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Studie von US-Forschern Zahl der Muslime in Deutschland steigt

"Der Islam gehört zu Deutschland", sagt Kanzlerin Merkel. Millionen Muslime leben hier. Ihr Anteil wird laut einer Studie bis 2050 weiter steigen. Im Extremfall halten die Forscher sogar eine Verdreifachung des Anteils an der Gesamtbevölkerung für denkbar.

Von: tagesschau.de

Stand: 30.11.2017

Muslime beten in der Merkez-Moschee in Duisburg | Bild: picture alliance / dpa

Der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung wird einer Studie zufolge in Deutschland ebenso wie in Europa insgesamt bis zum Jahr 2050 deutlich steigen. Das US-Forschungsinstitut Pew Research Center veröffentlichte eine Untersuchung mit drei möglichen Szenarien: Diese reichen von einem Stopp jeglicher Migration bis zur Fortsetzung der hohen Flüchtlingszahlen der Jahre 2014 bis 2016.

In allen Varianten ergaben die Schätzungen einen Anstieg der Zahl der Muslime - allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Das Forschungszentrum betonte aber, Migrationszahlen könnten wegen unvorhersehbarer politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen nicht genau vorhergesagt werden.

Aktuelle Zahl kann nur geschätzt werden

Die Pew-Studie basiert auf einer Reihe von Annahmen. Ein Problem ist dabei allerdings, dass schon die derzeitige Zahl der Muslime in Deutschland und Europa nur geschätzt werden kann. Das Statistische Bundesamt erklärte selbst nach dem Zensus 2011, dass keine verlässlichen Zahlen zum Islam in Deutschland vorgelegt werden könnten.

Die Bundesregierung geht von 4,4 bis 4,7 Millionen Muslimen in der Bundesrepublik aus. Diese Angaben basieren auf einer Schätzung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zum Jahresende 2015. Die Autoren der Pew-Studie gehen davon aus, dass 2016 insgesamt 4,95 Millionen Muslime in Deutschland lebten.

Drei Szenarien mit unterschiedlicher Wirkung

Auf dieser Basis schätzten die Forscher die Entwicklungen für drei Modellvarianten: Im sogenannten "Null-Migrationsszenario" nahmen sie an, dass die weitere Zuwanderung sofort enden würde. Die Zahl der Muslime in Deutschland stiege demnach bis 2050 auf 5,99 Millionen. Diese Schätzung stützt sich auf die Tatsache, dass hier lebende Muslime im Schnitt deutlich jünger sind als der Rest der Bevölkerung und die Geburtenrate bei muslimischen Frauen derzeit höher liegt. In diesem Szenario würde sich der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung von 6,1 auf 8,7 Prozent erhöhen.

In ihrem als "mittleres Migrationsszenario" bezeichneten Modell schätzen die Pew-Forscher die Entwicklung unter der Annahme, dass zwar keine weiteren Flüchtlinge mehr ins Land kommen, aber die Migration etwa durch Studierende oder Arbeitskräfte weitergeht. Unter diesen Voraussetzungen rechnen die Forscher für 2050 mit 8,48 Millionen Muslimen in Deutschland - einem Bevölkerungsanteil von 10,8 Prozent.

Das dritte Modell bezeichnet die Pew-Studie als "hohes Migrationsszenario". Es basiert auf der Annahme, dass neben der "regulären Migration" etwa von Arbeitssuchenden auch weiterhin so viele Flüchtlinge nach Europa kommen wie in den Jahren 2014 bis 2016. Zugleich geht die Kalkulation davon aus, dass in dieser Variante auch die Zusammensetzung der Flüchtlinge unverändert bleibt - und damit der Anteil der Muslime unter der Schutzsuchenden. In diesem Modell könnten 2050 rund 17,5 Millionen Muslime in Deutschland leben - bei einem Bevölkerungsanteil von 19,7 Prozent.

Frankreich mit höchsten Anteil an Muslimen

Die Studie vermerkte, dass die Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen Jahren "extrem hoch verglichen mit dem historischen Durchschnitt" gewesen sei. Die Länder in Europa hätten mittlerweile Maßnahmen getroffen, um die Flüchtlingszahlen zu verringern.

Für seine Studie werteten die Pew-Forscher Daten aus den EU-Staaten, Norwegen und der Schweiz aus. In Frankreich leben mehr Muslime (rund 5,7 Millionen) als in jedem anderen europäischen Land. Ihr Anteil an der französischen Gesamtbevölkerung liegt den Angaben zufolge bei 8,8 Prozent. Für Schweden schätzt das Institut den Anteil auf 8,1 Prozent, für Großbritannien auf 6,3 Prozent. Zum Vergleich: In Polen, das sich vehement gegen eine Umverteilung der zwischen 2014 und 2016 zugewanderten mehrheitlich muslimischen Flüchtlinge wehrt, sind weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung Muslime.

Europaweit könnten der Studie zufolge 2050 zwischen 7,4 Prozent - im "Null-Migrationsszenario" - und 14,0 Prozent - im "hohen Migrationsszenario" der Einwohner Muslime sein. Die Unterschiede in den einzelnen Ländern wären demnach aber erheblich. So würde sich die Situation in Ländern wie Polen oder Rumänien in keinem der Szenarien erheblich ändern, weil dort vergleichsweise wenige Muslime leben beziehungsweise auch nur wenige Einwanderer aufgenommen werden.


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