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#MeToo-Debatte UN-Mitarbeiterinnen beklagen Missbrauch

Dutzende UN-Mitarbeiterinnen haben einem Medienbericht zufolge sexuellen Missbrauch erlitten. In der internationalen Organisation herrsche eine Kultur der Straflosigkeit, berichtet die Zeitung "The Guardian".

Von: Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Stand: 19.01.2018

Das Gebäude der Vereinten Nationen am New Yorker East River | Bild: picture-alliance/dpa

Der Chef an der Spitze der Weltorganisation gilt als ein engagierter Kämpfer für Frauenrechte. Der Portugiese Antonio Guterres, der seit rund einem Jahr im Amt ist, konnte vor ein paar Tagen erst einen Durchbruch in punkto Gleichberechtigung verkünden.

"Mit der gestrigen Ankündigung, eine neue Sonderberaterin für Afrika einzusetzen, haben wir einen Meilenstein erreicht", erklärte er. "Erstmals in der Geschichte ist die Spitzenriege der Vereinten Nationen zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen besetzt, also die 44-köpfige oberste Führungsgruppe."

Bericht: Täter kommen straffrei davon

Ein ganz anderes Bild als das eines fairen Arbeitsplatzes zeichnet dagegen die britische Zeitung "The Guardian". Die Vereinten Nationen hätten zugelassen, dass sexuelle Belästigung und Gewalt in ihren eigenen Büros überall auf der Welt florierten, so heißt es da. Klägerinnen würden ignoriert, Täter kämen straffrei davon.

UN-Sprecher Stephane Dujarric kam gerade einmal eine Stunde nach der Online-Veröffentlichung des Artikels in eine Pressekonferenz - und war dennoch bereits detailliert auf das Thema vorbereitet. Ein Hinweis darauf, wie ernst die Vereinten Nationen das Problem nehmen.

"Gleich vom ersten Tag im Amt hat der Generalsekretär sexuelle Belästigung zu einem Hauptthema gemacht", sagte er. "Dazu gehört auch eine Null-Toleranz-Politik in der Organisation."

"Verbale Zudringlichkeiten bis Vergewaltigung"

Schon seit Jahren sind UN-Blauhelme als Sex-Straftäter ein bislang ungelöstes Problem der Vereinten Nationen. Nun aber geht es um ihre eigenen Büros, ihre eigenen Arbeitsplätze von New York über Wien bis nach Genf.

Der Sprecher des UN-Spitzendiplomaten versucht erst gar nicht, abzuwiegeln. "Keiner glaubt doch, dass die UN anders sind als andere öffentliche oder private Arbeitgeber, wo sexuelle Belästigung vorkommt", so Dujarric. "Es wäre auch keine Überraschung, wenn es dazu eine Dunkelziffer gäbe."

Die britische Zeitung stützt sich auf Interviews mit UN-Mitarbeiterinnen. 15 von ihnen hätten von Belästigung berichtet. Das Spektrum reiche von verbalen Zudringlichkeiten bis hin zu Vergewaltigung. Die "Metoo"-Debatte hat die Weltorganisation erreicht: Der "Guardian"-Artikel wurde bereits mit dem Hashtag "UNtoo" (auch die Vereinten Nationen) weiter verbreitet.

"Der Generalsekretär hat eine UN-weite Taskforce eingesetzt für alle UN-Agenturen, die das Problem sexueller Belästigung untersuchen wird", erklärte Dujarric. Die solle klären, wie die UN besser darauf reagieren können. Eine vergleichbare Arbeitsgruppe gebe es auch für das UN-Generalsekretariat am East River in New York. Niemand sollte Angst haben, sich zu melden.

Telefonische Beratungsstelle angekündigt

Der "Guardian" berichtet dagegen, nur sieben der 15 mutmaßlich belästigten Frauen hätten die Übergriffe gemeldet. Und eine Beraterin des Welternährungsprogramms WFP erklärte, wer sich beschwere, dessen Karriere sei praktisch zu Ende. Alle Gesprächspartnerinnen der Zeitung sind namentlich ungenannt.

UN-Sprecher Dujarric konnte und wollte deshalb auf die Einzelfälle nicht eingehen. Er kündigte aber eine Mitarbeiterbefragung an, eine telefonische Beratungsstelle, Informationsblätter. Klar sei, dass der UN-Chef unerbittlich gegen sexuellen Missbrauch vorgehen werde.

In seiner Auftaktpressekonferenz zum neuen Jahr hatte UN-Generalsekretär Guterres insgesamt zwölf Hauptthemen angekündigt, sowie ein übergreifendes Gebot: Ermächtigung von Frauen überall auf der Welt.


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Elisabeth, Freitag, 19.Januar, 11:08 Uhr

1. Fremdwort mit "gutem Beispiel vorangehen"

Ach die tolle UNO, die eigentlich zurecht jeden Mißbrauch international ankreidet, zeigt sich hier in einem ganz neuen Bild.
Auch hört man immer wieder Unerhörtes und Widerwärtiges von den UN-Blauhelmsoldaten und zwar schon sehr lange. Dagegen wurde auch bis heute nicht richtig konsequent durchgegriffen. Solche Typen gehören doch sofort ohne irgendwelche Abfindungen sofort entlassen und auch eine Strafverfolgung wäre angebracht.