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Initiative übergibt Unterschriften an Schulze Unternehmen und Bürger: Gemeinsam gegen Gentechnik

Eine Initiative von 30 Bio-Unternehmen hat die Bürger aufgefordert, sich gegen Gentechnik in Lebensmitteln auszusprechen. Mehr als 100.000 Unterschriften kamen zusammen, nun wurden sie an Bundesumweltministerin Svenja Schulze übergeben. Sie soll gegen die Gentechnik vorgehen - und ist bereit dazu.

Von: Marcus Overmann

Stand: 17.07.2018

 Joseph Wilhelm (M), Geschäftsführer von Rapunzel Naturkost, überreicht Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) Unterschriften der Initiative "Foodprint" für gentechnikfreie Lebensmittel.   | Bild: picture-alliance/dpa/Arne Immanuel Bänsch

Eva Heusinger ist mit dem Flugzeug aus München nach Berlin gereist. Eigentlich eine Umweltsauerei, sagt sie, aber "es ging leider nicht anders". Sie arbeitet für das Unternehmen Rapunzel, einen europäischen Bio-Hersteller. Und dort sei es verboten, "dass Waren und Zutaten mit dem Flugzeug transportiert werden, aus ökologischen Gründen".

Eva Heusinger und rund 30 Mitstreiter aus anderen Bio-Organisationen haben die Initiative "Ich stehe auf Essen ohne Gentechnik" gestartet. 108.000 Unterschriften haben sie nach Berlin gebracht; von Bürgern, die keine gentechnisch veränderten Lebensmittel mehr essen wollen, weil sie Sorge haben, dass Gentechnik der Gesundheit schadet.

Die Politik ist am Zug

Die Reinhaltung von Saatgut sei in Gefahr, fürchtet die Initiative. Die Politik sei gefordert, hier etwas zu tun! So müsse für die Verbraucher klar ersichtlich sein, was in den Produkten stecke - vor allem, wenn gentechnisch veränderte Zutaten ein Bestandteil sind. Und: Bäuerliche und ökologische Züchtung sollen gefördert werden. Artenvielfalt ist das Stichwort.

"Es muss eine Überwachung geschaffen werden, ein Monitor. Es muss eine Rückverfolgbarkeit geschaffen werden, damit man weiß, wo kommt dieser Organismus her. Und man muss sich im Klaren sein, wenn es zu Schäden kommt, wer ist der Verursacher, wer zahlt das?"

Elke Röder, Bundesverband Naturkost

"Ich bin einer von den 108.000", erklärt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), als ihr die Unterschriften überreicht werden. "Ich habe damals in Münster unterschrieben, gegen die Gentechnik. Da wusste ich aber noch nicht, dass ich mal Umweltministerin werde und mir am Ende dann die Unterschriften übergeben werden."

Ministerin auf Seiten der Gentechnik-Gegner

Mit einem Lächeln gibt sie dann unmissverständlich zu verstehen, dass sie auf Seite der Gentechnikgegner steht. Und dass sie sich der Sache annehmen werde. Sie habe ja damals schon im Maiskolben-Kostüm am Feld protestiert - sie möchte keine gentechnisch veränderten Lebensmittel essen. Ihr sei das zu gefährlich, außerdem seien die Folgen unklar. Schulze will "keine Gentechnik durch die Hintertür" und ergänzt: "Wenn man Gott spielt, muss man sehr vorsichtig sein und darf das nicht einfach im Freiland tun."

"Man kann es halt nie wieder zurückholen. Deswegen will ich das nicht, ich glaube, dass man über klassische Züchtungsmethoden weit genug kommt und dass man das nicht einsetzen soll. Weder das, was wir bisher kennen, noch die neuen Züchtungsmethoden. Da bin ich genauso kritisch. Ich will keine Gentechnik durch die Hintertür!"

Umweltministerin Svenja Schulze, SPD

Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition vom März 2018 steht übrigens zur Gentechnik:

"Patente auf Pflanzen und Tiere lehnen wir ab. Ebenso das Klonen von Tieren zur Lebensmittelerzeugung. Wir halten an der Saatgutreinheit fest. Ein Gentechnikanbauverbot werden wir bundesweit einheitlich regeln (Opt-Out-Richtlinie der EU). Im Anschluss an die noch ausstehende Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zu den neuen molekularbiologischen Züchtungstechnologien werden wir auf europäischer oder gegebenenfalls nationaler Ebene Regelungen vornehmen, die das Vorsorgeprinzip und die Wahlfreiheit gewährleisten."

