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Gefährliche Wechselwirkungen Wenn Medikamente krank machen

Patienten, die viele verschiedene Medikamente einnehmen, leben oft in Gefahr: Wechselwirkungen zwischen Arzneistoffen können zu massiven Gesundheitsschäden führen. Zwar gäbe es Lösungen für das Problem. Doch dagegen regt sich großer Widerstand.

Von: Beate Greindl, Alexander Loos

Stand: 15.03.2018

Vorsicht vor Wechselwirkungen bei Einnahme vieler Medikamente | Bild: picture-alliance/dpa

Rudi W. (Name geändert) hat eine seltene Blutkrankheit. Wegen ihr muss er im Schnitt 15 unterschiedliche Medikamente einnehmen. Deshalb macht er sich große Sorgen über Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Wirkstoffen. Als er vor wenigen Wochen wegen einer akuten Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert wurde, passierte es: Die Ärzte mussten ihm schnell ein Antibiotikum verabreichen, ohne auf mögliche Wechselwirkungen zu achten.

Wechselwirkung der Medikamente mit fatalen Folgen

Nach der Einnahme bekam W. plötzlich Beschwerden, hatte Blutungen. Das Antibiotikum vertrug sich scheinbar nicht mit seinen anderen Medikamenten. "Ich habe das durch Eigenrecherche rausgefunden. Das haben wir dann abgesetzt", sagt Rudi W. Seitdem hat er aber so schlechte Nierenwerte, dass er demnächst an die Dialyse muss.

Lange Diskussion über elektronische Gesundheitskarte

Das Problem: Rudi W. hatte nur eine handschriftliche Liste von seiner Apotheke, auf der mögliche Unverträglichkeiten vermerkt waren. Doch die lag dem Arzt im Krankenhaus nicht vor. Um genau solche Fehler zu vermeiden, wurde 2015 mit dem E-Health-Gesetz beschlossen, dass der Medikationsplan auf der elektronischen Gesundheitskarte, kurz eGK, gespeichert werden soll. Darüber diskutiert wird bereits seit über zehn Jahren. Passiert ist bisher aber noch nichts.

Daten auf der elektronischen Gesundheitskarte nicht sicher?

Widerstand gegen die elektronische Speicherung gibt es von mehreren Seiten. Datenschützer sehen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung in Gefahr. Die Befürchtung: Die sensiblen Informationen der Patienten über Krankheitsverlauf, Therapie und Einnahme von Medikamenten sind zu wenig geschützt und geraten in falsche Hände. Es sei zum Beispiel nicht sichergestellt, dass Ärzte nur die Daten von der eGK auslesen, die nötig sind, um den Medikationsplan zu ergänzen.

Viele Ärzte sind skeptisch

Und auch in der Ärzteschaft regt sich Widerstand gegen die Gesundheitskarte. Dr. Ilka Enger vertritt den Bayerischen Facharztverband, der an der Ärztebewegung "Stoppt die eGK" teilnimmt. Sie kritisiert den bürokratischen Aufwand bei der Pflege der elektronischen Medikamentenlisten: "Die Daten nützen nur, wenn sie gut gepflegt sind. Wenn die Karte nicht aktuell ist, kann man sich nicht drauf verlassen."

Testphase läuft an

Ab Herbst startet in Nordrhein-Westfalen eine Testphase in einigen Arztpraxen und Krankenhäusern, bei denen auch der Medikationsplan mit einbezogen werden soll. Wann die elektronische Gesundheitskarte bundesweit eingeführt wird, ist ungewiss. Bis dahin sollten die Patienten am besten selbst ein Auge darauf haben, welche Medikamente sie kombinieren, findet Rudi W.: "Ich wäre schon ein paar Mal umgekommen, wenn ich mich nicht darum gekümmert hätte."


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