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Bier, Wein und Leckerei Vom Plärrer bis zur Sandkerwa: Bayerische Volksfeste im Spätsommer

Auf dem Dachauer Volksfest kostet die Maß fast halb so viel wie auf dem Münchner Oktoberfest. Bayern bietet außerdem auch Feste für Weinliebhaber und Kirchweihen. Im Grunde kann man von Anfang August bis Ende Oktober durchfeiern. Eine Auswahl an möglichen Volksfesten im Freistaat.

Von: Leonie Thim

Stand: 09.08.2018

Ein Kettenkarussell dreht sich auf einem Volksfest | Bild: dpa-Bildfunk/Marcel Kusch

Kronacher Freischießen

Den Anfang macht das Kronacher Freischießen vom 9. bis 19. August. Das Schützenfest gibt es seit 1588. Damit gilt es als ältestes und größtes Volksfest im Frankenwald. Es ist eine Mischung aus modernem Sportschießen, Brauchtum und Volksfest.

Während der "5. Jahreszeit" werden Schießwettkämpfe in verschiedenen Disziplinen ausgetragen. Höhepunkt ist die Proklamation des Schützenkönigs, der Schützenkönigin und des Jungschützenkönigs.

Gäubodenvolksfest in Straubing

Bierzelt-Feeling pur gibt es auf dem Gäubodenvolksfest in Straubing vom 10. bis 20. August. Mit 9,45 Euro kostet die Maß ähnlich viel wie auf der Wiesn in München.

Aus dem 1812 gegründeten Landwirtschaftsfest, hat sich eines der größten Volksfeste in Bayern entwickelt. Während der "5. Jahreszeit" feiern mehr als eine Million Besucher in sieben Festzelten. Im historischen Bereich bauen 15 Schausteller ihre Attraktionen auf, zum Beispiel eine Geisterbahn aus dem Jahr 1933.

Insgesamt wird es rund 130 Geschäfte auf dem diesjährigen Gäubodenvolksfest geben, etwa die Hälfte sind Imbiss- und Verkaufsgeschäfte. Einige neue Fahrgeschäfte kommen auch: Zum Beispiel die 65 Meter hohe Überschlag-Schaukel "Infinity" und die Achterbahn "Euro Coaster".

Eines der Höhepunkte des Festes ist der Auszug. Dieses Jahr findet er am 10. August statt. Etwa 2.000 Teilnehmer aus Vereinen, Trachten- und Volkstanzgruppen sowie Blaskapellen mit verzierten Rössern ziehen durch die Stadt zum Volksfestplatz Am Hagen.

Doch nicht nur auf dem Festplatz ist viel geboten, das Gäubodenvolksfest wird begleitet von kulturellen und sportlichen Rahmenveranstaltungen in der ganzen Stadt.

Auf die Sicherheit der Besucher achten Polizei und Stadt wieder mit angebrachten Videokameras.

Parallel findet neben dem Festgelände am Hagen wieder die Ostbayernschau statt. In 17 Hallen stellen Verbraucher hier ihre Waren aus. Die Veranstalter rechnen mit rund 400.000 Besuchern. Die Ostbayernschau gehört seit den 50er Jahren zum Gäubodenvolksfest.

Dachauer Volksfest

Vom 11. bis 20. August gibt es in Dachau, nördlich von München wieder ein Volksfest. Die Maß vom speziell für das Dachauer Volksfest gebrauten Märzenbieres kostet 6,10 Euro. Das ist fast halb so wenig wie die Maß auf dem Oktoberfest in München.

Das Dachauer Volksfest begann 1652 als Pferderennen und entwickelte sich in den vergangenen 350 Jahren zu dem Volksfest von heute auf der Ludwig-Thoma-Wiese mit zahlreichen Fahrgeschäften und fünf Festzelten.

Jährlich besuchen über 300.000 Menschen um den Feiertag Mariä Himmelfahrt im August das Volksfest. Am Kinder- und Familientag bieten die Schausteller spezielle Preise.

