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Nach Trumps NATO-Tiraden Amerika auf Distanz zum Präsidenten

Als "unverschämte Beleidigung" wurde der Auftritt von Trump bei der NATO aufgefasst. In den USA distanzieren sich beide Kammern vom Präsidenten und stützen die Kanzlerin.

Von: Martin Ganslmeier

Stand: 12.07.2018

11.07.2018, Belgien, Brüssel: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Donald Trump, Präsident der USA, sprechen bei einem bilateralen Treffen am Rande des Nato-Gipfels. Vom 11. bis 12.07.2018 nehmen die Staats- und Regierungschefs der 29 Nato-Mitgliedstaaten und Vertreter der EU am Gipfeltreffen des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses teil. Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Pablo Martinez Monsivais

Dass der amerikanische Präsident multilaterale Organisationen wie die EU oder die NATO nicht mag, das ist in den USA bekannt. Doch die Art und Weise, wie Donald Trump in Brüssel die Verbündeten und insbesondere Deutschland angriff, das war in fast allen Nachrichtensendungen in den USA das Top-Thema: "Präsident Trump attackiert Amerikas engste Verbündete", verkündete NBC-Anchorman Lester Holt zu Beginn der "Nightly News".

Bewusster Kontrapunkt

Trumps Vorwurf, dass "Deutschland vollkommen von Russland kontrolliert" werde, stieß in den US-Medien, aber auch in der Politik auf Kopfschütteln. Breit zitiert wurde die Entgegnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie selbst habe erlebt, dass ein Teil Deutschlands tatsächlich von der Sowjetunion kontrolliert wurde.

Während Trumps Tiraden in Brüssel die Schlagzeilen beherrschten, setzte der US-Kongress einen bewussten Kontrapunkt. In einer seltenen überparteilichen Resolution bekräftigte das Repräsentantenhaus seine Unterstützung für die NATO. Paul Ryan, mächtigster Republikaner im Kongress und Sprecher im Repräsentantenhaus, distanzierte sich von Trumps Kritik: "Die NATO ist unverzichtbar. Sie ist heute wichtiger als je zuvor. Das wollen wir in unserer Resolution zum Ausdruck bringen. Und der Senat hat auch eine verabschiedet."

"Trumps Rhetorik schadet uns"

Im Senat, in dem die wichtigsten US-Außenpolitiker sitzen, hatten sich zuvor 97 Senatoren bei nur zwei Gegenstimmen für Amerikas volle Unterstützung der NATO ausgesprochen. In einer ebenfalls seltenen gemeinsamen Stellungnahme verurteilten die führenden Demokraten aus Senat und Repräsentantenhaus Trumps Attacken gegen Deutschland: "Präsident Trumps unverschämte Beleidigungen und Verunglimpfungen Deutschlands, eines unserer verlässlichsten Verbündeten, sind eine Peinlichkeit", schrieben Chuck Schumer und Nancy Pelosi.

Trumps Verhalten in Brüssel sei ein weiteres verstörendes Signal, dass er "loyaler zu Präsident Putin als zu unseren NATO-Verbündeten" sei. Im Ton zurückhaltender, aber in der Sache ähnlich war die Kritik des republikanischen Senators Bob Corker. Er ist Vorsitzender im Auswärtigen Ausschuss des Senats: "Trumps Rhetorik schadet uns. Das wirkt so, als schlagen wir unseren Freunden auf die Nase und dann strecken wir Leuten die Hand aus, die stark gegen uns arbeiten, wie Russland und Putin."

Nordstream 2 - da findet Trump Unterstützer

Einer der führenden Außenpolitiker der Demokraten, Senator Bob Menendez, betonte, die Resolutionen im Kongress seien eine bewusste Zurückweisung des Präsidenten und ein wichtiges Signal an Europa und Deutschland: "Unsere Verbündeten sollen wissen, dass das Gepolter des Präsidenten nicht die Haltung im US-Kongress ist. Und wir sind es, die das amerikanische Volk repräsentieren."

Nur bei einem Thema bekam Trump breite Unterstützung im Kongress. Die Erdgas-Pipeline Nordstream 2 sei kontraproduktiv, stärke Putin und schwäche wichtige Verbündete in Mittel- und Osteuropa. Diese Kritik an Deutschland sei berechtigt, sagte Ryan. "Wir haben auch Bedenken gegenüber Nordstream 2. Immer wenn ich mich mit unseren Verbündeten in Europa treffe, äußere ich die gleichen Bedenken."

