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Glückspiel Warum hält der Freistaat unprofitable Spielbanken?

Neun Spielbanken betreibt der Staat in Bayern - sechs davon haben im vergangenen Jahr Miese gemacht. Ganze 2,2 Millionen Euro musste das Finanzministerium als Ausgleichszuschuss an die staatlichen Casinos zahlen. Nun häufen sich die Stimmen, die fordern, dass sich der Freistaat von unprofitablen Spielbanken trennt.

Von: Johannes Reichart

Stand: 22.06.2018

Eine Roulette-Kugel wird am 30.11.2006 im Hamburger Casino Esplanade von einem Croupier über den sogenannten Kessel gehalten. | Bild: picture-alliance/dpa; Kay Nietfeld

Roulette spielen kann Spaß machen: nicht nur die Spieler fiebern mit, bei welcher Zahl die Kugel reinspringt, auch die Betreiber des Casinos freuen sich, denn sie verdienen beim Spielen mit. Wie etwa in Bad Wiessee: die staatliche Spielbank macht jedes Jahr einen Gewinn von über fünf Millionen und ist von den neun Spielbanken des Freistaats die profitabelste.

Anders schaut es in Bad Kötzting in der Oberpfalz oder in Bad Steben in Oberfranken aus, beide Betriebe machen zusammen über fünf Millionen Euro Verlust. Für den Staat sind seine Spielbanken insgesamt ein Verlustgeschäft, letztes Jahr waren es 2,2 Millionen Euro. Kritiker wie Rolf Baron von Hohenau vom Bund der Steuerzahler in Bayern fordern nun, dass der Staat die Verluste seiner Spielbanken nicht länger mit Steuergeldern ausgleichen solle.

"Ich meine, dass man die Spielbanken, die profitabel sind aufrechterhalten soll und zwar nicht, um dort Gewinne zu erwirtschaften sondern um Menschen zu helfen, die diese Sucht haben. Auf der anderesn Seite muss man schauen, ob man die auf dem Land, die nicht profitabel sind auflöst bzw. profitabel gestaltet."

Rolf Baron von Hohenau vom Bund der Steuerzahler in Bayern

Staat möchte ein "kontrolliertes und seriöses Spiel" anbieten

Die unprofitablen schließen, die gewinnbringenden halten, das klingt verlockend. Es gibt aber mehrere Gründe, wieso der Freistaat an seinen sechs unprofitablen Spielbanken festhält: Zum einen macht die Staatsregierung darauf aufmerksam, dass sie mit den Casinos keine Gewinne machen, sondern ein, so wörtlich, "kontrolliertes und seriöses" Spiel anbieten will. Für Finanzminister Albert Füracker liegt der Grund für die Verluste nicht bei den Spielbanken selber. Es seien externe Einflüsse, die man nicht steuern konnte.

"Die Frage Rauchverbot - in anderen Ländern nebenan zum Beispiel Tschechien ist es anders. Die Frage der Altersbeschränkung - bei uns darf man erst ab 21 in eine Spielbank, im Ausland schon ab 18. Das sind Dinge, die wir nicht beeinflussen konnten."

Albert Füracker, Finanzminister Bayern

Rund 815 Millionen Euro Einnahmen

Oliver Fisch von der Staatlichen Lotterieverwaltung, die für die Spielbanken zuständig ist, macht noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam: die Spielbanken geben von ihrem Bruttospielertrag, also ihrem Umsatz direkt 25 Prozent an den Staat als Abgabe weiter, das waren seit dem Jahr 2000 rund 815 Millionen Euro, die in die Gewinn-Verlust-Rechnung der Casinos nicht einberechnet werden, so Oliver Fisch. Würde man diese Abgabe nicht zahlen müssen oder nur zum Teil zahlen müssen, wäre das Ergebnis unter dem Strich natürlich ein ganz anderes, so Fisch.

Tatsächlich wären dann, wenn man es durchrechnet nur noch vier Spielbanken, die den Staat mehr kosten, als sie reinbringen. Mit den Gewinnen der anderen Spielbanken bleibe man etwa bei Plus minus Null, so die Lotterieverwaltung. Für den Finanzminister spielen aber nicht nur die Zahlen eine Rolle. Füracker sagt: "Wir betrachten unsere Spielbanken als strukturpolitische Maßnahme für die jeweiligen Räume. Es sind Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Wir beschäftigen über 600 Menschen dort. Und solange der Austausch von den Starken zu den Schwächeren in dieser Form so funktioniert, glaube ich, ist es auch in Ordnung und vertretbar."

FDP Bayern fordert Privatisierung

Im Landtag stehen die anderen Parteien hinter der Idee von Staatlichen Spielbanken. Nur wieso es diese nur auf dem Land gebe, das leuchtet den Landtagsgrünen nicht ein. Der Abgeordnete Thomas Mütze fordert ein Umdenken: "Wenn wir kucken, wo die Spielenden sitzen, dann ist das meistens in den großen Städten. wenn man konsequent wäre, dann müsste man nach München, Nürnberg, Augsburg gehen. Da, wo die Spieler sitzen."

Einen ganz anderen Weg fordert die FDP Bayern. Deren Spitzenkandidat Martin Hagen plädiert für eine Privatisierung aller Spielbanken, unter gewissen Auflagen für die möglichen Betreiber: "Man kann als Staat ja die Rahmenbedingungen setzen. Man kann es ja im Paket verkaufen. Man kann zum Beispiel sagen, wir verkaufen die Lizenzen für alle neun, und wenn dann zwei, drei Standorte sind, die nach wie vor nicht profitabel sind, kann man ja in den Vertrag mitreinschreiben: Die musst du trotzdem weiterbetreiben."

Black Jack, Roulette oder Poker - am Ende gewinnt immer die Bank, heißt es so schön. In Zeiten des schnellen Onlinespiels gilt das für die staatlichen Spielbanken zumindest nicht mehr überall.


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Bernhard, Samstag, 23.Juni, 09:55 Uhr

1. Die meisten Spielbanken unter allen Bundesländern unterhält Bayern.

Damit wird die Spielsucht gefördert und zerstört viele Familien.
Und wenn dann genug Unheil auch gefördert durch Steuergelder geschehen ist, bekommen diese Personen wieder vom Steuergeld/Krankenkassen/Hilfsvereinen Therapien zur Heilung der Sucht.