An Mariä Himmelfahrt messen sich Rennradfahrer beim "Bergkriterium". Die Rennstrecke führt über Kopfsteinpflaster mitten durch die Stadt. Am 16. August gibt es außerdem ein Feuerwerk über dem Dachauer Schloss. Ausweichtermin bei schlechtem Wetter ist der 19. August.

Hunde sind auf dem Festgelände aus Sicherheitsgründen verboten.

Augsburger Herbstplärrer

Jedes Jahr besuchen mehr als eine Million Menschen den Augsburger Plärrer. Im Jahr 1878 öffnete er zum ersten Mal. Seitdem findet der Plärrer zwei Mal im Jahr statt, im Frühling und im Herbst.

Dann bieten auf dem kleinen Exerzierplatz zahlreiche Imbissstände, vier Festzelte und moderne Fahrgeschäfte sowie nostalgische Schaustellerbetriebe Abwechslung.

Der Herbstplärrer ist dieses Jahr vom 24. August bis 9. September. An zwei Freitagen während der Festzeit findet ein Feuerwerk statt. Am ersten Samstag gibt es außerdem einen Festumzug. Der Frühjahrs-Plärrer hat heuer zum 140. Mal stattgefunden.

Regensburger Herbstdult

Als kleinere, aber feine und gemütliche Version des Oktoberfestes kann man in Regensburg zweimal im Jahr, im Mai und Ende August, bayerische Bierzelttradition erleben. Vergangenen Mai kamen rund 750.000 Besucher zur Dult nach Regensburg. Die Herbstdult findet vom 24. August bis 9. September statt.

Von kommunaler Seite aus bleibt alles beim Alten: Die Stadt Rosenheim bietet zur Wiesn wieder eine Lärmbelästigungshotline. Zudem ist die "Pinkelstreife" wieder unterwegs. Wildpieseln ist teuer, wer sich erwischen lässt, muss mindestens 100 Euro zahlen. Und wer sich eine Maß kaufen möchte, zahlt heuer 8,90 Euro, also 10 Cent mehr als 2017.

Den Beginn, am 24. August und das Ende der Dult, am 9. September markieren zwei Feuerwerke.

In zwei Festzelten, im Weinstadl und den Biergärten wird Bier von Regensburger Brauereien ausgeschenkt. Auf der Vergnügungsdult können die Besucher zwischen verschiedenen Fahrgeschäften wählen. Besonders schön ist die Sicht vom Riesenrad aus über ganz Regensburg. Jeden Mittwoch gibt es auf dem Kinder- und Familientag ermäßigte Preise.

Das Sicherheitskonzept setzt heuer auf noch mehr Videoüberwachung. Am Hauptbahnhof und auf dem Festgelände werden neue Kameras angebracht. Außerdem läuft dieses Jahr in jeder Polizeistreife ein Beamter mit einer sogenannten Bodycam mit.

Neben dem Jahrmarkt gibt es auch eine Warendult mit Kleidung, Textilien, Haushaltswaren oder Blumen.

Herbstvolksfest Nürnberg

Im Jahr 1826 beschloss die Bürgerschaft der Stadt Nürnberg, den Geburts- und Namenstag von König Ludwig I. zu begehen. Seitdem feiert Nürnberg jedes Jahr gegen Ende der bayerischen Sommerferien sein Herbstfest. Heuer findet es vom 24. August bis 9. September statt.

Mit einem Umzug, Themenabenden und mehreren Musikbühnen sowie historischen Führungen bietet das Herbstvolksfest von Nürnberg ein vielfältiges Programm. Beim Umzug marschieren Brauereigespanne, Musikkapellen und weitere Vereine aus Nürnberg mit. Dazu gibt es mehr als 160 Festwirte und Schausteller.

Hunde sind auf dem Festgelände nicht erlaubt.

Herbstfest Rosenheim

Das Herbstfest in Rosenheim, auch gern "Wiesn" genannt, ähnelt dem gleichnamigen Volksfest in München. Mehr als eine Million Besucher feiern jährlich 16 Tage lang auf der Loretowiese. In diesem Jahr findet es vom 25. August bis 9. September statt.

Die Maß kostet in den Bierzelten maximal 8,90 Euro. Familien können die zwei Kindertage mit einem bunten Rahmenprogramm und ermäßigten Fahrpreisen nutzen.

