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Illegale Tiertransporte Tierheime schlagen Alarm

Die Welle an illegalen Welpentransporten reißt nicht ab. Nahezu täglich entdecken Fahnder der Bundespolizei bei Kontrollen junge Tiere, die nach Deutschland geschmuggelt werden. Die Besitzer haben weder gültige Papiere noch Impfpässe für die Hunde. Rund 100.000 Hundewelpen aus Osteuropa kommen jedes Jahr zu uns. Zu jung für den Transport, viele lebensgefährlich krank.

Von: Katharina Heudorfer

Stand: 17.05.2017

Wenn Zoll oder Polizei bei einer Kontrolle verdächtige Tiere entdecken, dann wird der Amtstierarzt geholt. Er entscheidet, ob die Tiere in Quarantäne müssen. Meist kommen die Hunde für Monate ins Tierheim. Doch die zunehmenden Aufgriffe von illegalen Tiertransporten bringen Tierheime in ganz Bayern an den Rand ihrer Kapazitäten. Wie in Nürnberg: Anfang Mai landeten dort wieder 42 Welpen. Alle ohne Tollwutimpfung und schwerkrank.

"Wenn man sieht, wie klein solche Tiere sind, so dass sie noch wochenlang nicht von ihren Müttern weg gedurft hätten, wenn man sieht, dass denen der Rotz aus der Nase kommt, dass die Hintern verklebt sind vom Durchfall: Da blutet einem einfach das Herz und macht einen unheimlich wütend auf die Menschen, die das zulassen."

Tanja Schnabel, Leiterin Tierheim Nürnberg

Tierheime überfordert

Enorme Kosten für Tierheime

2017 wurden in Bayern mindestens 25 illegale Tiertransporte mit über 240 Tieren entdeckt. Die Kosten belaufen sich allein von Januar bis Mai auf rund 300.000 Euro. Insgesamt blieben die Heime in den letzten Jahren auf 800.000 Euro sitzen.

Dazu kommt: So viele kranke Tiere können die Existenz des Tierheims bedrohen. Denn immer wieder bleiben Tierheime auf ihren Kosten für die Pflege der aufgegriffenen Tiere sitzen. Denn in Bayern gibt es - anders als in anderen Bundesländer - keine Landesgelder für Tierheime. Doch wer muss zahlen? Eigentlich der ursprüngliche Besitzer der Tiere. Doch die sind oft nicht greifbar.

Landkreise sollen die Kosten übernehmen

Auf Anfrage von Kontrovers teilt das Bayerische Umweltministerium mit: "Die Unterbringung von Welpen aus tierschutzwidrigen Transporten ist Aufgabe der örtlich zuständigen Kreisverwaltungsbehörden." Zuständig für die Kostenübernahme sind also die Landkreise. Doch wie hoch die jeweiligen Zuschüsse am Ende ausfallen – das ist Verhandlungssache und von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich: Einige Kommunen lösen das über eine Pauschale – pro Einwohner gibt es jährlich einen bestimmten Cent-Betrag für das Tierheim.

Grenznahe Gebiete besonders betroffen

Schwierige Strafverfolgung

Den Tierheimen entstehen Auslagen, die sie eigentlich von den kommunalen Behörden erstattet bekommen sollten. Die wiederum versuchen, das Geld vom Verursacher zu bekommen, etwa dem Welpen-Händler oder Transporteur. Sitzt der allerdings im Ausland, wird es richtig schwierig. Ihn zu belangen, ist fast unmöglich, denn die Verfolgung von Tierschutzverstößen ist laut EU-Recht nicht europaweit vorgesehen - wie es etwa bei der Verfolgung von Strafzetteln der Fall ist.

Besonders stark betroffen sind die Grenzlandkreise. Den Tierheimen im Berchtesgadener Land stehen beispielsweise noch 320.000 Euro für ihre Aufwendungen zu. Nach Meinung von Landrat Georg Grabner handelt es sich dabei jedoch um Sonderfälle, die der Staat bezahlen sollte.

