42

ARD-Korrespondentin im Iran "Wer im Iran ist, muss ein Kopftuch tragen"

Natalie Amiri berichtet für die ARD aus Teheran. Wenn sie von dort zugeschaltet ist, trägt sie stets ein Kopftuch. Warum sie das macht und wie die Arbeitsbedingungen in dem islamischen Land sind, das verrät sie im Interview mit tagesschau.de.

Von: tagesschau.de

Stand: 03.01.2018

Natalie Amiri live aus Teheran | Bild: Bayerischer Rundfunk

tagesschau.de: Viele Zuschauer möchten gerne wissen, warum Sie bei der Berichterstattung für die ARD ein Kopftuch tragen?

Natalie Amiri: Es ist keine Frage der eigenen Entscheidung. Im Iran gilt das Gesetz für alle Frauen, Iranerinnen und Ausländerinnen: Wer auf iranischem Boden ist, muss ein Kopftuch tragen. Als ARD-Korrespondentin muss ich mich an diese Schleierpflicht halten. Es gab schon öfter Vorschläge von Zuschauern, einen Mann als Korrespondenten zu schicken. Ich finde diesen Vorschlag weniger emanzipiert als dass ich mich hier im Iran an das Gesetz halte und als Frau berichte. Auch in Deutschland verlangen wir, das sich alle an unsere Gesetze halten.

tagesschau.de: Wann und wo müssen Frauen im Iran Kopftuch tragen?

Amiri: Überall im öffentlichen Raum. Ab der ersten Schulklasse.

tagesschau.de: Ist es vorgeschrieben, das Kopftuch auch bei Schalten aus dem Studio zu tragen?

Amiri: Ja, ich arbeite mit iranischen Kollegen zusammen, deshalb trage ich Kopftuch. Es ist einfacher konsequent, das Kopftuch zu tragen, anstatt es einmal nicht und einmal schon zu tragen. Denn sonst müsste man sich jedes Mal erneut erklären. Und das nimmt Zeit in Anspruch, die ich lieber für Geschichten aus diesem Land verwende.

tagesschau.de: Sind Sie derzeit die einzige ausländische Berichterstatterin im Iran? Warum dürfen Sie von dort berichten und andere nicht?

Natalie Amiri

Amiri: Die ARD hat seit 30 Jahren ein ständiges Büro in Teheran. Wir bekommen monatlich unsere Drehgenehmigungen und müssen nicht aus Deutschland ein Visum beantragen. So ist es natürlich einfacher, schnell in eine aktuelle Berichterstattung einzusteigen. Aus dem Westen gibt es hier noch das ZDF, ORF und Nachrichtenagenturen soweit ich weiß. BBC, CNN und andere haben seit 2009 keine ständigen Büros mehr, nach den letzten großen Protesten, die hier im Iran stattgefunden haben. Damals waren auch nur so viele internationale Journalisten im Land, weil sie für die Präsidentschaftswahl eingeladen waren und so einfach ins Land kamen. Die Proteste begannen damals in der Nacht nach der Wahl, und alle waren hier.

tagesschau.de: Wie sieht der Alltag als Berichterstatterin für Sie aus?

Amiri: Es gibt herrliche Geschichten aus dem Land. Ich sehe meine Aufgabe darin, nicht nur die Klischees zu bedienen, die man im Westen über die Jahre im Kopf über den Iran gesammelt hat, sondern auch die vielen großartigen Menschen zu zeigen. Ich möchte denen eine Stimme geben, die ich hier treffe.


42

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

T.B., Mittwoch, 03.Januar, 18:55 Uhr

8. Kopftuch

Sehr geehrte Frau Amiri,

ich verstehe, dass Sie bei Interviews auf der Straße das Kopftuch tragen (müssen). Was ich nicht verstehe ist, dass sich bei Schalten aus dem Studio für den schweizer Rundfunk und die ARD ihren Kopf bedecken. Für den normalen schweizer oder deutschen Zuschauer ist durchaus erkennbar, wo man sich den örtlichen Vorschriften beugen muss und wo dies nicht mehr geschehen muss. Beim Kommentar aus dem Studio erscheint mir das Tragen des Kopftuches schon als Geste gegenüber der iranischen Staatsmacht.

Realistin 1, Mittwoch, 03.Januar, 17:58 Uhr

7.