Ein fester Programmpunkt ist die feierliche Begehung des Erntedanksonntags mit einem Erntedank-Gottesdienst. Dabei marschieren ein Kirchenzug mit Erntekronen und Blumengebinde, Erntegruppen, Musikkapellen aus Stadt und Landkreis Rosenheim, Trachtenvereine und Landjugendgruppen zum Max-Josefs-Platz. Nach dem Gottesdienst zieht der Festzug auf das Festgelände des Herbstfestes ein.

Gillamoos in Abensberg

Das Fest der Hallertau in Abensberg ist einer der ältesten Jahrmärkte Bayerns. Jährlich kommen rund 250.000 Besucher nach Abensberg. Die Maß kostet heuer vom 30. August bis 3. September 9,40 Euro.

Der Jahrmarkt fand wohl zum ersten Mal im Jahr 1313 . "Gillamoos" leitet sich von "St. Gilg am Moos" ab. So heißt eine Kapelle, die dem heiligen Ägidius geweiht war und im Zuge der Säkularisation abgebrochen wurde. Der Jahrmarkt entwickelte sich ursprünglich aus einer Wallfahrt. Zum 700-jährigen Jubiläum im Jahr 2013 wurde die St. Gilg Kapelle neu gebaut, um den christlichen Wurzeln des Jahrmarktes zu gedenken.

Von Donnerstag bis Montag findet der "Historische Gillamoos" auf der Liebesinsel mit Raritäten aus der Geschichte der Schaustellerei und historischem Festbier statt. Zum Start gibt es den Holzsägewettbewerb.

Neben dem Pferde- und Viehmarkt und der Wahl zur Dirndlkönigin, findet am letzten Festtag der traditionelle politische Frühschoppen statt, bei dem im Wahljahr Vertreter aller Parteien ihre Reden halten.

Ab diesem Jahr wird es kein Feuerwerk mehr auf dem Gillamoos geben. Das hat der Werkausschuss in einer Sitzung auf Anraten der Fraktionsführer der Stadtratsfraktionen beschlossen. Der Grund: die Feinstauberzeugung sei zu hoch.

Altstadtfest mit Fischerstechen in Nürnberg

Vor 48 Jahren wollten ein paar Nürnberger Bürger mehr Leben in die Altstadt bringen und feierten zum ersten Mal das Altstadtfest mit Fischerstechen. Mittlerweile ist das Fest stetig gewachsen. Vergangenes Jahr kamen rund eine Million Besucher, so viele wie noch nie. Organisiert wird die Feier von Ehrenamtlichen des Nürnberger Altstadtfest Vereins.

Die kleinen Fachwerkhäuschen auf dem Hans-Sachs-Platz und der Insel Schütt bieten vom 13. bis 24. September wieder regionale und internationale Spezialitäten, aber auch Federweiser, Wein und verschiedenen Biere aus der Region an.

Ein Höhepunkt ist der große Festzug am ersten Samstag des Volksfests, heuer am 15. September. Mehr als 35 Teilnehmer, Bierwagen, Trachtengruppen, Samba-Tänzer und viele Musikgruppen ziehen dabei vom Jakobsplatz zum Hans-Sachs-Platz. Direkt im Anschluss an den Festumzug findet das traditionelle Fischerstechen auf der Pegnitz statt. Mannschaften aus verschiedenen Gegenden Deutschlands kämpfen in Ruderbooten um den Sieg im Mannschafts- oder Einzelwettbewerb.

Auch das Kultur-Programm des Altstadtfests ist vielfältig. Für jeden Musikgeschmack ist etwas dabei, von Swing, Jazz, Pop und Rock bis zu Schlagern oder Countrymusik. Darüber hinaus gibt es Kabarett, Akrobatik und einen Vergnügungspark am Gewerbemuseum. Die Nürnberger Hans-Sachs-Spielgruppe erzählt in der Ruine des Katharinenklosters Geschichten rund um den Nürnberger Schuhmacher-Poeten Hans Sachs.