"... das richtet sich gegen Amerikas Interessen"

Am Ende des Tages zog einer der klügsten politischen Köpfe in den USA ein alarmierendes Fazit: Harvard-Professor David Gergen, der sowohl für Ronald Reagan als auch für Bill Clinton im Weißen Haus tätig war, sagte bei CNN, Trump breche mit der jahrzehntelangen Außenpolitik früherer US-Präsidenten: "Angela Merkel war die stärkste Führerin in Europa in den vergangenen Jahren. Sie half, Europa zusammenzuhalten. Dass Trump die europäische Einheit angreift, das richtet sich zutiefst gegen Amerikas Interessen."


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Weltirrer, Donnerstag, 12.Juli, 09:50 Uhr

5. Donald Macburger

Man muss sich nicht wundern über das, was FastFood und gefärbtes Zuckerwasser idauerhaft im Gehirn anrichten.

Seppl, Donnerstag, 12.Juli, 09:30 Uhr

4. Merkel auf Extratour

Der maßgeblich von Altkanzler Schröder (SPD) eingefädelte Bau der Gasleitung Noth Stream 2 wurde von Anfang an von Polen, den Baltischen Ländern und der Ukraine scharf kritisiert.

(Schröder trat bekanntlich nach seiner Abwahl in den Sold von Putins Rosneft und ist dabei als Vorsitzender des Aufsichtsrates zum Multimillionär geworden.)

Merkel bleibt bei dem Projekt. Von Rücksicht auf US Interessen, auf die NATO oder auf andere EU-Länder ist gar nichts zu erkennen. Merkel macht wieder einen ihrer Alleingänge.

Wird sie nach der EU auch noch die Nato spalten?

  • Antwort von 20AX1, Donnerstag, 12.Juli, 22:47 Uhr

    North Stream 2 ist besonders wegen unbezahlter Rechnungen im Ukrainekonflikt mit Russland entstanden. Die Ukraine wurde nicht mehr beliefert und damit gleichzeitig die Djrchleitung für das westliche Europa verhindert.
    Das wird mit der weiteren Pipeline verhindert, dass Durchleitungsstaaten ein Erpressungspotenzial aufbauen können.

    Selbstverständlich wird das von Merkel fortgeführt. Es dient der diversifizierten Versorgungssicherheit.

Alexander K., Donnerstag, 12.Juli, 09:28 Uhr

3. Was kann man da noch sagen? Über den Herrn Trump.

Eigentlich wurde ja schon alles gesagt. Jeder hat da seine Position.

Daher mal was neues:
Zurückhaltung ist eine Errungenschaft der Evolution (habe ich in einer Dokumentation von Sir David Frederick Attenborough gesehen).

Vielleicht sollte der Herr Trump sich nicht überall wie ein Überständer platzieren. Solche Bäume sind den Stürmen in besonderer Weise ausgesetzt, Naja, vielleicht kommt daher die wirre Frisur und der wirre Geist ...

Hubert A., Donnerstag, 12.Juli, 09:17 Uhr

2. "Angela Merkel war die stärkste Führerin in Europa in den vergangenen Jahren"

würde ich um die Attribute "stabilste, fairste und zuverlässigste" Führerin ohne Machtanspruch ergänzen.

Egal welche Widrigkeiten sich in den letzten Jahren in Europa ergaben, die Kanzlerin war immer um den politischen Ausgleich bemüht und hatte sich damit Respekt und Anerkennung verschafft und damit Deutschlands Ansehen in der Welt gestärkt. Deshalb würde ich den Begriff "Führerin" gegen Moderator oder Lenkerin Europas tauschen.
Nach den Lehren des Nationalsozialismus und des Sozialismus hat sie ein neues Deutschland zusammen mit Helmut Kohl geprägt. Deutschland ist mächtig, ohne dabei mächtig sein zu wollen.

Klasse Deutschland, ich bin stolz auf dieses moderate Deutschland!

Russell, Donnerstag, 12.Juli, 08:52 Uhr

1. Americans: Stop this stupid President!

Ein Elefant ist dagegen ein hoch sensitives Tier. Trump nur noch ein Trampel im Porzellanladen.
Wie verzweifelt muss ein US-Präsident sein?

Respekt vor der Reaktion der Kanzlerin. Ein früherer Kanzler wäre wohl nicht so gelassen und kontrolliert geblieben.
Anyway, wir dürfen nicht die "normalen" Amerikaner aus dem Auge verlieren. Trump geht irgendwann vorüber, die deutsch-amerikanische Freundschaft nicht.

Make good Americans great again!