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Europa nach der Reise des US-Präsidenten Trump ist weg, der Schaden bleibt

Aggressiv gegenüber den Nato-Verbündeten, feindselig gegenüber der EU, freundschaftlich im Umgang mit Putin – US-Präsident Donald Trump hat in Brüssel, London und Helsinki die schlimmsten Befürchtungen der Europäer wahr werden lassen.

Von: Kai Küstner

Stand: 17.07.2018

Trump und Putin  | Bild: picture-alliance/dpa

Nach der einwöchigen Europa-Reise Trumps fällt die Bilanz innerhalb der EU negativ aus. Aber: Die Staatengemeinschaft antwortet nun eher mit Taten als mit Worten. Sie vertieft zum Beispiel die Beziehungen zu Partnern anderswo auf dem Erdball. Etwa mit Japan.

Trump nannte EU einen "Gegner"

"Politisch gesehen ist dies ein Licht inmitten der immer düsterer werdenden internationalen Politik“, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk, kurz nachdem er das Handelsabkommen mit Japan unterzeichnet hatte - das bislang größte der EU. Tusk ließ keine Missverständnisse aufkommen, an wen sich die folgende Botschaft richtete - ohne den Namen Donald Trump je auszusprechen:

"Wir sind ausrechenbar, verantwortungsbewusst und werden eine Weltordnung verteidigen, die auf Werten, auf Freiheit, Transparenz und gesundem Menschenverstand basiert."

EU-Ratspräsident Tusk  

Ob der US-Präsident die Nachkriegs-Architektur bewusst einzureißen sucht oder dies eher eine unbeabsichtigte Folge seiner Politik ist, darüber wird in Europa noch spekuliert. Die EU jedenfalls hat Trump auf seiner einwöchigen Reise offen als 'Gegner' bezeichnet – Russlands Präsident Putin dagegen umschmeichelte er beim Helsinki-Gipfel mit Komplimenten.

Trump schweigt zur russischen Ukraine-Politik

Der EU-Parlamentarier Arne Lietz kritisiert im Interview mit dem ARD-Studio Brüssel: "Europa hat am Bildschirm mitverfolgen müssen, was aus diesen Gesprächen inhaltlich geworden ist. Das gab es vorher so nicht."

Sozusagen von den Zuschauerrängen aus verfolgten die Europäer, wie der US-Präsident all das in seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin aussparte, was der EU zu sagen ein Anliegen gewesen wäre: Kritik an der Krim-Annexion oder der Einmischung Russlands in der Ostukraine etwa. Der ehemalige polnische Außenminister Radoslaw Sikorski fragt sich auf Twitter, ob Trump sein Land wirklich im Falle eines Putin-Angriffs verteidigen würde.

Der SPD-Politiker Lietz fordert jedenfalls, dass die EU ihr Verhältnis zu den USA neu ausrichtet: "Das kann nur gehen, wenn wir ein souveränes, selbstbewusstes Europa haben – das insbesondere in außenpolitischen Fragen geeint ist."

Europa wird Trumps Reise in Erinnerung behalten

Dass die EU sich zunehmend auf eigene Füße stellen muss, ist als Erkenntnis in den europäischen Hauptstädten bereits gereift. Doch schnell wird das nicht gehen und einfach wird es auch nicht. Es ist aber davon auszugehen, dass der einwöchige Trump-Trip als erneuter Weckruf gewirkt haben dürfte – denn dies war eine Reise, die Europa so schnell nicht vergessen dürfte.

Nunmehr bestätigt ist, dass Mittwoch in einer Woche EU-Kommissionschef Juncker nach Washington reisen wird, um mit Trump unter anderem über den Handelsstreit zu reden. Einen schwierigeren Zeitpunkt für diesen Besuch hätte sich Juncker kaum aussuchen können.  


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