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Unterwegs mit einem Förster Wie der Klimawandel den Wald verändert

Sturmschäden und Schädlinge: Die Folgen des Klimawandels sind im Wald besonders gut sichtbar, wie ein Rundgang mit dem Stadtförster von Donauwörth zeigt. In Würzburg fand die bayerische Klimakonferenz statt.

Von: Judith Zacher

Stand: 18.07.2016

Douglasien in einem Waldgebiet | Bild: picture-alliance/dpa

Wer durch den Donauwörther Stadtwald läuft, kann sie nicht übersehen. Die hohen Stapel mit Baumstämmen am Wegrand – Fichtenstämme.

"Das ist Holz, das letztes Jahr in der Trockenheit geschädigt worden ist, und das wir ernten müssen, weil sich sonst der Borkenkäfer noch weiter verbreitet", erklärt der Donauwörther Stadtförster Michael Fürst.

Ist es lange trocken, wie im vergangenen Sommer, dann kann sich der Borkenkäfer bestens vermehren. Vor allem, wenn nach einem Sturm zwar die Baumstämme alle weggeräumt sind, aber noch Äste und Baumkronen im Wald liegen. Da fühlt sich der Käfer wohl. 

Sechs Männer kämpfen gegen den Käfer

Die vielen Niederschläge heuer haben den Käfer zum Glück etwas ausgebremst – trotzdem: mit dem  Kampf gegen den Borkenkäfer sind sechs Männer im gut 1.200 Hektar großen Stadtwald dauerhaft beschäftigt: "Das kann ich nicht alleine, ich hab eine ganz starke Mannschaft, die das macht", betont Fürst.

Neben den Borkenkäfern und den vielen vielen Stechmücken, die den Förster umschwirren, hat sich hier noch ein weiteres Insekt angesiedelt: Der Eichenprozessionsspinner, der bei Menschen einen massiven Juckreiz und Quaddeln auslösen kann.

Den Bäumen schadet der Eichenprozessionsspinner dagegen nicht wirklich, sie erholen sich meist wieder. Das Tier kommt eigentlich aus dem Mittelmeerraum, war in Deutschland nur in den wärmeren Regionen heimisch – seit etwa zehn Jahren verbreitet er sich von Mainfranken aus auch in den Südosten.

Bayerische Klimakonferenz in Würzburg

Dürresommer, Unwetterfronten, Waldbrände - der Klimawandel bringt für die Menschen in Bayern Veränderungen mit sich. Um über diese und mögliche Lösungsansätze zu zu diskutieren, hatte Land- und Forstwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) zu einem Fachkongress unter dem Motto "Dem Klimawandel gewachsen sein" nach Würzburg eingeladen.

Neue Besucher im Wald

Aber, nicht nur neue Insektenarten werden bei uns heimisch. Weil es im Winter nicht mehr richtig kalt wird, bleiben auch viele Zugvögel da. "Immer öfter sehe ich den Wiedehopf zum Beispiel", berichtet Fürst. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Vogel aus ganz warmen Regionen.

Eine weitere Folge der milden Witterung: Der Boden friert nicht mehr richtig durch – damit das Holz mit den schweren Maschinen aus dem Wald geholt werden kann, müssen deshalb extra Wege gebaut werden. Das kostet viel Geld, das die Stadt ihm zum Glück zur Verfügung stellt, sagt Förster Michael Fürst – genauso wie für die Pflanzung neuer Bäume.

Weil Stürme häufiger werden, muss an zahlreichen Stellen im Wald aufgeforstet werden. Vor dem letzten starken Sturm 2013 sind hier vor allem Fichten, ein paar Douglasien, Lärchen, einzelne Weißtanne und ein paar Laubbäume gestanden. Stehen geblieben sind die Douglasien, die Lärchen und die Laubbäume.  Damit weiß Förster Michael Fürst, dass diese Baumarten geeignet sind, um Wetterextreme zu überstehen – aber:

"Ich muss ja hundert Jahre vorausdenken - was wächst in hundert Jahren hier noch."

Michael Fürst, Stadtförster

Vertrauen in die Eiche

Er zieht ein Blatt Papier aus seiner Tasche – eine Tabelle, von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft. Die Experten haben untersucht, wo welche Bäume auch in Zukunft gut gedeihen können. Für die Lärche wird es an diesem Standort demnach zu trocken werden. Auf der gut sieben Hektar großen Fläche wurden deshalb unter anderem tausende Eichen und Douglasien gepflanzt.

