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Rettung aus Tham-Luang-Höhle Thailand feiert seine Helden

In Thailand ist die Freude über die gelungene Rettungsaktion aus der Tham-Luang-Höhle groß. Alle Beteiligten gelten als Helden - und die Vermarktung beginnt bereits. Von Holger Senzel

Von: Holger Senzel

Stand: 11.07.2018

dpatopbilder - 10.07.2018, Thailand, Chiang Rai, Mae Sai: Thailändische Medienvertreter feiern die erfolgreiche Rettungsaktion.  | Bild: dpa-Bildfunk/Sakchai Lalit

Die Pumpen laufen noch in der Tham-Luang-Höhle bei Chiang Rai und spucken schmutzigbraunes Wasser aus. Taucheranzüge hängen zum Trocknen neben den Atemgeräten an einer Leine, silberfarbene Pressluftflaschen stehen in Reih und Glied zum Abtransport bereit - Aufräumen nach dem Wunder von Thailand.

Das ganze Land feiert seine Helden - die tapferen Navy Seals, die in einer riskanten Mission zwölf Jugendfußballer und ihren Trainer gerettet haben: "Danke, danke, danke, dass ihr die Jungen da herausgeholt habt. Ich bin so stolz auf Euch. Auch auf den Navy-Taucher, der sein Leben geopfert hat."

Alle sind Helden

Die Geschichte hat viele Helden - auch die Jungen selbst, elf bis 16 Jahre alt, die zwei Wochen in einer dunklen, feuchtkalten Höhle ausharrten, nicht wussten, ob und wann sie befreit werden - und noch ihren verzweifelten Eltern in Briefen Mut zusprachen, die draußen im strömenden Monsunregen warteten. Am Ende mussten sie durch stockfinstere, enge, wassergefüllte Gänge mit scharfkantigen Schieferwänden nach oben tauchen.

Rettungsaktion mit großem Risiko

Viele Experten hatten dies für unmöglich gehalten und zum Abwarten geraten. Auch der dänische Marinetaucher Ivan Karadcic war schwer beeindruckt: "Die Jungs haben etwas geschafft, was kein Kind zuvor jemals geschafft hat. Die sind ja teilweise erst elf, die mussten da durch die Stockfinsternis tauchen. Wir Taucher hatten große Angst, dass sie in Panik geraten. Wenn ein Teil der Ausrüstung versagt, hast Du ein Backup, bist ausgebildet, damit umzugehen. Aber Menschen sind nicht kalkulierbar, da gibt es keinen Plan B. Es ist unfassbar, wie cool diese Kids waren. Unglaublich starke Kinder."

Viel hätte schief gehen können bei diesem Einsatz. Und neben der professionellen Zusammenarbeit von Tauchern aus vielen Ländern war sicher auch eine gehörige Portion Glück dabei. Für den dänischen Taucher Karadcic, wie für seine Kollegen, war es von Anfang an eine gewaltige Herausforderung, auch psychisch. Er war bei dem Team, das die jungen Männer an Tag zehn nach ihrem Verschwinden entdeckte.

"Ich hatte große Angst, als wir sie entdeckten, dass wir nur noch Leichen finden", erzählt er. "Du kannst ja nichts sehen da unten. Aber als ich dann sah, dass sie lebten und atmeten - Mann, das fühlte sich gut an."

Gerettete in guter Verfassung

Alle 13 Geretteten sind derzeit im Krankenhaus von Chiang Rai zur Beobachtung, abgeschottet von der Öffentlichkeit. Ihre Eltern dürfen sie vorerst nur durch Glasscheiben sehen - das geschwächte Immunsystem soll vor Keimen geschützt werden. Die Jungs und ihr Trainer waren unterkühlt, sie sind geschwächt und unterernährt - aber alles in allem in guter Verfassung.

