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Schweinfurt/Münnerstadt Leichen als Übungsobjekte - Bestatter weist Vorwürfe zurück

Gegen einen Bestatter aus Schweinfurt wird wegen Verdachts der Störung der Totenruhe ermittelt. Laut Süddeutscher Zeitung soll er dem Bundesausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt Verstorbene für Schulungszwecke zur Verfügung gestellt haben.

Stand: 19.07.2018

Ein Sarg wird zu Grabe getragen | Bild: pa/dpa

Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) in ihrer heutigen Ausgabe (19.07.18) berichtet, soll der Schweinfurter Bestatter dem Ausbildungszentrum mindestens sieben Verstorbene zur Verfügung gestellt haben – angeblich ohne, dass die Angehörigen davon wussten. An den Leichen sollen mehrere angehende Bestatter geübt haben.

Hilfe für Aufbahrung am offenen Sarg geleistet

Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk weist der Bestatter diese Vorwürfe zurück. Richtig sei dagegen, dass die Toten zu Spezialisten des Ausbildungszentrums gebracht worden seien. Die Angehörigen wünschten jeweils, dass eine Verabschiedung am offenen Sarg stattfinden konnte. Doch der Zustand der Toten habe Behandlungen erforderlich gemacht, die nur so genannte Thanatopraktiker leisten können. "Wir haben den Angehörigen gesagt, dass wir fachliche Hilfe dazu holen. Dem wurde jedes Mal zugestimmt", sagt der Bestatter. Im Münnerstadter Ausbildungszentrum seien oft die besten Experten Deutschlands vor Ort "und die haben uns in diesen Einzelfällen Hilfestellung geleistet".

Bestatter: "Ich habe mich keiner Straftat schuldig gemacht"

Bei diesen Rekonstruktionsarbeiten an den Toten seien mit Sicherheit auch Auszubildende dabei gewesen, räumt er ein. Aber dabei sei immer "die Würde des Verstorbenen gewahrt" worden. Der Vorwurf, den Leichen seien vorsätzlich Wunden zugefügt worden, um den Auszubildenden Behandlungsmöglichkeiten zu zeigen, sei "absolut falsch". Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sieht der Bestatter gelassen entgegen. "Ich habe mich keiner Straftat schuldig gemacht", erklärt er im BR-Interview. "Die Ermittlungen unterstütze ich, wo ich kann". Man dokumentiere alles und könne jeden Schritt nachweisen, man habe nichts zu verbergen. Die fraglichen Fälle liegen laut ihm rund fünf Jahre zurück. Es habe sich höchstens um "eine Hand voll" gehandelt, so der Unternehmer.

Ehemaliger Mitarbeiter erhebt Vorwürfe

Die Vorwürfe kommen von einem ehemaligen Mitarbeiter, er hat laut SZ Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt bestätigte das der Zeitung. Ein erstes Ermittlungsverfahren sei zunächst eingestellt worden mit dem Hinweis, dass es keinen hinreichenden Tatverdacht auf eine Störung der Totenruhe gebe. Inzwischen haben sich aber wohl weitere Zeugen gemeldet. Sie wollen unter anderem beobachtet haben, dass Verstorbenen extra Wunden zugefügt wurden, damit die Auszubildenden Nähtechniken üben können. Der Bestatter entgegnet, dass ihn ein ehemaliger Hilfsarbeiter angezeigt hat, von dem er sich getrennt habe, weil er den Qualitätsanforderungen nicht gerecht geworden sei.


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Manu, Samstag, 21.Juli, 13:39 Uhr

6. Was wisst ihr von dem Beruf?

Hallo ich bin selber in dem Beruf! Also ganz ehrlich Medizinstudent bekommen Leichen zu diesem Zweck schon zur Verfügung gestellt! Informiert euch doch alle erstmal bevor Ihr euch in Themen einbringt! Ich war selbst zu Schulungen in Münnerstadt und dort wird keiner Leiche zusätzliche Wunde zugefügt oder sonstiges getan was nicht pietätvoll wäre und den Toten entehrt! Ich bin kein Azubi sondern jemand im mittleren Alter der diesen Beruf als sehr wertvoll und wichtig sieht! Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche aber bei den Besattern ist es immer gleich die Geldgeilheit die gesehen wird, des ist so arm dieses denke! Frage euch mal was ihr wirklich darüber wisst, gerne kann jeder bei uns vorbei kommen und wir reden und zeigen euch dann was Fakt ist dann könnt Ihr mitsprechen, weil ich denke die Hälfte derer die sich hier äußern rennen davon wenn sie den ersten Toten in echt sehen, berühren und riechen!