Am meisten Vertrauen hat der Förster in die Eiche. Denn die gibt es im Donauwörther Stadtwald schon seit tausenden von Jahren:

"Wir haben hier Eichen, die einen echten Stammbaum haben, der fünf- bis sechstausend Jahre zurückliegt. Und das interessante und gute ist, dass sie auch für die Zukunft die Baumart ist, die das geringste Anbaurisiko hat."

  Michael Fürst, Stadtförster


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Stabilität durch Vielfalt, Donnerstag, 14.Juli 2016, 11:16 Uhr

2.

Gerne weise ich wieder einmal auf die Filme von Dieter Wieland hin, wie diesen:
http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/unter-unserem-himmel/nuernberger-reichswald-100.html
Oder von Benedikt Kuby:
http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/der-letzte-seines-standes/der-holzruecker-vom-groednertal-12_x-100.html
http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/der-letzte-seines-standes/der-holzruecker-vom-groednertal-22_x-100.html

Stabilität durch Vielfalt, Donnerstag, 14.Juli 2016, 10:28 Uhr

1.

Die Einleitung hätte so lauten müssen: Wer durch den Donauwörther Stadtwald läuft, kann sie nicht übersehen: Die Fichtenmonokulturen.
"Der Boden friert nicht mehr richtig durch – damit das Holz mit den schweren Maschinen aus dem Wald geholt werden kann, müssen deshalb extra Wege gebaut werden. Das kostet viel Geld, ..." Rückepferde kosten mit Sicherheit weniger. Da muss dann auch kein Schachbrett von Rückegassen im Abstand von 20 m angelegt werden.
"Ich muss ja hundert Jahre vorausdenken - was wächst in hundert Jahren hier noch." Michael Fürst, Stadtförster
Tja, das haben die Förster schon vor hundert Jahren gesagt. Leider haben die Staatsforstverwaltung, Kommunen und Privaten andere Vorgaben gemacht.
Für die Lärche wäre es schade (verträgt auch Sommerhitze; Nährstoffe gering-mittel, außer Sande) und die Buche müsste noch erwähnt werden.

  • Antwort von Ludwig Lutz, Donnerstag, 14.Juli, 21:00 Uhr

    Das Holzrücken mit Pferden weniger kosten soll als mit Rückemaschinen ist mir neu. Die diesbezüglichen Koalulation hätte ich gerne mal gesehen.

  • Antwort von Stabilität durch Vielfalt, Donnerstag, 14.Juli, 21:17 Uhr

    Dann rechnen sie die Kosten für den Forstwegebau, für die von den Großgeräten zerstörten Wege, ein, den die Gemeinde/bay. Staat zahlen muss. Gesamtkosten beachten, nicht immer nur einzelne Posten herauspicken!

  • Antwort von Nemo Nullus, Montag, 18.Juli, 11:54 Uhr

    Es wäre eine genaue Kalkulation unter Einbeziehung ALLER Kosten sicher wünschenswert, aber wahrscheinlich weder durchfürbar noch gewünscht.
    Und dass Rückepferde so viel billiger als ein Harvester ist, bezweifle ich. Die Tages-Arbeitsleistung ( Produktivität ) eines Gaules liegt weit unter einer Maschine,
    man benötigt dazu gut ausgebildetes (Führungs-) Personal, für die Maschine genügt ein angelernter Arbeiter, ein Pferd frisst auch, wenn es nicht im Einsatz ist, dazu
    Tierarzt, Stall, Pflege und sicher noch einige "Kleinigkeiten". Und Wege benötigt man zum Abtransport der Stämme auch. Klar, wenn man einen Gaul streichelt,
    stellt sich ein anderes Gefühl ein, als wenn man dem Harvester über den Kotflügel streicht. Aber bei der Staatsforst-Verwaltung geht es ums Geld und nicht um
    Wohlfühl-Einheiten.

  • Antwort von Stabilität durch Vielfalt, Montag, 18.Juli, 23:15 Uhr

    Der Harvester frisst auch: Diesel. Er muss auch gewartet und gepflegt werden. Das Rückepferd benötigt keine Rückegassen, der Wald sollte Wald bleiben und nicht zu einem Holzplantage verkommen. Es ist auch ökonomisch. Es kommt zwar in der Ebene nicht ganz an den Harvester heran, um so mehr aber im Hang. Und noch ein wichtiger Aspekt: Es ist umweltschonend. Es zerstört nicht den empfindlichen Waldboden, ist baumschonend und kommt mit jedem Gelände zurecht. Unter bochumschau.de, mit der Unterseite holzruecken-mit-kaltblut-rueckepferd-2013, findet man eine kurze Reportage über einen Holzrücker. Und kommen sie mir nicht so blöd mit "Gaul streicheln" und "Wohlfühl-Einheiten".