Ich denke dass die ganze nordafrikanische Welt durchdreht. Die jungen Menschen im Iran wollen ein westlicheres Leben führen und das Mullah Regime hängt an ihrem veraltenden Glaubensvorstellungen.
Ich sehe mir sehr gern Berichte/Dokumentationen aus diesen Ländern an, die Natur/Menschen/Kultur dort, haben etwas faszinierendes für mich. Leider fehlt mir in diesen Ländern die Rechte der Frauen, Kinder und die menschlichen Werte. Dese Welt passt nicht in unsere moderne Welt, das wird noch Jahrzehnte dauern bis dass in diesen Ländern einen Wende stattfindet. Und so geht es auch mit den anderen arabischen Staaten die noch einen weiten Weg vor sich haben, aber ohne unsere Hilfe. Diese Menschen müssen das Moderne und den Fortschritt von alleine begreifen und das ohne Zwang.
Deutschland muss aufhören diese Länder mit Kriegswaffen zu versorgen und ihnen mehr ein respektvolles, friedfertiges Miteinander aufzeigen.
Wer solche Länder besucht passt sich an oder bleibt ihnen fern!.

Rolph, Mittwoch, 03.Januar, 16:49 Uhr

6. Unterschiedliche Kulturen und Wertvorstellungen sollten respektiert werden

1. Die Kopftuchvorschrift in Iran müssen wir Deutsche respektieren!
2. Ich möchte aber auch, dass Araber unsere Regeln respektieren! Wir sollten das Kopftuch als politisch-religiöse Botschaft in Deutschland bzw. im öffentlichen Raum gesetzlich verbieten. Die Religion gehört ausschließlich in den privaten Bereich.

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 03.Januar, 17:12 Uhr

    Dann besprechen sie das doch mit den christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften.....viel Spaß.

  • Antwort von derBÖSEwolf, Mittwoch, 03.Januar, 17:13 Uhr

    @Rolph
    sehe ich genau so, aber ist Leider nur ein Wunschtraum....

  • Antwort von Leo Bronstein, Mittwoch, 03.Januar, 19:15 Uhr

    @Wolf
    >Dann besprechen sie das doch mit den christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften.....viel Spaß.<

    .
    Haben Sie schon mal einen von Juden betriebenen Stand in einer Fußgängerzone mit einem Banner auf dem >Lies Tora< steht gesehen?
    Einem Stand bei dem ad hoc Konvertierungen zum Judentum stattfinden?
    Vom Judentum zumindest scheinen Sie wirklich keinen blassen Schimmer zu haben.

Schorsch, Mittwoch, 03.Januar, 16:41 Uhr

5. Es hat doch auch Gutes

Ich war ja lange Zeit wirklich kein Freund der islamischen Landnahme. Inzwischen sehe ich aber durchaus Positives daran, denn spätestens dann ist es aus mit dem maxistischen Gendergetue und die Linken, Grünen und was da sonst so aus den Gullis gekrochen kam, das ist dann ganz schnell beseitigt. Auch der Truderinger wird sich wundern, wenn er seinen roten Trollinger aus der grünen Flasche nicht mehr picheln kann und ganz ehrlich: Die Weiberwirtschaft in Berlin ist dann so schnell weg, so schnell kann man gar nicht schauen. Die Merkel in Vollverhüllung ist doch auch was!? Ich freu mich so langsam drauf.

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 03.Januar, 17:49 Uhr

    @schors,
    Dieser Schmarrn ist keine Antwort wert.

  • Antwort von Schorsch, Mittwoch, 03.Januar, 18:53 Uhr

    @Wolf: Warum antworten Sie dann? Natürlich erwartungsgemäß inhaltsfrei.
    An alle anderen: Bedenke, worum Du bittest. Es könnte Dir gewährt werden!

zwitscher, Mittwoch, 03.Januar, 15:52 Uhr

4. DANKE!

Ich möchte mich auf diesem Wege bei Frau Amiri herzlich für ihre anspruchsvolle Arbeit bedanken. Diese journalistische Arbeit ist in unserer globalisierten Welt von unschätzbaren Wert.
Wie Frau Amiri mit der Kopftuch-Pflicht umgeht zeugt von hoher Professionalität. Wenn man Hintergründe recherschieren möchte, muß man der Bevölkerung in Augenhöhe begegnen und nicht oberlehrerhaft von oben herab.
Liebe Frau Amiri ich wünsche ihnen alles Gute und passen sie auf ihren Schutzengel auf.

  • Antwort von Prof. Friedrich Rückert (1788-1866), Mittwoch, 03.Januar, 17:59 Uhr

    Dichter (u. a. etwa 10.000 Gedichte), Übersetzer (u. a. Teilübersetzung des Korans) und einer der Begründer der Orientalistik in Deutschland; er beherrschte 44 Sprachen (u. a. Gotisch, Altäthiopisch, Aramäisch, Tschagataisch, Tamil oder Malaiisch); Ehrenbürger von Coburg und Schweinfurt

    Ihrem Kommentar kann ich mich voll und ganz anschließen.