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Gluthitze und Trockenstress Weinjahrgang 2018: Frankens Winzer kämpfen gegen Trockenheit

Früh wie nie beginnt heuer die Weinlese. 2018 könnte ein Spitzenjahrgang werden. Doch in Franken kämpfen die Winzer in dieser Woche gegen die Gluthitze und Trockenheit.

Von: Jürgen Gläser

Stand: 05.08.2018

Weinlese in Franken 2018: Gluthitze und Trockenstress für die Reben. | Bild: BR/Jürgen Gläser

Der Escherndorfer Lump bei Volkach am Altmain ist eine berühmte Steillage. Tagsüber hat es dort am Boden bis zu 60 Grad. Und seit Wochen hat es nicht mehr geregnet - außer einem Gewitter in der Nacht zum Donnerstag.

Tag und Nacht keine Ruhe mehr

Winzer wie Michael Fröhlich müssen ihre Weinberge nun bewässern, mit Überkronberegnern, immer abends von 18 bis 22 Uhr. Er stellt eine Pumpe auf und legt Rohrleitungen bis zu zwei Kilometer. Er habe jetzt zwei Wochen lang Tag und Nacht keine Ruhe, sagt er: "Immer wieder aufbauen und abbauen. Das ist ein Kampf für uns, eine Materialschlacht, was der Außenstehende eigentlich so gar nicht nachvollziehen kann."

Aber es muss sein. Die Rebstöcke haben Trockenstress. Doch die Winzer wollen reife, gesunde Trauben ernten, für große Weine, die nicht zu viel Alkohol haben sollen. Ohne Wasser geht das nicht.

Tröpfchenberegnung direkt an der Wurzel

Auch im Julius Echter Berg bei Iphofen wird bewässert - mit der sogenannten Tröpfchenberegnung. "Es geht über Tropfschläuche. Das System kommt aus Israel, wo man sehr stark mit Wasserknappheit zurechtkommen muss", erklärt Klaus Peter Heigel vom Weingut Hans Wirsching. Jede Rebe bekomme zwischen 20 und 40 Liter Wasser innerhalb mehrerer Stunden getröpfelt. "Und so kommt eben jeder Tropfen auch bei der Rebe an. Es ist keine unnötige Verdunstung, es tropft direkt in den Boden, es geht direkt zu den Wurzeln", sagt Heigel.

Etwas Neues ausprobiert in den Weinbergen

Wegen der extremen Trockenheit hat Heigel etwas Neues ausprobiert. In einigen Weinbergen wurde das obere Drittel der Laubwand abgeschnitten. Andere Winzer reagieren mit Kopfschütteln. Doch Heigel ist sich sicher, dass diese Maßnahme hilft.

"Der Gedanke, der dahinter steht ist: Jede Blattmasse produziert Zucker. Und wenn wir die Blattmasse an den Reben reduzieren, bekommen wir eine langsamere Zuckerproduktion, das heißt: Die Reife wird nach hinten verschoben. Und dadurch, dass wir zur Zeit etwa drei Wochen früher dran sind als in einem Normaljahr, haben wir die Befürchtung, zu viel Alkohol zu bekommen. Und so wird also die potentielle Alkoholproduktion verlangsamt." Klaus Peter Heigel

Maßnahmen gegen die Hitze

Tröpfchenberegnung, Laubwand-Reduzierung und das Halbieren der Trauben am Rebstock - mit diesen drei Maßnahmen trotzt Heigel der Hitze. Dafür sind im Weingut Wirsching täglich bis zu 25 Mitarbeiter in den Weinbergen unterwegs. Aber das muss in diesem Sommer sein, betont Hermann Mengler, der Weinfachberater beim Bezirk Unterfranken.

"Das ist auch ein Umdenkensprozess, der in den letzten zehn Jahren stattgefunden hat. Wir wollen ja keine 100 Oechsle. 2003 haben wir uns noch riesig darüber gefreut. Aber das will man nicht mehr. Letztendlich heißt hohes Mostgewicht hinterher auch hoher Alkoholgehalt. Und alle wollen heutzutage fit sein, schlank sein, sportlich sein. Da ist letzendlich der Alkohol in den hohen Gradationen nicht ideal." Hermann Mengler, Weinexperte

Wer will schon so viel Alkohol?

Denn wer will schon einen Silvaner-Kabinett mit 14,5 Prozent Alkohol? Weinexperte Hermann Mengler und Klaus Heigel vom Weingut Wirsching sind sich einig. Der Klimawandel ist da - mit Hitze und Trockenheit:

"Das Wetter wird also in einer Stetigkeit immer mehr von diesen Kapriolen geprägt werden. Diese Ereignisse werden sich immer öfters in kürzeren Abstänbden wiederholen. Und insofern muss man sich von der Konstellation her von den Weinbergen drauf einstellen. Wir müssen uns in unserer ganzen Produktionstechnik diesen Herausforderungen stellen." Weinexperte Hermann Mengler und Klaus Heigel vom Weingut Wirsching

Ein Jahrhundertjahrgang?

Die Weinlese beginnt diesmal so früh wie noch nie. Was ist also vom 2018er zu erwarten? "Zunächst ist es für mich noch kein Jahrhundertjahrgang, solange er noch nicht im Keller ist", sagt Winzer Michael Fröhlich. Und Klaus Peter Heigel vom Weingut Wirsching erklärt: "Ich denke, es wird viel Trinkspaß sein, etwas kräftiger vielleicht als Jahrgang 2017, aber nicht so überalkoholisiert wie der Jahrgang 2015. Da haben wir viel gelernt."

Der 2018er-Wein kann also großartig werden. "Dafür schuften wir schließlich seit Wochen bei bis zu 39 Grad", betont Klaus Peter Heigel.


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