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Neue Volkskrankheit Zahnärzte warnen vor Kreidezähnen bei Kindern

Raue Oberfläche und brüchige Zähne: Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde leiden teilweise mehr Kinder an Kreidezähnen als an Karies. Der Weg für Besserung ist lang, denn Forschung und Aufklärung stehen erst am Anfang.

Von: Nathalie Bachmann

Stand: 18.07.2018

Immer mehr Kinder leiden unter sogenannten Kreidezähnen oder Molarer-Inzisiver-Hypomineralisation (MIH). Die Zähne reagieren empfindlich auf Hitze, Kälte oder chemische Reize, die bleibenden Backenzähne sind gelblich verfärbt und splittern leicht. Bei Zwölfjährigen ist diese Schädigung des Zahnschmelzes mit 28,7% bereits häufiger als Karies, so Kinder-Zahnärztin Sabine Dobersch aus Zell am Main.

Ursachen für MIH sind noch unbekannt

Die genauen Ursachen seien bisher noch nicht bekannt. Derzeit werden verschiedene Ursachen diskutiert, so Norbert Krämer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde. Erste Zahnschäden wurden den Ärzteverbänden zufolge schon bei Ungeborenen im achten Schwangerschaftsmonat registriert. Dr. Sabine Dobersch erklärt, dass es sich vermutlich um eine Störung bei der Geburt oder im ersten Lebensjahr handle, denn dort würden die betroffenen Zähne angelegt. Sauerstoffmangel bei der Geburt oder Vitamin D-Mangel seien im Gespräch, aber auch Umweltgifte wie Bisphenol A stünden unter Beobachtung.

Kreidezähne werden nicht immer sofort erkannt.

Da die Forschung noch nicht so weit ist, würden Kreidezähne nicht immer sofort erkannt oder würden mit Karies verwechselt. Dies sei vor allem für Kinder sehr schmerzhaft. Mit schlechter Pflege habe MIH aber definfiv nichts zu tun.

"Die Zahnärzte, die bis vor fünf Jahren ihren Abschluss gemacht haben, haben nie in ihrer Ausbildung was von Kreidezähnen gehört. Wichtig ist: Immer zum Spezialisten gehen und den Kindern versichern: Du hast nichts falsch gemacht."

Sabine Dobersch, Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde

Nicht heilbar - aber es gibt Hilfe

Kreidezähne sind nicht heilbar, aber es gibt Möglichkeiten, das Leid der Kinder zu lindern. So lassen sich beispielsweise empfindliche Zähne mit Kronen schützen.


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Zeitungsleserin, Mittwoch, 18.Juli, 15:41 Uhr

1. MIH Syndrom

Unwahrscheinlich, dass "bei der Geburt" Kreidezähne entstehen. Man vermutet - so in einer Universitätszahnklinik erfahren - dass auch evtl. Antibiotikagabe zwischen dem 8. Schwangerschaftsmonat und dem 1. Geburtstag ursächlich sein könnten. Auch Antibiotikagabe bei der Mutter, z. B. wegen einer Brustentzündung beim Stillen - kommt in Frage. Und die wenigsten Zähne können überkront werden - der Schmelzdefekt geht sogar soweit, dass die Zähne OHNE Schmelz durchbrechen, nur das weiche Zahnbein kann nicht überkront werden. Da hilft nur eines: Extraktion. Gottseidank ist MIH bisher nur bei den oberen 6ern und den oberen Einsern bekannt. Katastrophe - aber es gibt noch schlimmere Krankheiten, diese kann man wenigstens behandeln, wenn auch kompliziert.

  • Antwort von Carina Schröder , Mittwoch, 18.Juli, 20:34 Uhr

    Unsere Tochter (7) hat bis dato noch kein Antibiotika genommen! Ich hatte eine sehr unkomplizierte Schwangerschaft, ohne jegliche Medikamente! Es gibt viele Theorien, woher das kommt! Bei unserer Maus ist nur ein Schneidezahn betroffen! Was in der Definition von MIH 'eigentlich' nicht vorkommt! Es gibt keine Regel! Unser Zahnarzt hat den Zahn mit einer Füllung überzogen! Allerdings war das obere Drittel des Zahns normal! Die Zahnmedizin ist so weit!

  • Antwort von Bernd Panhans, Donnerstag, 19.Juli, 12:18 Uhr

    Leider kommen diese Defekte nicht nur an 1ern und 6ern vor. Gerade versorge ich einen oberen 5er mit einer Hypominerilisation. Unsere Tochter zeigt "Kriedezähne" an den Milchzähnen.