Vor allem psychisch haben sie das Drama erstaunlich gut überstanden, was sicher auch ihrem Trainer zu verdanken ist: einem erst 25 Jahre alten gläubigen Buddhisten, der mit seinen Schützlingen meditiert und sie so vor dem Durchdrehen bewahrt hat. In Deutschland würde man jetzt womöglich die Schuldfrage diskutieren - immerhin ist der Mann ein großes Risiko eingegangen, als er während der Regenzeit mit seinen Schützlingen in die Höhle ging. Hier wird er als ein weiterer Held gefeiert.

Hollywood war schon da

In Deutschland würde man die Höhle nach einem solchen Drama womöglich auch für immer schließen - Thailands Premier Prayt Chan Ocha sagt ihr eine große Zukunft als Touristenattraktion voraus. Natürlich müsse man die Sicherheit verbessern, aber Menschen aus aller Welt würden den Ort der wundersamen Rettung jetzt sehen wollen. Auch Hollywood war schon da, um über Filmrechte zu sprechen.


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Barbara, Mittwoch, 11.Juli, 17:27 Uhr

5. In Zukunft sollen sich diese Fußballer nicht mehr als "Wild-Schweine" bezeichnen

damit sie nicht wieder durch den Schlamm schwimmen müssen!

  • Antwort von Steffl, Donnerstag, 12.Juli, 09:27 Uhr

    Falls ich die Jungs mal sehe, werde ich es ausrichten.

Barbara, Mittwoch, 11.Juli, 17:25 Uhr

4. "Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde."

So sagt Jesus im Evangelium!

Atze, Mittwoch, 11.Juli, 16:02 Uhr

3. Ein Mensch hat mit dem Leben dafür bezahlt

Wie gut, dass alle Kinder gerettet wurden.
Diese Jubelstürme ,um die Welt geschickt ,bestürzen mich aber irgendwie. Hoffentlich werden die richtigen Schlussfolgerungen gezogen.MfG

Steffl, Mittwoch, 11.Juli, 14:57 Uhr

2. Eine andere Welt, eine andere Gesellschaft

Den Menschen dort ist es wichtig, dass jeder wieder gesund wird. Weder Trainer noch Schüler wissen, dass ein Helfer verunglückt ist. Das wird auch bewusst nicht gesagt, damit sich niemand mit Schuldgefühlen auflädt und aus der Situation keinen Ausweg mehr sieht. Andererseits darf man die Wertorientierung der thailändischen Gesellschaft nicht mit unserer vergleichen. Man wird dort immer Lösungen finden. Es sind schließlich keine Kriminelle, sondern junge Männer aus wohlerzogenem Haus, die aufgrund der Ereignisse sicherlich bald ihren Dienst als Mönche antreten und dem Verstorbenen die Ehre erweisen und ihn und seine Retter nie vergessen werden. Vielleicht bleibt so mancher sein Leben lang Mönch, das liegt in seiner Entscheidung. Er genießt dann allerhöchstes Ansehen in der Gesellschaft. Es ist eben sein Karma im jetzigen Leben bestimmt durch diese Ereignisse.

  • Antwort von Glaskugel, Freitag, 13.Juli, 06:17 Uhr

    Der einzig englisch sprechende Junge aus Birma, dessen Eltern ihn auf eine einfache thailändische Schule geschickt haben, bekommt jetzt wahrscheinlich die thailändische Staatsbürgerschaft. Somit ist es ihm dann auch erlaubt zu arbeiten, was üblicherweise für Ausländer, die den normalen Visaablauf durchlaufen nicht so ohne weiteres möglich ist.

Leon, Mittwoch, 11.Juli, 14:02 Uhr

1. Toll

Thailand feiert seine Helden. Und das mit Recht, denn das war eine Meisterleistung aller Helfer.

  • Antwort von Steffl, Mittwoch, 11.Juli, 19:06 Uhr

    Die Kinder haben gesagt, wenn der Coach nicht da gewesen wäre, wären sie jetzt schon alle tot. Sie wären alleine gar nicht auf den Felsen gekommen, da das Wasser schon zu hoch war. Sie brauchten jede Menge Steine als Steighilfe.