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Diskussion Wehrpflicht-Debatte: Junge Union fordert Gesellschaftsjahr

Die Junge Union und die Mittelstandsvereinigung der Union haben sich für die Einführung eines "verpflichtenden Gesellschaftsjahres" für alle Schulabgänger ausgesprochen. Diese sollten entscheiden können, ob sie dieses in der Bundeswehr oder in einer sozialen Einrichtung absolvierten.

Von: Birgit Gamböck

Stand: 05.08.2018

Bundeswehrsoldaten bei Appell (Archivbild) | Bild: picture-alliance/dpa

In der Diskussion über die Wiedereinführung des Wehrdienstes bzw. einer allgemeinen Dienstpflicht haben sich die Junge Union und die Mittelstandsvereinigung der Union für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr ausgesprochen. JU-Chef Paul Ziemiak sagte der "Bild am Sonntag", es solle für alle Schulabgänger gelten. Diese sollten aber entscheiden können, ob sie die Zeit in der Bundeswehr ableisten oder in einer sozialen Einrichtung. Ziemiak betonte, die Debatte über ein solches Gesellschaftsjahr sei längst überfällig. Damit würde man jungen Menschen die Möglichkeit geben, den Zusammenhalt im Land zu stärken.

Zivildienstleistende fehlen

Der Chef der Mittelstandsvereinigung, Linnemann, erklärte, ein Gesellschaftsjahr käme auch Unternehmen zugute, die Mitarbeiter suchten. Auch der Reservistenverband der Bundeswehr begrüßte die Idee. Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagte, die Union habe die Wehrpflicht überstürzt abgeschafft. Weil damit auch der Zivildienst weggefallen sei, fehle es in vielen sozialen Einrichtungen an Helfern. 

Wehrbeauftragter skeptisch

Innerhalb der Union wird darüber diskutiert, die 2011 abgeschaffte Wehrpflicht bzw. eine allgemeinen Zivildienst wiedereinzuführen. Inzwischen hat sich, nicht zuletzt mit der russischen Annexion der Krim, die Sicherheitslage in der Welt massiv verändert. Zugleich tut sich die Bundeswehr schwer, geeignetes Personal anzuwerben.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Bartels, sieht die Rückkehr zur Wehrpflicht allerdings skeptisch. Die Bundeswehr sei heute eine professionelle Armee aus Berufs- und Zeitsoldaten. Sie sei heute wesentlich kleiner als zu den Zeiten der Wehrpflichtarmee und habe zum Teil ganz andere Aufgaben, so Bartels.

Zugleich sagte er, bei einer "allgemeinen Dienstpflicht" für Männer und Frauen gebe es massive verfassungsrechtliche Probleme. "Es gilt das Verbot der Zwangsarbeit", so Bartels. 


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