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Urteil mit Symbolkraft Landgericht Würzburg: VW muss Auto zurücknehmen

Das Landgericht Würzburg hat VW wegen sittenwidriger Schädigung zur Rücknahme eines Fahrzeugs verurteilt. Das Urteil ist eine kleine Sensation. Denn es richtet sich nicht gegen Autohändler sondern direkt gegen den Hersteller VW.

Von: Albrecht Rauh

Stand: 09.03.2018

Das Urteil des Landgerichts Würzburg macht auch Reinhold Gieß Hoffnung. Der Waldbüttelbrunner hat sich vor acht Jahren einen VW-Diesel gekauft. Demnächst ist auch sein Prozess und auch er erhofft sich eine Erstattung des Kaufpreises.

"Sie haben mit niedrigen CO2-Werten geworben und deswegen habe ich mich unter anderem dafür entschieden. Gerade aufgrund dieser Werbung"

Reinhold Gieß, Besitzer eines Diesel-VWs

VW hat bereits in der Vergangenheit Prozesse gegen Fahrzeughalter verloren, die sich vom Autohersteller hintergangen fühlten. Innerhalb dieser Verfahren wurden Mängel an einzelnen Fahrzeugen festgestellt und die VW-Händler auf ihre Gewährleistungspflichten verwiesen.

Kundeninteressen gestärkt

Das Würzburger Urteil stärkt die Interessen der VW-Kunden gegenüber dem Hersteller, auch wenn die Ansprüche aus den Kaufverträgen schon verjährt sind. Die Ansprüche gegen den Hersteller können noch bis zum 31.12.2018 geltend gemacht werden.

Vorsicht bei Klagen

Die Entscheidung des Landgerichts hat große Symbolkraft. Trotzdem ist Vorsicht geboten, denn andere Gerichte könnten andere Urteile fällen. Außerdem will der VW-Konzern in Berufung gehen.

"Am Schluss gilt es dann, wenn der Bundesgerichtshof sagt, dass das Verhalten sittenwidrig war. Vorher ist es tatsächlich so, dass das jeder Richter selber entscheiden muss."

Alexander Lang, Anwalt

Die Erfolgschancen geschädigter Autofahrer sind nach dem Urteil gestiegen. Solange es aber keine einheitliche Rechtsprechung gibt, sollten nur Mandanten mit Rechtschutzversicherung Prozesse anstreben.


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