Richard Krauss, Freitag, 20.Juli, 11:24 Uhr

5. Unschuldsvermutung

Es gilt der rechtliche Grundsatz der Unschuldsvermutung. Die Ermittlungsbehörden werden der Angelegenheit ausreichende Aufmerksamkeit zukommen lassen. Es ist ist für keine Seite hilfreich, Vorabverurteilungen vorzunehmen.

Matze, Freitag, 20.Juli, 01:30 Uhr

4. Na und?

Wir alle sollten froh sein, dass es in diesem hochsensiblen Beruf - der über keinerlei Zugangsbeschränkungen verfügt - junge Menschen gibt, für die der Tod kein Tabuthema ist und die diesen sicher schwierige Ausbildung freiwillig absolvieren. Weiter sollte man froh sein, dass es gestandene Unternehmer gibt, die es den jungen Leuten ermöglichen, diesen Beruf zu erlernen. Es ist doch ganz klar, dass ein Bestatter auch mit Toten zu tun hat. Wie sollen die Auszubildenden das Wissen bekommen, wie man hygienisch und pietätvoll mit Toten umgeht? Das Wissen wächst doch nicht auf Bäumen. Was ist so schlimm daran, wenn ein Verstorbener 30 km von Schweinfurt entfernt unter absolut professioneller Anleitung einwandfrei versorgt und so den Hinterbliebenen ein würdiger Abschied gewährleistet wird? Da gibt es (leider) in der Branche noch ganz, ganz andere Dinge, die viel schlimmer sind.

  • Antwort von Jürgen, Freitag, 20.Juli, 07:05 Uhr

    Hier geht es nicht nur um das versorgen der Leichen!
    Wie oben zu lesen ist "den Leichen seien vorsätzlich Wunden zugefügt worden, um den Auszubildenden Behandlungsmöglichkeiten zu zeigen"
    Sowas ist eine Sauerei und ich denke nicht das es hierfür eine Genehmigung der Hinterbliebenen gab.

Frau Schneider, Donnerstag, 19.Juli, 17:29 Uhr

3. Achtung, geschmacklos

Man müsste seine sterblichen Überreste zu Übungszwecken freistellen können, dafür muss die Bestattung billiger werden...

Thomas, Donnerstag, 19.Juli, 13:37 Uhr

2. 2. Auch tot noch ausgebeutet

Kann auch die Rache des entlassenen Mitarbeiters sein um dem ehemaligen Chef zu schaden. Alles noch offen.

  • Antwort von TheRy, Donnerstag, 19.Juli, 15:26 Uhr

    Ich gehe auch von der Rache des ehemaligen Angestellten aus. Der soll sich inzwischen selbstständig gemacht haben und will sicherlich der Konkurrenz schaden. Armes Würstchen der Gute. Zum Glück hat der Geschädigte einen guten Ruf in Fachkreisen, da weiß man schon Bescheid.

  • Antwort von Jürgen, Donnerstag, 19.Juli, 23:05 Uhr

    Vorsicht TheRy mit solchen Anschuldigungen.
    Wie oben steht gibt es mehrer Zeugen also nicht nur die eines einzelnen ehmalugen Angestellten.
    Und ich glaube nicht das sich ein ehemaliger Hilfsarbeiter als Bestatter selbstständig machen kann.
    Also vorsicht mit solchen Rufschädigenden Anschuldigungen. So waas kann schnell nach hinten losgehen!

  • Antwort von Matze, Freitag, 20.Juli, 20:24 Uhr

    Falsch TheRy: Es kann sich leider jeder als Bestatter selbständig machen. Eine Gewerbeanmeldung reicht vollkommen aus. Zugangsvoraussetzungen oder Zugangsbeschränkungen gibt es nicht.