. Klare Ansagen wünschen sich auch die Schulen - und zwar vom Kultusministerium. Aber auch da runzelt der Datenschutzbeauftragte die Stirn: Man kläre seit 2016 auf, was die Datenschutz-Verordnung bringt, und eben nicht bringt. Es gibt also Informationen, die allerdings oft im Alltag an den Menschen vorbeirauschen würden.


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EMGI, Sonntag, 08.Juli, 13:40 Uhr

13. Facebook Twitter Whats App sofort zumachen - für immer

Das ist der einzige Weg mit diesen Datenkraken umzugehen. Denn das Sammeln und Auswerten von Daten ist ja zusammen mit Werbung der Lebenszweck dieser zutiefst asozialen Netzwerke. Komisch, das will kein Datenschutzbeauftragter durchziehen. Vermutlich Fracksausen ohne Ende. Am besten war der Shitstorm wegen Cambridge Analytics. Ja hallo: das ist doch der Zweck der ganzen Geschichte. Die Aufforderung an die asozialen Netzwerke, doch bitte pfleglich mit Daten umzugehen rangiert auf der gleichen Stufe der Sinnhaftigkeit wie das Verbot mit Rauschgift zu handeln gegenüber einem Dealer.

tell, Samstag, 07.Juli, 19:36 Uhr

12.

Mit Vollgas in die geistige Verblödung - und alle machen mit!

Renate E., Samstag, 07.Juli, 14:16 Uhr

11. Hier bestätigt sich mal wieder die Behauptung, "Absurdistan live"...

Dieses Land fällt von einem Extrem ins andere! Wer die aktuellen Geschehnisse verfolgt, kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Es gibt eine Spezies, die sich ständig filmt, ins Internet stellt und sich absolut nicht zu schade dafür ist, für jeden Quatsch Einblick ins Private zu gewähren. Ja, manche tun das für Geld, aber ein Teil, nur um sich in Szene zu setzen. Doch auf der anderen Seite sind Mitbürger so schamhaft oder überängstlich geworden, dass die kleine Kinder beim Spielen oder Flanieren nicht mehr fotografiert haben möchten. Schon gar nicht in Badesachen. Während sich an Badeseen und Schwimmbädern vermehrt junge Männer hemmungsloses Starren erlauben, ja obszöne Gesten! Sogar Antatschen vorkommt, was bedeutend schlimmer ist, aber einfach nicht mehr in den Griff zu kriegen ist.

Realistin1, Samstag, 07.Juli, 08:34 Uhr

10. Weniger Öffentlickeit und mehr Privatsphäre für unsere KInder....

Nachdem heute jeder auf Facebook unterwegs ist und alles was ihn und seine Lieben betrifft der Welt zeigen und mitteilen muss, würde ich das fotografieren in Kitas auch verbieten Wenn dann die selbstverliebten Babyboomer mit Fotos und Daten aus der Kita damit auch noch die Welt beglücken müssen und vor allen wenn Kinder darauf sind, deren Eltern so etwas gar nicht wollen. Es gibt nun mal auf der Welt zu viele durchgeknallte Idioten.
Ich denke etwas mehr Datenschutz und Privatsphäre wäre bei manchen Dingen ganz angebracht. Gerade wenn es um Kinder oder Schutzbefohlene geht sollten Eltern etwas aufmerksamer und privater bleiben.
Damit können unsere Kinder den Umgang mit den digitalen Medien besser lernen und auch anders (nicht so leichtsinnig) damit umgehen....

  • Antwort von Casper , Samstag, 07.Juli, 16:31 Uhr

    Ich wäre nicht abgeneigt, Facebook komplett zu kompostieren, ist aber wahrscheinlich nicht durchsetzbar.

Player, Freitag, 06.Juli, 20:16 Uhr

9. Ein bisschen shizo?

Neulich staunte ich nicht schlecht über die Berechtigungen des Google Play Store: "Dateien Herunterladen auch ohne Einwilligung des Nutzers", hieß es da.
Dazu kommen noch ca. 100 weitere Berechtigungen, die mir die Kontrolle des Android Gerätes quasi unmöglich machen.

Höre ich da irgendetwas von den sogenannten Datenschützern?