Zeitgleich zum Altstadtfest findet auf dem Hauptmarkt der traditionelle Herbstmarkt statt. Auf dem "Häferlesmarkt" gibt es neben Haushaltswaren auch ein Rahmenprogramm auf der Bühne.

Münchner Oktoberfest

Ab dem 22. September heißt es in München wieder: "O’zapft is!" Dann kostet die Maß in den 14 Bierzelten bis zum 7. Oktober maximal 11,50 Euro.

Weinfeste

Weinfest in Volkach

Frankens Open Air-Weinfest feiert heuer 70. Geburtstag. In den vergangenen Jahren kamen bis zu 50.000 Besucher zum größten Weinfest Frankens nach Volkach.

Das Fest bietet vom 10. bis 14. August in der Stadtallee rund 7.000 Sitzplätze im Freien unter Kastanien- und Platanenbäumen. Sieben Winzer und vier Winzergenossenschaften schenken über 50 Schoppenweine aus. Mit einer weiteren Auswahl in der Bocksbeutel- und Sektlounge können während der fünf Festtage über 150 Weine getrunken werden.

Darüber hinaus gibt es ein großes Feuerwerk und den Wunderkerzenzauber der Weinprinzessinnen. Musikalisch reicht das Angebot von klassisch fränkischer Blasmusik bis zur Stimmungsmusik.

Rothenburger Weindorf

Die mittelalterlichen Reichsstadt Rothenburg verwandelt sich einmal im Jahr in das zertifizierte Weindorf mit Leckereien und abwechlungsreichen Programm.

Vom 15. bis 19. August bieten lokale gastronomische Betriebe mit ihren Partner-Winzern aus ganz Franken eine große Auswahl an regionalen Qualitätsweinen.

Kulinarisches Weinfest Nordheim

Heuer feiert die Gemeinde Nordheim am Main 1.100-jähriges Bestehen. Das Jubiläum begehen die Nordheimer vom 7. bis 9. September unter anderem auf dem kulinarischen Weinfest im September mit einer Auswahl an Weinen von neun Nordheimer Weingütern. Im Weinzelt finden außerdem Konzerte statt.

Kirchweih

Bier- und Weinfeste haben in Bayern Tradition, genau wie die Kirchweihen. Sie finden vor allem in Franken statt, zum Beispiel in Bamberg und Fürth.

Das Kirchenburgweinfest in Hüttenheim

Im historischen Ambiente der Hüttenheimer Kirchenburg im Landkreis Kitzingen umrahmt von Fachwerk, Kellern und dicken Mauern, werden vom 17. bis 19. August Weine vom Keuper und fränkische Spezialitäten gereicht. Außerdem werden am Samstag und Sonntag Kirchenburgführungen angeboten.

Bamberg feiert nach einjähriger Pause wieder Sandkerwa

Seit 1891 gibt es das Kirchweihfest in der alten, barocken Sandstraße von Bamberg, in deren Mittelpunkt die gotische Elisabethkirche steht. Vergangenes Jahr hatte der ausrichtende Bürgerverein die Kerwa abgesagt, wegen zu strenger Sicherheitsauflagen und zu hoher Kosten. Die Enttäuschung in der Region war groß.

Heuer haben sich der Bürgerverein und die Stadt auf ein gemeinsames Konzept verständigt und es wird wieder eine Sandkerwa geben. Auch das bekannte Spektakel des großen Fischerstechens auf der Regnitz findet wieder statt. Hunde und andere Haustiere sowie größere Taschen und Alkohol dürfen nicht mitgenommen werden.

Die Michaelis-Kirchweih in Fürth

Anfang des Jahres wurde die Fürther Michaelis-Kirchweih in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Im Jubiläumsjahr der Stadt Fürth wird heuer vier Tage länger gefeiert, vom 29. September bis 14. Oktober.

Die "Färdder Kärwa" gilt als größte bayrische Straßenkirchweih und die "Königin der fränkischen Kirchweihen". Die spezielle Mischung aus Markt und Kirchweih macht den Charme dieses Straßenfestes aus. Höhepunkt ist der Erntedankfestzug mit über 3.000 Teilnehmern.


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