Wenn die Bundesregierung den Koalitionsvertrag auch so umsetzt, sagen die Bio-Unternehmer, dann sei damit schon viel gewonnen. Es gibt neue Gentechnikmethoden, die direkt ins Erbgut eingreifen. Ende dieses Monats wird ein europäisches Gerichtsurteil zu diesen Methoden erwartet. Im Anschluss will die Bundesregierung entscheiden, ob sie noch weiter nachsteuern wird.


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besorgter Wissenschaftler, Mittwoch, 18.Juli, 15:59 Uhr

5. Nicht unerwartet

Warum tritt die Frau Ministerin nicht im Maiskolbenkostüm im Bundestag auf? Das würde ihre Kompetenz in Sachen Gentechnik unterstreichen.
Aber mal ernsthaft: wäre es nicht sinnvoll, die Bevölkerung etwas besser zu informieren, als mit solchem populistischen Unsinn zu desinformieren? Wann wird die Wissenschaft endgültig als ketzerisch verboten?

Zenzi, Dienstag, 17.Juli, 22:09 Uhr

4. Definition "Gentechnik"

Bislang findet man in unseren Discountern kein einziges Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Organismen. (GVO)
Ausser z.B. Enzyme für Vitamine, die aber nicht zur "Grünen Gentechnik" zählen.
Die Aussage "Keine Gentechnik durch die Hintertür" von Fr. Schulze ist der springende Punkt. Mit neuen Technologien wie CRISPR Cas wo im Endprodukt der Nachweis von gentechnischer Veränderung nur sehr schwer möglich ist, soll die Kennzeichnung umschifft werden, bzw es gar nicht als GVO deklariert werden. Dagegen gilt es klar Position zu beziehen: 1. Offenlegung der gentechnischen Verfahren und WAS verändert wurde. 2. Kennzeichnung als GVO.
Am besten: KEINE LEBENSMITTEL die mit GVO hergestellt werden. Oder eben nur noch "BIO" kaufen. Das täte der Landwirtschaft am besten.

H.E., Dienstag, 17.Juli, 21:32 Uhr

3. keine gentechnisch veränderte Lebensmittel auf unseren Tellern!

Das ist sehr wichtig, daß engagierte Gruppen Unterschriften sammeln gegen Gentechnik.

Besonders wichtig ist es aufgrund des neuen Freihandelsabkommens mit Japan. Die werden wahrscheinlich jetzt versuchen, uns gentechnisch veränderte Lebensmittelprodukte aufs Auge zu drücken, denn in Japan haben sie ja keine Probleme damit gentechnisch veränderte Lebensmittel zu konsumieren, wie man der Presse entnehmen konnte.

Motzki, Dienstag, 17.Juli, 20:59 Uhr

2.

Alle unsere heutigen Lebensmittel sind gentechnisch verändert. Die traditionelle Züchtung ist nichts anderes als Gentechnik, nur viel langsamer und viel ungenauer als heute möglich.
Die moderne Gentechnik erlaubt es nun aber, sehr viel genauer und sehr viel informierter Veränderungen vorzunehmen und zu züchten.
Natürlich ist da Vorsicht geboten ... wie mit allem. Aber moderne Züchtungsmethoden deswegen rundweg abzulehnen ist Unfug.

Soso, im Koalitionsvertrag steht, dass das Vorsorgeprinzip gewährleistet sein muss.
Vorsorgeprinzip heisst, dass die denkbaren Belastungen bzw. Schäden für die Umwelt bzw. die menschliche Gesundheit im Voraus (trotz unvollständiger Wissensbasis) vermieden oder weitestgehend verringert werden. Es dient damit einer Risiko- bzw. Gefahrenvorsorge. (Wikipedia)
Das könnte endlich mal beim Rauchen angewendet werden. Da ist längst bewiesen, dass sowohl Rauchen als auch Passivrauchen gesundheitsschädlich ist.
Steht wohl gerade nicht im Koalitionsvertrag ...

Verbraucher, Dienstag, 17.Juli, 20:13 Uhr

1. Verbot von Gentechnik wie auch Glyphosat

Dann soll Fr. Schluze endlich mal was für uns Bürger tun!!! Frisch an Werk!
Auch das krebserregenden Glyphosat gehört endlich verboten!
Ich will ordenltiche Qualität als Verbraucher und nicht diese minderwertigen Lebensmittel.

  • Antwort von Oliver M., Dienstag, 17.Juli, 23:43 Uhr

    Sind Sie auch bereit, dafür im Geschäft mehr zu bezahlen?