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Anschlag bei Hochzeitsfeier in der Türkei Internationale Verurteilung des Attentats

Die USA, Deutschland und die EU - sie alle sichern der Türkei nach dem Anschlag vom Samstag ihre Solidäritat im Kampf gegen den Terrorismus zu. Mindestens 54 Menschen starben bei dem Selbstmordattentat, 22 Opfer waren jünger als 14 Jahre.

Von: Thomas Bormann und Patrizia Kramliczek

Stand: 22.08.2016

Zwei Frauen trauern um Opfer des Bombenanschlags auf eine Hochzeitsfeier im türkischen Gaziantep am 20.8.16 | Bild: picture-alliance/dpa

Wahrscheinlich war es ein erst 12 bis 14 Jahre alter Junge, der sich auf einer Hochzeitsfeier in der Provinz Gaziantep, nahe der Grenze zu Syrien, in die Luft sprengte. Laut der pro-kurdischen Partei HDP waren viele Mitglieder ihrer Partei auf dem Fest anwesend. Laut türkischen Medienberichten ist die Zahl der Toten inzwischen auf 54 gestiegen. 66 Verletzte werden demnach noch in Krankenhäusern behandelt.

Solidarität im Kampf gegen Terrorismus

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Anschlag scharf verurteilt. In einem Beileidstelegramm an den türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim drückte Merkel Mitgefühl und Beileid aus und beklagte: "Erneut sind unschuldige Männer, Frauen und Kinder zum Opfer feiger und hinterhältiger Gewalt geworden." Die Bundesregierung stehe im Kampf gegen den Terrorismus weiter eng an der Seite der Türkei.

Auch die EU-Kommission sicherte der türkischen Regierung Solidarität und verstärkte Zusammenarbeit im Kampf gegen Terror zu.

"Wir sind zusammen in einem gemeinsamen Kampf."

EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und Erweiterungskommissar Johannes Hahn.

Auch CSU-Europaparlamentarier Manfred Weber verurteilte den Anschlag. Die türkische Regierung hatte der EU zuletzt fehlende Solidarität vorgehalten, vor allem nach dem gescheiterten Putsch Mitte Juli.

US-Vizepräsident Biden reist in die Türkei

Die Regierung der USA verurteilte den "abscheulichen Angriff". Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA erklärte, dass die USA in engem Kontakt mit den türkischen Behörden stünden und Vizepräsident Joe Bidenam Mittwoch nach Ankara reisen werde, um die Bereitschaft der USA zu bekräftigen "gemeinsam mit der Türkei, unserem geschätzten Nato-Verbündeten und Partner, der Plage des Terrorismus die Stirn zu bieten".

"Wir stehen bei der Verteidigung der Demokratie gegen alle Arten von Terrorismus an der Seite des türkischen Volkes."

Ned Price, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA

Attentat nahe der Grenze zu Syrien

Ziel des Anschlags war eine Hochzeitsfeier in der Provinz Gaziantep in der Nähe der Grenze zu Syrien. Wie Präsident Recep Tayyip Erdogan gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu äußerte, liegt die Zahl der Opfer bei 51. 69 Menschen seien verletzt worden, davon 17 schwer.

"IS" hinter Explosion vermutet

Demnach hatte sich der Attentäter unter die Hochzeitsgäste gemischt und dann eine Bombe mit großer Sprengkraft gezündet. Mehrere türkische Politiker und Medien hatten gleich nach der Tat die IS-Terrormiliz hinter dem Anschlag vermutet, weil sie ganz in der Nähe - im Norden Syriens - große Gebiete kontrolliert. Bislang hat sich jedoch niemand zu dem Attentat bekannt. Vize-Ministerpräsident Şimşek sagte, es sei noch zu früh, um sagen zu können, wer hinter diesem Anschlag stecke.

Ministerpräsident Binali Yildirim verurteilte den neuerlichen Anschlag als "Massaker beispielloser Grausamkeit und Roheit". Der "IS" hat in der Vergangenheit wiederholt Angriffe auf kurdische Versammlungen verübt. Die Türkei wird seit Monaten von Anschlägen erschüttert. Einige werden dem sogenannten "Islamischen Staat" zugeschrieben, andere radikalen Kurdengruppen.


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Plausibilitätsprüfer, Montag, 22.August 2016, 00:22 Uhr

3. Bekenner zur Anschlag

Zu vergleichsweise kleineren Anschlägen in Deutschland bekennt sich der IS. Zu den französischen Anschlägen auch. Zu allen türkischen Anschlägen bisher nicht.
Warum?

Wanda, Sonntag, 21.August 2016, 23:12 Uhr

2. Unbequeme Wahrheiten

Wenn auch nur irgend jemand fordert, der Islam und seine Imame mögen uns doch allmählich einmal erklären wieso ihre Religion dieses enorme Potenzial zur Gewaltmobilisierung hat, dann ist er schon fremdenfeindlich oder gar ein Nazi.
Letzeres wäre sowieso blödsinnig, weil die Nazis dem Islam als juden/israel-feindliche Religion doch wohl eher Sympathie entgegenbringen müssten, oder ?
Eines jedoch darf man wohl behaupten: die irren Täter aller grösseren Terroraktionen und auch die mit weniger Opfern, sie alle haben sich ohne Ausnahme auf den Islam berufen. Generell gilt wohl: nicht alle Muslime sind Terroristen - aber alle Terroristen waren Muslime...
- Abschliessend Frage an Radio Erdogan: welcher Religion sind wohl die Verantwortlichen der Terrorakte in der Türkei ? Christen waren es jedenfalls nicht.
Soviel zur friedlichen Religion des Propheten...

  • Antwort von Franz, Montag, 22.August, 15:09 Uhr

    Wie erklären Sie sich das Potenzial zur Gewaltmobilisierung bei den Nazis ?

    Alle Terroristen waren Muslime ? In D sind jedenfalls mehr Menschen durch Neonazis oder sonstige brave Bürger gestorben als durch Muslime.

W.G., Sonntag, 21.August 2016, 21:27 Uhr

1. Der Preis ist hoch

Der Preis den die Kurden für den Kampf um die Unabhängigkeit und gegen den IS bezahlen, ist hoch.

Der tolle allerseits beliebte Herr Erdogan wird sich sicher mit Aktionen gegen den IS ueberschlagen so lange die nur Kurden töten.

Auf deutsch: Das war bestimmt nicht das letzte Attentat dieser Art gegen Kurden.

Das dabei auch noch Kinder als Attentäter missbraucht werden zeigt die Perversion der Auftraggeber.