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Umstrittene Pläne Stadtrat: Schweinfurt bewirbt sich um die Landesgartenschau 2026

Was Würzburg dieses Jahr hat, will Schweinfurt im Jahr 2026 haben: Der Schweinfurter Stadtrat hat Grünes Licht für die Bewerbung zur Landesgartenschau 2026 gegeben. Ende Juli soll feststehen, wer den Zuschlag erhält.

Von: Norbert Steiche

Stand: 26.06.2018

Blick über Schweinfurt | Bild: picture-alliance/dpa

Die Stadt Schweinfurt wird sich für die Ausrichtung einer Landesgartenschau 2026 bewerben. Das hat der Stadtrat bei seiner Sitzung am Dienstagnachmittag (26.06.18) mehrheitlich beschlossen - mit 31 Ja-Stimmen und zehn Gegenstimmen. Abgabetermin für die Bewerbung ist in vier Tagen. Die Stadtverwaltung hat die Bewerbung bereits vorbereitet in der Tasche. Ende Juli soll dann klar sein, wer den Zuschlag für die Landesgartenschau 2026 bekommt.

Landesgartenschau: Schweinfurter SPD fürchtet Hemmschuh für die Stadtentwicklung

Die Pläne sind in Schweinfurt durchaus umstritten: So lehnt die SPD im Schweinfurter Stadtrat das Konzept für eine Landesgartenschau auf dem nordwestlichen Bereich der ehemaligen US-Ledward-Kaserne ab. Ralf Hofmann, der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfaktion, sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass seiner Meinung nach die Gefahr bestehe, eine weitere Stadtentwicklung auf dem Areal bis 2056 zu verhindern. 30 Jahre müssten die Landesgartenschauflächen nämlich gepflegt werden. Bis dahin dürften sie nicht weiter bebaut werden.

"Schweinfurter Liste" will neuen Wald statt einer Landesgartenschau

Aus Sicht von Ralf Hofmann könnte sich beispielsweise die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt bei Bedarf mit ihrem Internationalen Campus nicht erweiteren. Hofmann fürchtet, dass sich eine Landesgartenschau als riesige und kostspielige "Luftnummer" erweisen könnte. Auch andere lehnen die Pläne ab. Ulrike Schneider von der Schweinfurter Liste zum Beispiel plädiert dafür, auf der potentiellen Landesgartenschau-Fläche zehn Hektar neuen Wald anzupflanzen. Das sei deutlich günstiger und nachhaltiger, als elf Millionen Euro in die Daueranlagen zu stecken, so Schneider.

In eine Landesgartenschau in Schweinfurt müssten rund 26 Millionen Euro investiert werden. Davon würden 13 Millionen Euro für die Anlagen benötigt und nochmal ein ähnlicher Betrag für den laufenden Betrieb.


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Rosa Rot, Mittwoch, 27.Juni, 11:48 Uhr

2. Warum so bescheiden?

Wie wäre es mit der Bewerbung für die Austragung der Olympische Spiele? Wer es sich leisten kann intakten Wohnraum für Prestigeprojekte zu schleifen, schafft Olympia allemal. Schweinfurt ist ja schon bunt :)

  • Antwort von Manfred Reinshagen, Mittwoch, 27.Juni, 14:00 Uhr

    Den intakten Wohnraum, der abgerissen wurde, hätte man u.a. für Studenten nutzen können. Die Amerikaner investierten fast eine Milliarde Dollar in die Sanierung ihrer Areale. Askren Manor war 2014 im besten Zustand, mit ca. 700 Wohneinheiten und wurde von der Stadt zum Schnäppchenpreis erworben. Hätte ggf. die SWG übernehmen können(?) Es wäre ein gutes Geschäft und SW hätte jetzt fast 2000 Einwohner mehr. Stattdessen lies man alles leer stehen, was schadet, bricht fast alles ab und nennt das "nachhaltig".

    Ich meinte keine eigene Techn. Universität (TU), sondern nach Erlanger Vorbild, wo in Nürnberg eine technische Abteilung gegr. wurde, dasselbe in SW. Der Wohnraum für Studenten ist hier günstiger als in WÜ oder München (TU-Standort). Studentenwerk und Mensa wären für den Anfang auch schon da. Zunächst nur für TU Kernfächer, wie E-Technik, Maschinenbau, Mechatronik, Informatik. Das wäre kein Luxus für SW, sondern existenziell: demografisch, wie gegen das soziale Ungleichgewicht.

Manfred Reinshagen, Mittwoch, 27.Juni, 08:51 Uhr

1. Entscheidung des Schweinfurter Stadtrats für eine Landesgartenschau (LGS)

26 Mio. € Steuergelder(!) werden investiert, mit hochriskanter Gegenfinanzierung. Damit die Entwicklung der Stadt auf ihren knappen Flächen behindert wird und eine LGS an den schlechtesten und riskantesten Ort (Flüchtlinge in fernerer Zukunft?) kommt. In eine Panzerkaserne, mit 80 Jahre alten Betonplatten und verdichteten Boden, wo kein Baum wurzeln kann. Unmengen Humus (woher?) und viele Meter tiefer Bodenaustausch wären nötig, um versiegeltes und erschlossenes Gelände zurückzubauen. Deshalb scheiterten oft Renaturierungen von Industriebrachen.

Die Region leidet unter Fachkräftemangel, einer Wachstumsbremse mit Milliardenverlusten. Die FH, im Endausbau, mit i-Campus, mit 6000 Studenten in SW, ist viel zu wenig für eine Region mit 430.000 Einw. Die Stadt braucht zum wirtschaftlichen Überleben (Demografie!) eine Technische Universität, z. B. als Zweig der Uni Würzburg. Am Anfang reichten wichtige Fachrichtungen. In Ledward wäre das kostengünstig möglich - SW würde Universitätsstadt.

  • Antwort von Chaim, Mittwoch, 27.Juni, 12:38 Uhr

    @Manfred Reinshagen
    Sehr guter Kommentar - besonders der zweite Absatz.
    Den wollen aber weder Stadtrat/Stadtverwaltung p l u s Landrat/Landratsamt etc. weder verstehen noch gelten lassen.
    Bei einer Einweihungsfeier hätte man doch die beste aller Möglichkeiten, sich persönlich zu präsentieren.
    Und die Bevölkerung? Da fehlt es in den grössten Teilen am Verstehen-wollen und am Verstehen-können.
    Klingt zwar sehr hart - ist aber so.