"Diesen Aufwand haben andere Landkreise, die keinen Grenzübergang haben, nicht. Der ist nicht abgebildet über den kommunalen Finanzausgleich. Also das sind Sonderfälle, und für Sonderfälle soll gefälligst auch der Staat bezahlen"

Landrat Georg Grabner

Tierheim Schweinfurt erhebt Klage

Klamme Kassen

Die finanzielle Unsicherheit belastet Bayerns Tierheime. Sie sind privatwirtschaftlich organisiert – das heißt die Finanzierung erfolgt in erster Linie durch Spenden, Erbschaften und Mitgliedsbeiträge. Doch die reichen nicht mehr. Laut Gesetz stehen die Kommunen in der Pflicht,  weil sie zuständig für die Unterbringung von Fundsachen sind. Darunter fallen auch Fundtiere.

In Schweinfurt ist der Streit ums Geld bereits eskaliert. Schon 2013 versorgte das Tierheim dort 25 Welpen aus einem illegalen Tiertransport. Bis heute hat das Landratsamt nur einen Bruchteil der Kosten erstattet. Für über 30.000 Euro verweigert es die Zahlung. Jetzt klagt das Tierheim zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund.

"Das sind staatliche Aufgaben, die hier vollzogen werden. Das Veterinäramt könnte solche Welpentransporte auch in einer Tierklinik unterbringen, aber die Tierklinik würde das auch nicht umsonst machen."

Andreas Brucker, Geschäftsstellenleiter Bayerischer Tierheimverband

Grundsatzentscheidung vor Gericht?

Aus dem Landratsamt Schweinfurt heißt es jedoch: "Eine Anordnung zu Quarantäne begründet keinesfalls Ansprüche für die Kosten von Unterbringung und tierärztlicher Versorgung." Wer aber zahlt dann? Bayerische Tierheime finanzieren sich fast ausschließlich aus Spenden! Jetzt hofft man auf eine Grundsatzentscheidung vor Gericht.

"Für mich wäre es ein Traumzustand, wenn sich der Freistaat Bayern dazu durchringen würde, einen Topf zur Verfügung zu stellen, damit solche Welpentransporte von den Vereinen gut bewältigt werden können."

Johannes Saal, Vorstand Tierschutzverein Schweinfurt

Keine finanzielle Unterstützung vom Freistaat

Dass Tierheime um ihre Existenz kämpfen müssen, steht in einem krassen Widerspruch zum Verfassungsrang des Tierschutzes. Denn seit 1998 ist der als Staatsziel in der Bayerischen Verfassung Art. 141 Absatz 1 Satz 2 festgeschrieben: "Tiere werden als Lebewesen und Mitgeschöpfe geachtet und geschützt."
Allerdings hat die Staatsregierung schon im Jahr 1994 die direkte finanzielle Unterstützung der Tierheime eingestellt. Damals wurde der Förderbeitrag von 100.000 DM gestrichen, weil diese vergleichsweise geringe Summe zu viel Verwaltungsaufwand verursache.


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Maierhofer Christine, Freitag, 19.Mai 2017, 23:02 Uhr

15. Welpenhandel

Solange Tiere als Sache behandelt werden und nur geringe Geldstrafen zu erwarten sind,wird sich nichts andern.15

Helmut, Donnerstag, 18.Mai 2017, 20:31 Uhr

14. Kostenfrage ?

Ist natürlich einfach, beschlagnahmte Tiere als Fundtiere zu bezeichnen und die Kosten den Gemeinden zuzuschieben. Die Leidtragenden sind die Tiere und die Tierheime.
Hier stiehlt sich der Staat aus der Verantwortung, nicht nur für die Kosten, sondern auch, den illegalen Tierhandel wirksam zu unterbinden.

Selim, Donnerstag, 18.Mai 2017, 19:42 Uhr

13. Veröffentlichen

Die Namen dieser Händler veröffentlichen, damit Kundschaft abgeschreckt wird.

Selim, Donnerstag, 18.Mai 2017, 19:35 Uhr

12. Kein Pardon

Auto wegnehmen .

thorie, Donnerstag, 18.Mai 2017, 18:22 Uhr

11. auf dieses Urteil

bin ich gespannt.